Die brasilianische Militärdiktatur erinnern

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Lesung und Gespräch mit dem brasilianischen Schriftsteller Bernardo Kucinski am 14. Mai 2018 am Institut für Romanische Philologie der Freien Universität Berlin

Der brasilianische Autor Bernardo Kucinski ist am 14. Mai für eine Lesung am Institut für Romanische Philologie der Freien Universität Berlin. Bei der Veranstaltung wird der Schriftsteller auch mit Studierenden sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern diskutieren. Die Veranstaltung ist öffentlich und findet in deutscher und portugiesischer Sprache statt, der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Der 1937 in São Paulo geborene Schriftsteller Bernardo Kucinski war bis 2012 Professor für Journalismus an der Universität von São Paulo. In der ersten Legislaturperiode des ehemaligen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva (2002-2006) war Kucinski dessen Berater in Pressefragen. Während der brasilianischen Militärdiktatur (1964-1985) ging Kucinski ins Exil nach London, wo er unter anderem für die BBC arbeitete. Im Jahr 1974 kehrte er nach Brasilien zurück, nachdem seine Schwester Ana Rosa Kucinski verschleppt worden war.

Der in zahlreiche Sprachen übersetzte Roman ,,K. oder die verschwundene Tochter" bezieht sich auf das Verschwinden der Schwester. Zugleich nimmt der Roman im Fokus auf die Familie Kucinski die polnisch-jüdische und die brasilianische Geschichte des 20. Jahrhunderts in den Blick. Der 1904 im polnischen W?oc’awek geborene Vater des Autors Majer Kucinski war 1933 nach São Paulo ausgewandert. Im Roman wird der Tatbestand des ,,erzwungenen Verschwindenlassens" mit den Initialen K. und A. benannt, um sich auf den Vater und seine verschwundene Tochter zu beziehen. Der Verzicht auf die Nennung von vollständigen Namen der betroffenen Familie macht deutlich, dass im Roman nicht allein die Geschichte einer einzelnen Familie erzählt wird, sondern ein kollektives Schicksal. Die Täter werden hingegen mit Klarnamen benannt.

Bernardo Kucinski wird aus dem brasilianischen Original lesen, seine deutsche Übersetzerin Sarita Brandt aus der im Transit-Verlag erschienen Übersetzung. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit dem Simon-Dubnow-Institut in Leipzig organisiert.