Wendy Shaw erhält Ehrennennung eines bedeutenden Buchpreises für Studien zum Nahen und Mittleren Osten

Wendy M. K. Shaw, Kunsthistorikerin der Freien Universität Berlin, hat für ihr Buch ,,What is ’Islamic’ Art? Between Religion and Perception" die Ehrennennung des Albert Hourani Book Award 2020 erhalten. Der weltweit bedeutsame Preis wird von der Middle East Studies Association vergeben. Wendy Shaw wurde zudem kürzlich mit dem Award for Excellent Supervision ausgezeichnet, mit dem die Dahlem Research School der Freien Universität Professorinnen und Professoren der Hochschule für beispielhafte Betreuung von Promovierenden ehrt. Ein mit dem DRS-Preis verbundenes Stipendium dient der Förderung von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

In ihrem Buch erforscht Wendy M. K. Shaw die Wahrnehmung der Künste, darunter Malerei, Musik und Geometrie, im diskursiven Feld des historischen Islam; im Blickwinkel stehen dabei Koran und Hadith, Sufismus sowie antike Philosophie und islamische Dichtung. Die Betonung der Rezeptionserfahrung gegenüber dem Produktionskontext ermöglicht ihr einen neuen Zugang nicht nur zum Islam und zu dessen Künsten, sondern dient auch als Modell für globale Ansätze in der Kunstgeschichte. Wendy M. K. Shaws akribische Interpretationen intertextueller Themen der islamischen Geistesgeschichte umfassen antike Philosophien, religiöse und theologische Kerntexte sowie bedeutende Prosa und Poesie in Arabisch, Persisch, Türkisch und Urdu, die in den Regionen islamischer Hegemonie vom elften Jahrhundert bis in die kolonialen und postkolonialen Kontexte des modernen Nahen und Mittleren Ostens zirkulierten. Wendy M. K. Shaw entwickelt so einen dekolonialen Zugang zu islamischen Wahrnehmungskulturen.

,,Das Buch Professorin Shaws ist ein mutiger und erfolgreicher Ansatz, die Geschichtsschreibung der islamischen Kunst neu zu konzipieren", erklärte die Jury. Dabei nehme die Wissenschaftlerin den Islam als Analysekategorie ernst und argumentiere, dass dieser die Produktion islamischer Kunst vorantreibt und für diese nicht nebensächlich ist. Sie setze islamische und westliche Paradigmen für das Verständnis von Handlungsfähigkeit und Subjektivität in ein produktives Spannungsverhältnis.

Der Albert-Hourani-Buchpreis wurde 1991 mit dem Ziel ins Leben gerufen, herausragende Veröffentlichungen in Studien zum Nahen und Mittleren Osten zu würdigen. Mit ihm ehrt die Middle East Studies Association Werke der Grundlagenforschung, die von wissenschaftlicher Exzellenz und rhetorischer Klarheit geprägt sind. Wendy Shaws Buch ist die zweite kunsthistorische Publikation in der Geschichte des Preises.

Wendy M. K. Shaw promovierte 1999 an der University of California, Los Angeles, USA. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind postkoloniale Kunstgeschichtsschreibung und dekoloniale Kunstgeschichte der islamischen Welt und des modernen Nahen und Mittleren Ostens. Sie arbeitet an der Schnittstelle zwischen Kunstgeschichte, Historiographie, Museumsgeschichte und kritischer Theorie. Sie ist Autorin der vier Monografien ,,Possessors and Possessed: Museums, Archaeology, and the Visualization of History in the Late Ottoman Empire" (University of California Press, 2003), ,,Ottoman Painting: Reflections of Western Art from the Ottoman Empire to the Turkish Republic" (IB Tauris, 2011), ,,What is ’Islamic’ Art? Between Religion and Perception" (Cambridge University Press, 2019) sowie ,,Loving Writing: Techniques of Fact-based Communication at the University and Beyond" (Routledge, im Erscheinen). Wendy M. K. Shaw hat seit 2014 die zeitlich befristete W2-Professur für Kunstgeschichte Islamischer Kulturen am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität inne.


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