Uni Kiel macht Studienerfolg möglich

Über 3500 Lehramtsstudierende gibt es an der Uni Kiel. Ihre fundierte Ausbildung

Über 3500 Lehramtsstudierende gibt es an der Uni Kiel. Ihre fundierte Ausbildung an der Uni Kiel sichert den qualifizierten wissenschaftlichen Nachwuchs an der Landesuniversität und sorgt für gut ausgebildete Fachkräfte im Land. Foto/Copyright: Raissa Nickel/CAU

Dreipunkteplan verbessert Übergang von der Schule ins Studium


Ob G8 oder G9: Die Qualität von Schule und Schulabschlüssen hängt maßgeblich von der Qualität der Lernprozesse und Lernbedingungen ab. Deshalb schlägt die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) aus aktuellem Anlass einen Qualitätspakt zwischen Schulen, Hochschulen und dem Land vor. „Das Ziel unserer Initiative ist es, die Studierfähigkeit der Abiturientinnen und Abiturienten deutlich zu verbessern. Unser Dreipunkteplan zielt darauf ab, Übergangsphasen optimal zu gestalten und Studienerfolge zu verbessern. Neben Unterstützungsangeboten im Studium stehen dabei Kooperationen mit Schulen sowie die Lehrkräfteaus-, -fortund -weiterbildung im Fokus“, kündigte CAU-Vizepräsidentin Professorin Ilka Parchmann am Mittwoch, 8. Februar, in Kiel an.
Punkt 1: Studienorientierung und Studienvorbereitung
Durch gemeinsame Programme mit Schulen möchte die CAU künftig neue Ansätze der Studienorientierung und Studienvorbereitung erproben. Ergänzend sollen studienspezifische Vorbereitungsund Einführungsangebote entwickelt werden. In Zusammenarbeit mit den Forschungsschwerpunkten der CAU sollen Angebote für die Profiloberstufen sowie vorbereitend für den Wahlpflichtunterricht erstellt werden, die Schülerinnen und Schülern Einblicke in aktuelle Forschungsrichtungen und -ansätze geben und die damit verbundenen Studienangebote und Berufsperspektiven aufzeigen.
Gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern möchte die Kieler Universität die erforderlichen Basisqualifikationen für ein erfolgreiches Studium früh und anhand konkreter Beispiele vermitteln. Dies gilt insbesondere für mathematische, naturwissenschaftliche oder sprachliche Kenntnisse. Dazu werden Materialien entwickelt, die über den Unterricht bis zum Abitur für Übungen eingesetzt können. Ergänzend sind Sommerschulen in Zusammenarbeit mit der Kieler Forschungswerkstatt geplant. Studieninteressierte Schülerinnen und Schüler lernen so während der Schulzeit projektbasiert Studientätigkeiten und -anforderungen kennen. Dies erleichtert ihnen die spätere Studienentscheidung. Das Programm wird durch den neuen Schwerpunkt „Profiloberstufe“ des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) wissenschaftlich begleitet.
Punkt 2: Unterstützung, Differenzierung und Studienqualitätsentwicklung
Vorkurse sind heute Standard an allen Universitäten. Sie vermitteln Einblicke in Studiertechniken und Studienabläufe. Außerdem werden hier inhaltliche und methodische Grundlagen vermittelt, über die viele Studienanfängerinnen und -anfänger nicht ausreichend verfügen. Gemeinsam mit Schulen und Fachlehrkräften will die CAU herausarbeiten, welche Grundlagen durch eine gezieltere Studienpropädeutik in der Oberstufe in der Schule und welche sinnvollerweise an der Universität vermittelt werden sollten. Dazu bedarf es einer engen Abstimmung zwischen Schulen und Hochschulen. Mit Tutorien und Projektkursen könnten nicht nur frühzeitig fehlende Basisqualifikationen erkannt und erworben werden, sondern auch besondere Talente erkannt und gefördert werden. „Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Universität derartige Angebote auf die Kapazität angerechnet werden“, fordert Parchmann.
Punkt 3: Lehrkräfteausbildung und Kooperationen mit Lehrkräften
Der Schlüssel zur Studierfähigkeit von Abiturientinnen, Abiturienten, FSJ-lern oder anderen Studieninteressierten sind optimal ausgebildete Lehrkräfte. „Gerade FSJ-ler haben besondere Potentiale, die wir besser heben wollen“, betont die Chemieprofessorin. Die Universität Kiel forciert deshalb die Qualitätsentwicklung in der Lehrkräftebildung. In fast allen 21 lehrerbildenden Fächern an der CAU wird gegenwärtig die Studienqualität verbessert, zum Beispiel durch die Entwicklung gemeinsamer Module aus Fachwissenschaft und Fachdidaktik oder die Beratung von Studierenden bereits in der Phase der Entscheidungsfindung. Zu den Bedingungen für und Entwicklungsverläufen von (angehenden) Lehrkräften laufen derzeit mehrere Studien, unter anderem im Programm „LeaP – Lehramt mit Perspektive“, das durch die „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ des Bundes gefördert wird.
Für die fachliche Fortund Weiterbildung von Lehrkräften entwickelt die CAU in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein Programm, das aktuelle und gesellschaftlich relevante Forschungsbereiche mit neuen Fachanforderungen der Schulen verbindet und so schulische und wissenschaftsorientierte Kompetenzbereiche stärker miteinander verknüpft. Neben Fortund Weiterbildungsangeboten im Land wird eine Plattform mit frei verfügbaren Materialien erstellt, so genannten Open Educational Resources, die Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern zur Verfügung stehen wird.
Schließlich arbeitet die CAU an einem Programm, mit dem dem Lehrkräftemangel in bestimmten Fächern begegnet wird. In Kooperation mit der RWTH Aachen wurde ein Programm initiiert, das Schülerinnen und Schüler über Praktika unter Begleitung der CAU an eine spätere berufliche Tätigkeit in Mangelfächern heranführt. Parallel könnten Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler der Universität Kiel als Assistenzlehrkräfte (Teaching Assistants) gezielt Unterrichtsaufgaben an Schulen übernehmen, um Lehrkräfte für andere Aufgaben zu entlasten, Schülerinnen und Schüler authentisch für das entsprechende Studiengebiet zu motivieren und selbst zu erproben, inwiefern eine Berufstätigkeit als Lehrkraft als berufliche Perspektive denkbar wäre.
„Viele dieser Ansätze haben wir mit dem Mittelaufwuchs im vergangenen Jahr bereits auf den Weg bringen können. Um Studienerfolg zu ermöglichen, die Qualität der Lehrkräftebildung weiter zu verbessern und junge Menschen zu motivieren, MINT-Fächer zu studieren, brauchen wir jedoch mehr Unterstützung der für Schule und Wissenschaft zuständigen Ministerien. Dazu gehören vor allem die Absicherung der Vorbereitungsund Übergangsangebote als Teil der universitären Lehrkapazität und die Möglichkeit, in die Qualität der Ausbildung zu investieren, ohne dass dies gleich wieder kapazitätswirksam wird. Der vom Land in Aussicht gestellte Landesfonds zur Lehrqualitätsentwicklung wäre dazu ein guter Ansatz“, betonte Parchmann.

 
 
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