Nachdenken über biologische Phänomene

Nachdenken über biologische Phänomene


Workshop arbeitet an höherer Qualität des Biologieunterrichts

Europäische Experten für Lehrerbildung im Fach Biologie wollen bei einem Workshop gemeinsam mit Lehrern des Fachs ein internationales Netzwerk etablieren, das das Nachdenken im Biologieunterricht fördern soll. Die Teilnehmer der Konferenz "Thoughtfulness in Biology Education", die vom 16. bis 19. November an der Universität Leipzig stattfindet und vom Institut für Biologie veranstaltet wird, richtet sich an wissenschaftliche Fachdidaktiker, Biologen, Biologielehrer aus dem In- und Ausland, sowie andere Akteure der Lehrerbildung im Bereich der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik).


Studierende, Lehrer und Wissenschaftler wollen künftig gemeinsam in dem europäischen Netzwerk "Thoughtfulness in Biology Education" an der Qualitätsentwicklung im Biologieunterricht arbeiten. "Das Kernstück unseres Projektes bildet die Idee, dass Momente des Innehaltens, sich Wunderns und Nachdenkens über Naturphänomene einen besonderen Wert für Bildungsprozesse haben", sagt Jörg Zabel vom Institut für Biologie, der die Tagung gemeinsam mit Alexander Bergmann organisiert hat. Der naturwissenschaftliche Unterricht sei in verschiedener Hinsicht in einer Phase des Umbruchs und in einer Krise. "In der biologischen und medizinischen Forschung entstehen ständig neue Erkenntnisse und Technologien mit teilweise gravierenden Auswirkungen für unser zukünftiges Leben, während gleichzeitig das Interesse der Schüler an den Naturwissenschaften nachlässt", erklärt Zabel. Es entstehe der Eindruck, immer mehr Fakten müssten in kurzer Zeit vermittelt werden. Dabei bleibe im Unterricht keine Zeit zum Nachdenken, für eine vertiefte Bildung, die auch die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler berührt.

Als Beispiel nannte der Biologie-Didaktiker das rasante Tempo, mit dem sich die biologische Artenvielfalt verringert. Gleichzeitig wächst die Bedrohung durch Bakterienstämme, die gegen Antibiotika resistent sind. Beide Entwicklungen gehen auf menschliches Handeln zurück. "Man benötigt grundlegendes Fachwissen, um all diese Prozesse zumindest in ihren Grundzügen verstehen und einordnen können. Wir müssen uns also die Zeit nehmen, gemeinsam mit den Schülern über diese Fragen und Entwicklungen nachzudenken. Es reicht nicht aus, ihnen nur die Fakten zu präsentieren", erläutert Zabel. Die Initiative und der Workshop seien deshalb eine Möglichkeit, das Fach Biologie als eines wiederzuentdecken, das Fragen beantwortet, aber auch neue Fragen aufwirft. Die Teilnehmer des Workshops wollen gemeinsam Möglichkeiten aufzeigen, wie der Unterricht lebensnäher werden kann und mehr zur Allgemeinbildung beiträgt.

Die Konferenz soll Lösungsansätze für den Biologieunterricht in Deutschland und im Ausland liefern. Experten aus Großbritannien beispielsweise beklagten eine starke ökonomisierung der Bildung. Schulen würden zu Lernfabriken, die auf Produktivität getrimmt werden. "In Sachsen macht der abrupte Generationswechsel in den Lehrerzimmern Sorgen, verbunden mit einem starken Lehrermangel. Es gehen derzeit viele Lehrer der naturwissenschaftlichen Fächer gleichzeitig in den Ruhestand. Ihre Berufserfahrung und ihr pädagogisches Augenmaß geht den Schulen verloren", umreißt der Biologie-Didaktiker Alexander Bergmann die Situation. Nachrückende junge Lehrer hätten dagegen lange Zeit kaum eine Berufsperspektive in Sachsen bekommen. Sie seien hochmotiviert und gut ausgebildet, stünden aber vor vollen Lehrplänen und heterogenen Klassen.

Welche Lehrplaninhalte sind also wirklich wichtig, und was ist verzichtbar? - Auch auf diese Fragen suchen die Teilnehmer des Workshops Antworten. Er findet - ebenso wie die darin eingebettete Lehrerfortbildung - am Freitag, dem 17. November, im Institut für Biologie in der Johannisallee 21-23 statt. Auch die interessierte öffentlichkeit kann daran teilnehmen. Die Veranstalter bitten aber wegen begrenzter Kapazitäten um vorherige Anmeldung über die Website.

 
 
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