Weltgrößter Kongress der Sportpsychologie an der WWU

Folgt auf Medikamenten-Missbrauch das Doping im Freizeitsport?

Sportpsychologe Dennis Dreiskämper sieht Gefährungspotenziale

Rund drei Dutzend Gäste widmen sich auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Sportpsychologie (FEPSAC) an der WWU Münster dem Thema Doping. Gleichwohl ist das unerlaubte wie gesundheitsschädigende Nachhelfen aller Art in der Breitensport-Forschung „noch wenig präsent“, wie der münstersche Sportpsychologe Dr. Dennis Dreiskämper betont. Dabei werde gerade in dem boomenden Bereich des breit gefächerten Freizeitsports durch „Missbrauch, der noch kein Doping ist“, der Weg in die Illegalität oft vorbereitet. „Wir haben eine andere Motivlage als im Spitzensport. Im Breitensport geht es aus psychologischer Sicht um eine Selbstoptimierung“, sagt Dennis Dreiskämper. Hier nimmt ein Sporttreibender vor seinem Wettkampf Schmerztabletten ein, um trotz des Handicaps dabei sein zu können. Dort greifen Hobbyathleten zu Nahrungsergänzungsmitteln, „ohne sich Gedanken darüber zu machen, was sie sich damit antun“. Das „unüberlegte Trimmen des Körpers“ bringe erhebliche Risiken mit sich. „Wer Eiweiß zuführt muss wissen, dass es sich jahrelang im Körper ablagert. Die Spätfolgen sind erheblich.“

Wer sich regelmäßig mit Pulver oder Flüssigkeiten versorgt, „gerät schnell in den Bereich der Abhängigkeit“, meint Dennis Dreiskämper. Der Fitness-Wahn, der in Studios und auf Laufstrecken beobachtet werden kann, führe möglicherweise zu „einem völlig verzerrten Körperbild“. Empfunden werde „ein eigenes Schönheitsgefühl“, das als eben sehr subjektive Betrachtung auch via Sozialer Medien nach außen getragen werde. Manche halten das für erstrebenswert. Beziffern ließe sich der Missbrauch kaum. Noch immer ist das künstliche Nachhelfen ein Tabu. „Selbst in Untersuchungen gibt es dazu kaum ehrliche Antworten“, unterstreicht der Psychologe.

Vielfach folge dem Griff zum vermeintlich harmlosen Mittel der „Klick in die Online-Apotheke, wo man eben verbotene Substanzen ordert“. Kontrollen gibt es im Breitensport im Unterschied zu Spitzensport nicht. Dem Leistungsbereich attestiert Dennis Dreiskämper „große Bemühungen, wirklich sauberer zu werden“ - nicht zuletzt dank der Vorgaben der Verbände und dank der vielfältigen überwachungsmechanismen.

„Um nachhaltige Erfolge bei der Antidoping-Arbeit zu erreichen, müssen wir Doping als moralisches Thema betrachten“, betont Maria Kavussanu von der Universität Birmingham, die als Expertin auf diesem Gebiet gilt. Es sei wichtig, die Konsequenzen zu betonen, die Doping für andere hat. Am effektivsten sei es dabei, „mit Erfahrungen und Geschichten von Sportlern zu arbeiten und von Menschen zu berichten, die durch das Doping anderer beeinträchtigt wurden“.

Mit freiem Kopf aufspielen - aber bitte wissenschaftlich fundiert

Basketball-Nationalmannschaft arbeitet mit Sportpsychologen Markus Flemming

In diesen Wochen starten die Vorbereitungen der deutschen Herren-Basketballnationalmannschaft für die WM in China. Mit dabei ist Sportpsychologe Markus Flemming. Ein solcher Experte gehört mittlerweile wie selbstverständlich zum sogenannten Funktionsteam. Doch ist längst nicht allgemein bekannt, was sich hinter dieser Disziplin verbirgt. In diesen Tagen kommen in Münster in Westfalen rund 1000 Sportpsychologen zur internationalen Fachtagung zusammen und diskutieren neben den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen auch darüber, wie die Spitzensportpraxis von diesen Erkenntnissen profitieren kann.

„Theorie und Forschung sind die Basis unserer Arbeit, darüber hinaus kann ich an Tagungen viel vom Austausch mit Kolleginnen und Kollegen mitnehmen“, betont Markus Flemming. Der 51-Jährige weiß, wovon er spricht, er hat Höhen und Tiefen im Leistungssport erlebt. Als Eishockey-Torwart wurde er Deutscher Meister. Nach der Karriere widmete er sich der Sportpsychologie und der Frage, wie die mentale Leistungsfähigkeit im Sport gesteigert, erhalten oder wiederhergestellt werden kann.

Nach dem Studium der Psychologie bildete er sich als Sportpsychologe weiter und besuchte dafür auch Tagungen der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie, dem Dachverband für Sportpsychologie in Deutschland. Sportpsychologisch tätig sind in Deutschland insbesondere Personen, die Sportwissenschaften oder Psychologie studiert und sich dann im Feld der Sportpsychologie spezialisiert und weitergebildet haben.

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft führt eine Expertenliste. Rund 200 sportpsychologische Experten sind gelistet, die Standards in Ausund Weiterbildung sowie in der Berufspraxis erfüllen. In der Praxis des Leistungssports tummeln sich neben diesen Experten auch sogenannte Mentaltrainer. Da diese Bezeichnung nicht geschützt ist, kann sich dahinter alles, aber auch nichts verbergen.

Die Sportpsychologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die in Deutschland überwiegend an sportwissenschaftlichen Fakultäten gelehrt wird. Im Leistungssport geht es für die Sportpsychologie zum einen um die Leistungssteigerung, zum anderen um die Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheitsförderung der Athleten.

Markus Flemming hofft auf eine erfolgreiche WM. Sportpsychologische Maßnahmen finden dabei auf vielfältige Weise statt: „Ich betreue einige Athleten individuell, arbeite im Bereich „Coach the Coach“ mit den Trainern und führe Präsentationen zu passenden Themen vor der Mannschaft durch. Zudem sehe ich einen immer größeren Bedarf - gerade bei wichtigen Veranstaltungen wie einer WM - mit dem Funktionsteam sportpsychologisch zu arbeiten.“

Für ihn ist es wichtig, dass das Funktionsteam die Verantwortung dafür mittrage, positive Emotionen gerade in Stresssituationen zu erreichen. „Ich halte das mittlerweile für einen relevanten Bereich. Ich versuche dafür durch aktive Kommunikation das Bewusstsein im Funktionsteam schon vor der WM zu stärken.“ Ein Mentaltrainer würde möglicherweise einen WM-Titel versprechen. Ein Sportpsychologe verspricht dagegen „nur“ die Optimierung der mentalen Leistungsfähigkeit und eine professionelle Unterstützung bei Teamprozessen oder Rückschlägen.

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