Wo fremde Pflanzen sesshaft werden

Ein Mosaik aus insgesamt 367 Bildern, die 360 eingeführte, eingebürger

Ein Mosaik aus insgesamt 367 Bildern, die 360 eingeführte, eingebürgerte oder invasive Pflanzenarten repräsentieren. Das Mosaik wurde von Daniel Nickrent unter Verwendung der Software EasyMoza erstellt. (Anmerkung: Die Position der Pflanzenarten auf der Mosaik-Weltkugel ist nicht zwingend identisch mit der tatsächlichen Verbreitung der Pflanzenarten.)


Biologen erstellen globale übersicht der Einwanderung und Ausbreitung fremder Pflanzenarten


(pug) Eine wissenschaftliche Erhebung gibt erstmalig eine globale übersicht über die Einwanderung von Pflanzenarten auf fremden Kontinenten und ihre Ausbreitung außerhalb ihrer heimischen Territorien. In einer internationalen Kooperation von 38 Forschungseinrichtungen erfassten Biologen unter Leitung von Mark van Kleunen von der Universität Konstanz Daten aus 481 Festlandgebieten und 362 Inseln, was rund 83 Prozent der weltweiten Landfläche entspricht. Nach der Erhebung der Wissenschaftler wurden durch den Einfluss des Menschen bereits mindestens 13.168 Pflanzenarten – das entspricht 3,9 Prozent der Flora weltweit – außerhalb ihres heimischen Lebensraums verbreitet. An dem Forschungsprojekt sind Holger Kreft und Dr. Patrick Weigelt von der Free Floater-Nachwuchsgruppe Biodiversität, Makroökologie und Biogeographie der Universität Göttingen beteiligt. Die Ergebnisse der Studie sind nun in der renommierten Fachzeitschrift Nature erschienen.

Mit beinahe 6.000 gebietsfremden Arten weist Nordamerika die größte Zahl an eingebürgerten Pflanzenarten auf, gefolgt von Europa mit über 4.000 eingewanderten Arten. Im Verhältnis zu ihrer Fläche verzeichnen die pazifischen Inseln den größten Zuwachs an fremden Pflanzenarten. Die Länder der nördlichen Hemisphäre sind die größten „Exporteure“, allen voran Europa und der nicht-tropische Teil Asiens. „Die große Zahl eingebürgerter Pflanzenarten auf Inseln ist besonders besorgniserregend, weil sie dort wegen vieler freier Nischen leichtes Spiel haben und die endemischen Arten zunehmend verdrängen“, so Prof. Kreft. Die Göttinger Wissenschaftler forschen zur Biodiversität von Pflanzen auf Inseln und haben zu der aktuellen Studie Daten zu zahlreichen Inselfloren beigetragen.

In vierjähriger Forschungsarbeit sammelten das Biologen-Team regionale Listen eingebürgerter Pflanzen aus allen Teilen der Welt und führten sie zu der globalen Datenbank „Global Naturalized Alien Flora (GloNAF)“ zusammen. „Die größte Herausforderung bestand darin, die Namen der Pflanzenarten zu standardisieren. Es gibt große regionale Unterschiede, unter welchem Namen dieselben Pflanzenarten in den verschiedensten Ländern bekannt sind“, berichtet Prof. van Kleunen von der Universität Konstanz, der das Forschungsprojekt federführend koordinierte.

Die Zahlen der Erhebung beziehen sich auf die Kategorie „eingebürgerter“ Pflanzen. Diese Kategorie umfasst sämtliche Pflanzenarten, die außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes in freier Natur wachsen und sich fortpflanzen. Die Zahlen sind insofern nicht deckungsgleich mit sogenannten invasiven Pflanzenarten, also jenen Arten, die sich rapide in nicht-heimischem Territorium ausbreiten und einen deutlichen Einfluss auf ihre neue Umgebung und andere Arten haben.

„Unsere Erhebung ist zunächst rein deskriptiv“, erläutert Prof. van Kleunen. „Sie beschreibt, wo fremde Pflanzenarten sich weltweit ausgebreitet haben und wo sie herkommen. Mit dieser Datengrundlage können wir nun beginnen, stärker Fragen nach den biologischen Zusammenhängen zu stellen.“ Was trieb die Verbreitung der Pflanzenarten voran? Welche Eigenschaften der Pflanzen begünstigen ihre Ausbreitung in den jeweiligen Gebieten? Welchen Stellenwert hat der evolutionäre Verwandtschaftsgrad zwischen eingewanderten und heimischen Pflanzen? „Die Daten können nun auch dazu genutzt werden, um Vorhersagen zu treffen, welche Arten in welchen Gebieten dominant werden könnten“, gibt Prof. van Kleunen einen Ausblick.

Originalveröffentlichung:
Mark van Kleunen et al. Global exchange and accumulation of non-native plants. Nature 2015. , dx.doi.org/10.1038/n­ature14910