Blog: Marsforschung im Nordpolarmeer: Planetologen der WWU berichten von unterwegs

Wissenschaftler um Harald Hiesinger und Dr. Dennis Reiss vom Institut für Planetologie der WWU gehen regelmäßig im norwegischen Spitzbergen auf Exkursion. Sie erhoffen sich neue Erkenntnisse über den Planeten Mars: Durch vergleichende geologische Untersuchungen ziehen sie Rückschlüsse auf die Oberflächenbeschaffenheit des Roten Planeten. Auch in diesem Jahr sind die Forscher unterwegs. In ihrem Expeditionsblog berichten sie von Mitte bis Ende Juli von ihrer Reise. Heute steht das ‘große Packen’ an - morgen fliegen die Münsteraner von Düsseldorf über Kopenhagen und Oslo nach Longyearbyen, Spitzbergen.

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Die letzten Vorbereitungen laufen. Einen Großteil unserer Ausrüstung haben wir bereits im Januar per Schiff nach Ny Ålesund (Abb. 1,2) verschifft, und am Mittwoch werden Dr. Dennis Reiss und ich uns auf den Weg dorthin machen. Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) betreibt dort zusammen mit dem französischen Polarinstitut Paul-Emile Victor (IPEV) die permanent besetzte Koldewey- Forschungsstation, besser bekannt als das ‘Blaue Haus’ (Abb. 3). Diese Forschungsstation ist Teil einer internationalen Forschungsbasis, die der norwegischen Firma Kings Bay AS gehört. Diese Firma begann 1916 als Bergbauunternehmen und baute bis 1963 Kohle in Ny Ålesund ab. Nach einem verheerenden Grubenbrand, bei dem 21 Bergleute starben, wurde der Bergbau eingestellt und die Bergbausiedlung ab 1964 Arktisforschern zur Verfügung gestellt. 1926 war Ny Ålesund Ausgangspunkt für Roald Amundsen, Lincoln Ellsworth und Umberto Nobile für eine Luftschiff-Expedition zum Nordpol (Abb. 4). Die Expedition überquerte im Luftschiff ‘Norge’ den Nordpol und landete sicher in Teller, Alaska. 1928 kam Umberto Nobile zurück, um erneut zum Nordpol aufzubrechen. Leider endete die Fahrt der ‘Italia’ in einer Katastrophe. An der anschließenden Suchaktion beteiligte sich auch Amundsen und kam dabei bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Weder Flugzeug noch die Leiche von Amundsen wurden jemals gefunden. Wir hoffen auf besseres Glück!

Ny Ålesund ist heutzutage bequem per kleiner Propellermaschine in ca. 30-45 Minuten von Longyearbyen, der Hauptstadt Spitzbergens, erreichbar - allerdings nur für Forscher, die zuvor einen Projektantrag beim AWI eingereicht haben und ausgewählt wurden. In Longyearbyen werden wir uns mit Ernst Hauber vom DLR in Berlin und Dr. Andreas Johnsson von der Universität Göteborg treffen, die seit 2008 zur Kernmannschaft unserer mehr oder weniger jährlichen Arktisaktivitäten gehören. Unsere Forschung wird sich, wie in den vergangenen Jahren, hauptsächlich mit sogenannten Steinkreisen und den morphologischen Strukturen befassen, die beim Abtauen der Seitenmoräne des Kongsbreen-Gletschers entstehen. Nun kann man sich natürlich fragen, was haben Planetologen auf Spitzbergen und mit glazialen/periglazialen Strukturen zu tun? Nun, Spitzbergen liegt auf ca. 74-81° nördlicher Breite und ist eine Eiswüste mit niedrigen Temperaturen und einer relativ geringen Niederschlagsmenge. Somit ist der Spitzbergen-Archipel ein gutes Analog zum Mars, der im Jahresdurchschnitt -60°C kalt ist und ebenfalls sehr arm an Niederschlägen ist. Auf dem Mars gibt es Oberflächen, die den glazial/periglazial gebildeten Oberflächen auf der Erde zum Verwechseln ähnlich sind. Um diese Marsoberflächen richtig verstehen und interpretieren zu können gehen wir nach Spitzbergen, um dort etwas über die Prozesse, Bildungsraten, und Strukturen dieser Morphologien zu lernen.

Nun geht es also morgen von Düsseldorf über Kopenhagen und Oslo nach Longyearbyen. Den heutigen Tag habe ich mit einem Mitarbeitertreffen, Zwischenberichten zu meinen Raumfahrtprojekten und einer Vorlesung verbracht. Heute Abend steht dann das ‘große Packen’ an! Alles was wir heute zu packen vergessen, wird uns in den nächsten 14 Tagen fehlen. Ein vergessenes Netzteil oder eine vergessene Mütze können dann zum größeren Problem werden. Andererseits muss alles in einen Rucksack passen, der dann auch im Gelände über mehrere Kilometer getragen werden kann. Da wird zwangsläufig nur die nötigste Kleidung und Ausrüstung gepackt. Hinzu kommen noch zwei große Alukisten mit Ausrüstungsgegenständen, sodass wir jede Menge zu schleppen haben. Mal sehen, wie viel wir morgen beim Einchecken für Übergepäck zahlen müssen...