Wandgemälde mit historischen Endzeitvisionen und aktuellen Diskursen

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Das Motiv zeigt das erste Omen: eine Feuerflamme, die ein Jahr lang am Himmel zu

Das Motiv zeigt das erste Omen: eine Feuerflamme, die ein Jahr lang am Himmel zu sehen ist.

Käte-Hamburger-Kolleg für Apokalyptische und Postapokalyptische Studien an der Universität Heidelberg lädt mexikanischen Streetart-Künstler zum Metropolink Festival ein

Ein neues Wandgemälde - gestaltet von dem mexikanischen Streetart-Künstler Saner - entsteht derzeit im Rahmen des Metropolink Festivals an der Turnhallen-Fassade der Heideberger Julius-Springer-Schule. Vorlage für das Gemälde sind acht sogenannte Tetzáhuitl - Untergangs-Omen vorkolonialer Kulturen auf dem Gebiet des heutigen Mexiko, die in Saners Werk mit modernen Perspektiven kombiniert werden. Den Anstoß zu dieser Aktion lieferte das Forschungsprojekt des Kunsthistorikers und Anthropologen Adolfo Mantilla Osornio, Gastwissenschaftler am Käte Hamburger Kolleg für Apokalyptische und Postapokalyptische Studien an der Universität Heidelberg. Das Gemälde wird am 6. August 2022 im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung eingeweiht. Parallel zum Entstehungsprozess ist eine Ausstellung mit den Einzelmotiven des Gemäldes zu sehen.

Der Austausch mit der öffentlichkeit ebenso wie mit Künstlerinnen und Künstlern spielt eine wichtige Rolle in der Forschung des Käte Hamburger Kollegs für Apokalyptische und Postapokalyptische Studien, des Centre for Apocalyptic and Post-Apocalytic Studies (CAPAS). Wie CAPAS-Direktor Robert Folger betont, hat Kunst hier eine doppelte Relevanz, da sie kulturelle Vorstellungen über das Ende der Welten sowohl ausdrückt als auch formt. ,,Dabei können sich vielfältige regionale, historische und wissenschaftliche Perspektiven vereinen, wie sich dies auch in Saners Arbeit zeigt."

Das Wandgemälde ,,Postapokalyptische Visionen des 12. Buches" basiert auf einer Erzählung über die Zerstörung von Gesellschaften, die in einem auf Nahuatl - einer indigenen Sprache - verfassten Text aus der Mitte des 16. Jahrhunderts Überliefert ist. Beschrieben werden acht Untergangs-Omen, die Umbrüche in der Ordnung des individuellen und kollektiven Lebens ankündigen. Ursprünglich durch die indigene Perspektive geprägt, sind die Omen, auf die hier Bezug genommen wird, jedoch das Produkt einer transkulturellen Vision, die auch Bezüge zu Endzeitvorstellungen in Europa herstellt. Der Illustrator, Grafikdesigner und Streetart-Künstler Saner, mit bürgerlichem Namen Edgar Flores, greift in seinem Wandgemälde darüber hinaus Motive aktueller sozialer und politischer Diskurse auf, um damit einen zeitgenössischen Zugang zu den Weltanschauungen, Mythen und Narrativen des historischen Textes zu ermöglichen.

Die Kooperation mit dem mexikanischen Künstler geht auf Prof. Mantilla Osornio zurück. Im Rahmen des Gastaufenthaltes am CAPAS beschäftigt er sich mit Darstellungen der Apokalypse und der Postapokalypse in der Kunst Mexikos, ausgehend vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Der Kunsthistoriker und Anthropologe, der seit 2017 akademischer Leiter der Kunstakademie Mexiko ist, hat auch die Ausstellung mit Einzelmotiven aus dem Wandgemälde mit den zugehörigen historischen und wissenschaftlichen Hintergründen kuratiert, die auf dem Festival-Gelände im Patrick-Henry Village zu sehen ist. Das fertige Wandgemälde an der Fassade der Turnhalle der Julius-Springer-Schule wird am 6. August eingeweiht. Dazu ist die öffentlichkeit herzlich eingeladen; Beginn ist um 18 Uhr. Kurze Einführungen geben der Künstler Saner sowie Kurator Adolfo Mantilla, CAPAS-Direktor Robert Folger und der Kurator des Metropolink Festivals, Pascal Baumgärtner.

Im Mittelpunkt der Arbeit des Käte-Hamburger-Kollegs für Apokalyptische und Postapokalyptische Studien an der Universität Heidelberg steht die Frage, wie sich Katastrophen und Endzeit-Szenarien auf Gesellschaften, Individuen und Umwelten auswirken. Ziel ist es, vergangene und gegenwärtige Systemumbrüche und Systemzusammenbrüche auf Grundlage eines transdisziplinären Forschungsansatzes differenziert zu beschreiben und voneinander abzugrenzen. Dazu kommen jedes Jahr rund zehn internationale Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler verschiedener Disziplinen an das CAPAS. Das Zentrum wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Für das Wandgemälde-Projekt kooperiert CAPAS mit Metropolink, Festival für urbane Kunst, das neue Perspektiven auf die Stadt und darüber hinaus schafft. Künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum eröffnen Möglichkeiten, diese Orte für die Gemeinschaft wiederzugewinnen, so seit 2018 das Patrick-Henry-Village (PHV), die ehemalige Wohnstadt der US-Army in Heidelberg. Kunst und Urbanität bilden den thematischen Kern von Metropolink, das mit dem Schulterschluss zu den Themen Kultur und moderne Stadtentwicklung eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von PHV als neuem, 16. Stadtteil Heidelbergs spielt. An dem diesjährigen Festivalprogramm beteiligt sich das Käte-Hamburger-Kollegs für Apokalyptische und Postapokalyptische Studien mit verschiedenen weiteren Angeboten, so mit einer Open-Air-Filmreihe und Gesprächsrunden mit den CAPAS-Fellows.

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