"Zwei Großmäuler treffen aufeinander - eine gefährliche Kombination"

Knapp zwei Wochen nach Nordkoreas Test einer Langstreckenrakete spitzt sich der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Nordkorea jetzt zu. Beide Seiten drohen mit einem militärischen Angriff. In einem Interview mit Jana Schiller gibt Klaus Schubert vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster eine Einschätzung der Lage.

Warum ist das Verhältnis zwischen Nordkorea und den USA so angespannt?

Es gibt zwei Punkte, die das angespannte Verhältnis erklären. Objektiv betrachtet, ist Nordkorea bei der Entwicklung von Atombomben weiter fortgeschritten als bislang gedacht. Subjektiv betrachtet, treffen in diesem Konflikt mit dem US-Präsidenten Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un zwei Personen aufeinander, die man als "Großmäuler" bezeichnen kann. Bislang wurde in der Außenpolitik der USA eine kluge Diplomatie eingehalten, die mit Trumps Amtseinführung durch eine sehr direkte Kommunikation abgelöst wurde. Die beiden Staatschefs ergeben zusammen eine gefährliche Kombination.

Vieles wird davon abhängen, wie die USA jetzt reagieren, oder?

Man kann von zwei verschiedenen inneramerikanischen "Strategien" sprechen. Auf der einen Seite verfolgt die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, bislang einen vernünftigen Ansatz, in dem sie die Sanktionen gegen Nordkorea verschärfen möchte und damit eine diplomatische gegenüber einer militärischen Lösung bevorzugt. Auch Russland und China haben in dieser Angelegenheit eingelenkt. Auf der anderen Seite ist Donald Trump jedoch bekannt für seine unbedachte und großspurige Rhetorik, die möglicherweise die strategischen Verhandlungen zunichtemacht.

Droht Ihrer Einschätzung nach ein Krieg zwischen Nordkorea und den USA?

Das ist schwer zu sagen, Donald Trump ist unberechenbar. Vielleicht sollte man sich mehr auf die Einschätzung des republikanischen US-Senator John McCain verlassen, der es für unwahrscheinlich hält, dass der Präsident seinen Worten Taten folgen lassen wird. Andererseits frage ich mich: Was soll nach so einer noch unmissverständlichen äußerung letzten Endes denn noch kommen - außer einer Auseinandersetzung? Wir können nur hoffen, dass McCain in dieser Sache Recht behält.

 
 
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