Nachwuchsforscher treffen auf Nobelpreisträger: Drei junge Chemiker der WWU nehmen an Tagung am Bodensee teil

Seit 67 Jahren bringt die Lindauer Nobelpreisträgertagung erfolgreiche Wissenschaftler und Nachwuchsforscher zusammen. In diesem Jahr ist die Tagung der Chemie gewidmet. Vom 25. bis 30. Juni treffen knapp drei Dutzend Nobelpreisträger am Bodensee aufeinander. Hinzu kommen 400 exzellente Studierende, Doktoranden und Post-Docs unter 35 Jahren aus 76 Ländern. In einem mehrstufigen internationalen Auswahlverfahren haben auch drei junge Chemiker der Universität Münster überzeugt: Dr. Emily Mackay, Felix Klauck und Matthias Elinkmann freuen sich auf interessante Begegnungen und Gespräche mit den Nobelpreisträgern und anderen Wissenschaftlern ihrer Generation. Für die wissen leben haben sie ihre Erwartungen in kurzen Gastbeiträgen zusammengefasst.

"Gelegenheit, Projekte anzustossen"

Als ich die Zusage für die Teilnahme an der Lindauer Nobelpreisträgertagung bekam, wurde mir erst langsam bewusst, welch grosse Gelegenheit sich mir damit bietet. Neben Gesprächen mit berühmten Forschern möchte ich vor allem Ideen mit anderen Wissenschaftlern austauschen und Kontakte knüpfen. Deshalb bin ich dem Fonds der Chemischen Industrie, der mich auch mit einem Kekulé-Stipendium bei der Promotion unterstützt, für die Nominierung überaus dankbar.

Meine Promotion in der Arbeitsgruppe von Prof. Frank Glorius ist auf dem Gebiet der Organischen Chemie angesiedelt, also der Chemie der Kohlenstoffverbindungen, die einen grossen Anteil der belebten Materie darstellen. In diesen Verbindungen sind Kohlenstoff-Wasserstoffbindungen, die mit heutigen chemischen Methoden nur schwer in andere Bindungen umgewandelt werden können, besonders häufig vorhanden. Meine Forschung beschäftigt sich damit, neue Reaktionen zu finden, die solche Umwandlungen ermöglichen. Jede neue Reaktion kann dann die Synthese von bereits bekannten Molekülen beschleunigen und von unbekannten Molekülen ermöglichen und damit die Herstellung von neuen Pharmazeutika und Pflanzenschutzmitteln erlauben.

Besonders freue ich mich darauf, bei der Tagung auf die Nobelpreisträger Ei-ichi Negishi und Richard Schrock zu treffen, die durch ihre metallkatalysierten Reaktionen die Herstellung von komplexen Molekülen revolutioniert haben. Ich möchte gerne erfahren, wie so bahnbrechende Ideen entstehen, aber auch, wie man es schafft, Rückschläge in der eigenen Forschung zu überwinden. Vielleicht bietet sich auch die Gelegenheit, Kooperationsprojekte anzustossen.

Felix Klauck studierte Chemie an der Universität Köln und der RWTH Aachen. Seit 2015 promoviert er in der Arbeitsgruppe von Prof. Frank Glorius.


"Eine unvergessliche Erfahrung"

Nach dem Abschluss meines Studiums in Neuseeland bin ich nach Australien gezogen, um bei Prof. Michael Sherburn an der Australian National University in Canberra zu promovieren. Dort habe ich auf verschiedenen Gebieten der Chemie gearbeitet. Dazu zählt zum Beispiel die chemische Synthese von instabilen Kohlenwasserstoffen und von komplexen organischen Molekülen.

Nach meiner Promotion bin ich nach Münster gegangen, um bei Prof. Armido Studer als Postdoktorandin zu arbeiten. Finanziert werde ich dabei durch ein Forschungsstipendium der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Zurzeit arbeite ich in dem spannenden und sich schnell entwickelnden Bereich der Radikalchemie, insbesondere der Elektronen-Katalyse. Ich bin sehr dankbar dafür, dass mich die Alexander-von-Humboldt-Stiftung zur Lindauer Nobelpreisträgertagung eingeladen hat, und ich freue mich auf diese einzigartige Erfahrung.

Die Tagung ist eine hervorragende Gelegenheit für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, Nobelpreisträger zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Wir werden beeindruckende Vorlesungen hören, an „science breakfasts“ sowie an Diskussionen und Masterclasses teilnehmen, alles in der schönen Stadt Lindau. Mich interessieren besonders die Vorlesungen von Ben Feringa, Richard Schrock, Jean-Pierre Sauvage und Ei-ichi Negishi. Das wird eine unvergessliche Erfahrung.

Dr. Emily Mackay hat an der Australian National University in Canberra promoviert. Sie ist Forschungsstipendiatin der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und arbeitet als Postdoktorandin im Bereich Elektronen-Katalyse am Organisch-Chemischen Institut.


"Momente der Ehrfurcht"

Als Masterstudent im Fach Lebensmittelchemie stehen meine Forschungserfahrungen noch ganz am Anfang. Gerade weil ich mich noch vor der Masterarbeit befinde, ist es spannend, in den Lebensläufen der Nobelpreisträger zu lesen, wie diese sich vor etlichen Jahren in einer vergleichbaren Situation befanden. Einige von ihnen waren unbeirrt auf der richtigen Spur, andere hatten Phasen der Orientierung, andere mussten sich gegen Zweifel behaupten. Deshalb glaube ich, dass auf der Tagung nicht nur beachtliche Fachkompetenz, sondern auch wertvolle Lebenserfahrung und sympathische Menschen versammelt sind.

Ich fahre also auf meine erste Konferenz und rechne mit spannenden Gesprächen, Momenten der Ehrfurcht und Herzlichkeit, wenn all diese alten Hasen, Grundsteinleger und Entdecker inmitten einer internationalen Nachwuchsgruppe aufeinandertreffen. Ich hoffe auf interessante Charaktere und auf Augenblicke, in denen wir einander kennenlernen, plaudern und gemeinsam neugierig sind.

Besonders freue ich mich auf Menschen wie Rudolph Arthur Marcus, der theoretische und praktische Arbeit gewinnbringend miteinander verbunden hat, oder Hartmut Michel, John Ernest Walker und Stefan Hell, die ihrem Gespür folgend Untersuchungsmethoden gegen die Lehrbuchmeinung etabliert haben. Darüber hinaus werde ich auch im Hinblick auf meine bevorstehenden Auslandssemester in Sevilla die internationale Runde begeisterter Naturwissenschaftler geniessen, mit denen ich sicherlich viele Interessensschwerpunkte gemeinsam habe.

Matthias Elinkmann ist Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und studiert im zweiten Mastersemester Lebensmittelchemie an der WWU.

Dieser Artikel stammt aus der Universitätszeitung "wissen

 
 
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