Wo die Spanische Grippe fast ganz vergessen ist

Lektorat Niederländisch der Goethe-Uni lädt zu Vortrag über den unterschiedlichen Umgang mit der Seuche - Mata Hari im Fokus einer weiteren Veranstaltung

Zum 100. Jahrestag des Endes vom Ersten Weltkrieg lädt das Lektorat Niederländisch der Goethe-Universität zu zwei Vorträgen ein, die mit diesem Gedenktag zu tun haben. Es geht um die Spanische Grippe in Benelux und um die legendäre Mata Hari.

Am 30. Oktober 2018 um 19 Uhr im Casinogebäude (Campus Westend), Raum 1.812 (1. Stock),

hält der freie Journalist und Autor Utz Thimm einen Vortrag in deutscher Sprache, der sich mit der Spanischen Grippe in Benelux befasst. Diese größte Seuche des 20. Jahrhunderts ist in Belgien ebenso wie in Deutschland aus dem kollektiven Gedächtnis nahezu verschwunden. Anders als der Name vermuten lässt, wurde diese Krankheit nicht aus Spanien importiert, sondern während des Ersten Weltkrieges durch US-Soldaten nach Europa gebracht. Vom Sommer 1918 an verursachte ein Abkömmling des Influenza-Virus mehrere Krankheitswellen, daran starben im Benelux-Raum Zehntausende von Menschen. Dieses Massensterben ist in den Niederlanden und in Belgien sehr unterschiedlich präsent: Niederländer können in Sachbüchern über die Spaanse griep nachlesen; sie wurde karikiert und literarisch verarbeitet. In Belgien war sie hingegen nie ein Thema. Utz Thimm zeichnet den Verlauf der Spanischen Grippe in Belgien und den Niederlanden nach und erklärt die Unterschiede in den Erinnerungskulturen. 2014 hat U. Thimm in Gießen eine Ausstellung kuratiert und einen Band zu den „Gefangenen im Krieg. Gießen 1914-1919“ veröffentlicht.

um 19 Uhr im Seminarhaus (Campus Westend), Raum 1.109,

sprechen die beiden niederländischen Journalistinnen Jessica Voeten und Angela Dekker, die 2018 die Mata Hari-Biografie „Moed en overmoed“ („Mut und übermut“) veröffentlicht haben, über das Leben der legendären Tänzerin und vermeintlichen (Doppel)Spionin. Für ihr 464 Seiten starkes Werk haben die Autorinnen zahlreiche bislang unbekannte oder unerforschte Archivstücke und Briefe ausgewertet. Im Zentrum steht eine selbstbewusste Frau, Mata-Hari, die 1876 in Leeuwarden (NL) als Margaretha Geertruida Zelle geboren wurde. Als Opfer eines spielsüchtigen, gewalttätigen und hochverschuldeten Ehemanns sah sie keinen anderen Ausweg, als sich als exotische und erotische Tänzerin in Paris ihren Lebensunterhalt zu verdienen, um nicht in die Prostitution abzurutschen. Die Autorinnen zeichnen diesen Weg detailliert nach und machen deutlich, dass dies weder eine leichte noch eine leichtsinnige Entscheidung war. Sie ließ ihre bürgerliche Existenz in den Niederlanden zurück und erfand sich in Paris neu als faszinierende, schillernde, verhängnisvolle Mata-Hari. 1917 wurde sie aufgrund vermeintlicher Spionagetätigkeiten für die Deutschen in Frankreich hingerichtet. Die Biografinnen gehen davon aus, dass Mata Hari wohl eher wegen ihres Lebenswandels als aufgrund tatsächlicher Beweise verurteilt wurde. Mata Haris Geburtsort Leeuwarden in Friesland (NL) ist 2018 Kulturhauptstadt Europas. Der Vortrag ist auf Deutsch und Niederländisch.