Wie steht es um die Glaubwürdigkeit von Wissenschaft?

DFG bewilligt weitere Förderung für Forschungsgruppe "Evidenzpraktiken in Wissenschaft, Medizin, Technik und Gesellschaft" bis 2023

Mit Zustimmung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geht ein Kooperationsprojekt zur Glaubwürdigkeit von Wissenschaft jetzt in die zweite Runde. Die Forschungsgruppe "Evidenzpraktiken in Wissenschaft, Medizin, Technik und Gesellschaft" wird von Karin Zachmann von der TU München und Juniorprof. Dr. Sascha Dickel von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) geleitet und erhält für die zweite Förderphase von 2020 bis 2023 von der DFG rund 2,5 Millionen Euro. "Wir gehen auch in der zweiten Phase der gesellschaftlich relevanten Frage nach, wie in der Wissenschaft glaubwürdiges Wissen erzeugt und wie es dargestellt wird", erklärt Sascha Dickel vom Institut für Soziologie der JGU zu dem Vorhaben. Durch die Corona-Krise hat das Forschungsgebiet zusätzlich an Aktualität gewonnen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler widmen sich jedoch allen Bereichen, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse in Frage gestellt werden, das ist neben der Medizin etwa auch die Ernährungswissenschaft und das Gebiet der technischen Sicherheit.

Stellenwert wissenschaftlicher Evidenz in heutiger Zeit

Die Glaubwürdigkeit von Wissen - die in der Wissenschaft auch mit dem Begriff der Evidenz markiert wird - wurde in den letzten Jahren zunehmend in gesellschaftlichen und politischen Debatten erörtert und hinterfragt. Ganz aktuell zeigt sich dies beispielsweise an der öffentlichen Kritik und den Vorwürfen, die an wissenschaftliche Autoritäten in der Corona-Pandemie gerichtet sind. Die Forschungsgruppe befasst sich daher unter anderem mit der Rolle von Institutionen und dem Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird, aber auch mit der Frage, welche Rolle Bilder und Geschichten für die Glaubwürdigkeit spielen."Wir erleben, dass der Wissenschaft nicht länger ein bedingungsloses, ungebrochenes Vertrauen entgegengebracht wird", so Dickel. Sobald neues Wissen erzeugt wird, treten Kritiker auf den Plan und es beginnt eine Spirale von Destabilisierung und Restabilisierung der Erkenntnisse.

Nachdem die DFG-Gruppe in der ersten Phase von 2017 bis 2020 besonders die Mikroebene erforscht hat - etwa die Darstellung der Gentechnologie in Zeitschriften - wird jetzt verstärkt die gesellschaftliche Ebene in den Blick genommen. Wichtig sei es zu verstehen, welche Rolle Glaubwürdigkeit und Geltungsansprüche von wissenschaftlichem Wissen für demokratische Gesellschaften einnehmen und welche Rückwirkung dies auf die Erzeugung des Wissens selbst hat.

Bürgerwissenschaft als vertrauensbildendes Element

Das Teilprojekt, an dem die Arbeitsgruppe von Dickel maßgeblich beteiligt ist, befasst sich mit Bürgerwissenschaft, also der Beteiligung von Laien an wissenschaftlicher Forschung. "Bürgerwissenschaft wird mit der Erwartung verbunden, dass die Wissenschaft dadurch eine breite soziale Öffnung erfährt", sagt Dickel. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an solchen Projekten sollen dabei aktiv in die wissenschaftliche Wissensproduktion einbezogen werden beispielsweise durch die Beobachtung von Vögeln oder Bodenuntersuchungen. Insbesondere digitale Anwendungen und Plattformen spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Zum einen erhofft man sich davon bessere Forschungsergebnisse, wenn Daten auf einer breiteren Basis erhoben wurden, zum anderen ein größeres Verständnis der Öffentlichkeit, wie genau Wissenschaft vorgeht und was sie leisten kann. Im Rahmen des Forschungsprojekts werden Sascha Dickel und seine Kollegen vom Bayrischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation untersuchen, wie bei Citizen Science die Wissenschaftlichkeit gesichert bleibt und wie diese Form von Bürgerwissenschaft in der Wissenschaftspolitik und der breiteren Öffentlichkeit ankommt.

An der DFG-Forschungsgruppe "Evidenzpraktiken in Wissenschaft, Medizin, Technik und Gesellschaft" sind außer der TU München, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und dem  Bayrischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation auch die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, das Deutsche Museum und die Ludwig-Maximilians-Universität München beteiligt.


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