Ehrendoktorwürde für Patriarch Bartholomaios I

Evangelische Fakultät der Universität Tübingen würdigt Oberhaupt der Orthodoxen Kirche für seine Verdienste um die Ökumene

Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen verleiht die Ehrendoktorwürde an den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I. Sie würdigt damit sein herausragendes und jahrzehntelanges Engagement und seine Verdienste für die Verständigung zwischen dem orthodoxen Patriarchat und der evangelischen Kirche. Der durch den Ökumenischen Patriarchen ermöglichte und gepflegte Kontakt zwischen den beiden Konfessionen schaffe ein tiefes gegenseitiges theologisches Verstehen und fördere so besonders den wissenschaftlichen Austausch, sagte die Fakultät.

Sein Einsatz für die Erhaltung der Schöpfung stelle darüber hinaus eine Herausforderung für die gesellschaftlichen Aufgaben der christlichen Kirchen und der wissenschaftlichen Theologie dar. Der Ökumenische Patriarch repräsentiere ein theologisch hoch reflektiertes und gesellschaftlich verantwortliches Christentum in Europa und weltweit wie auch im Dialog mit anderen Religionen. ‘Er fordert nachdrücklich den sozialen Zusammenhalt in den europäischen Gesellschaften. Das gesamte theologische Schaffen des Ökumenischen Patriarchen wie auch seine spirituelle Orientierungskraft sind auf den Erhalt und die Förderung von Frieden und Freiheit zwischen den Religionen und den gegenwärtigen Gesellschaften ausgerichtet’, so die Begründung der Fakultät. ‘Der vielfach geehrte Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. ist eine herausragende, zugleich mahnende und ermutigende Stimme christlicher Religion und Theologie in einem pluralen Europa.’

Die Auszeichnung erfolgt am 30. Mai 2017 in einer öffentlichen Feier. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. folgt mit seiner Reise nach Deutschland einer Einladung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, zum Reformationsjubiläum 2017. Mit der Auszeichnung von Patriarch Bartholomaios I. im Gedenkjahr der Reformation 2017 wird auch auf lutherisch-orthodoxe theologische Kontakte Bezug genommen, zu denen es bereits im 16.Jahrhundert zwischen Tübingen und Konstantinopel kam. Nachdem auf diplomatischen Kanälen 1573 aus Württemberg Kontakte geknüpft waren, übersandte der Gräzist Martin Crusius im Jahr 1574 Patriarch Jeremias II. den ins Griechische übertragenen Text des für die lutherische Konfession zentralen Augsburgischen Glaubensbekenntnisses. Es entwickelte sich ein bis 1581 hinziehender brieflicher Austausch des Patriarchen mit lutherischen Theologen über zentrale konfessionelle Fragen. In der Gegenwart wird seit Jahren wieder ein intensiver bilateraler Dialog zwischen der EKD und dem Ökumenischen Patriarchat geführt.

Der Festakt in Tübingen bildet den Auftakt zu einer zweitägigen wissenschaftlichen Tagung zum Thema Christliche Freiheit mit orthodoxen und protestantischen Theologinnen und Theologen. Bereits am 29. Mai wird der Patriarch in Stuttgart unter der Begleitung des Ratsvorsitzenden der EKD mit Vertretern aus der Politik und dem Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, zusammentreffen.

Bartholomaios I. wurde 1940 als Dimitrios Archondonis auf der Insel Imbros (Türkei) geboren. Nach dem theologischen Diplom auf Chalki und der Diakonenweihe auf Imbros leistete er von 1961 bis 1963 seinen Militärdienst in der türkischen Armee. In den Jahren 1963 bis 1968 studierte er in Rom, München und Bossey. Im Jahr 1968 wurde er an der Gregoriana zum Dr. Iuris Canonici promoviert. Am 19. Oktober desselben Jahres wurde er zum Archimandriten geweiht. Von 1972 bis 1980 leitete er das Büro des Patriarchen Dimitrios. Am 25. Dezember 1973 wurde er zum Metropoliten von Philadelphia erhoben, und seit 1974 ist er Mitglied der Heiligen Synode des Ökumenischen Patriarchats. Im Jahr 1990 wurde er zum Metropoliten von Chalcedon erhoben, und am 22. Oktober desselben Jahres wurde er zum Ökumenischen Patriarchen gewählt.

 


 
 
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