Vorhandenes Wissen sichtbar machen

Neue Vortragsund Diskussionsreihe ,,Open Perspectives - Campus als Ressource" an der RWTH. Bei der Premiere gibt es Überraschende Erkenntnisse.

Durch den Einsatz von Luftwärmepumpen können bei der Wärmeund Energieerzeugung auf dem Campus Melaten 25 Prozent CO2 eingespart werden können. Theoretisch sogar bis zu 45 Prozent. Diese Erkenntnis von Dirk Müller, Leiter des Instituts für Gebäudeund Raumklimatechnik, war eine von vielen an einem lehrreichen Abend - dem ersten der neuen Diskussionsreihe ,,Open Perspectives - Campus als Ressource" an der RWTH. ,,Schlauer zu werden, ist ja nicht das Schlechteste an einer Universität", sagte Thomas Trännapp. Die RWTH sei gut beraten, so der ständige Vertreter des Kanzlers weiter, vorhandenes Schwarmwissen stetig sichtbar zu machen. So geschehen also am Mittwochabend, als neben Müller noch die Master-Absolventinnen Sarah Hermens und Hanna Potulski sowie Professorin Christa Reicher mit kurzen Impuls-Vorträgen zu Möglichkeiten des nachhaltigeren Betriebs der Hochschule beitrugen.

Hermens und Potulski mixten in ihrem ,,Masterplan für eine nachhaltige Campus-Entwicklung" (mit dem sie ihre Master-Prüfung am Lehrstuhl für Städtebau kurz zuvor mit Bravour bestanden haben) Stadtentwicklung mit sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit. Spannend, wie die Beiden vier Areale (Campus Mitte, Hörn, Melaten Nord und Melaten Süd) identifizierten und diese über ein ,,Landschaftsband" und einen ,,Wissenschaftsboulevard" miteinander verbanden. Als Schnittstellen dienen ihnen dabei ,,Scharniere" wie eine leerstehende Halle am Augustinerbach. Diese könnte als Markthalle ein Tor von der Innenstadt zur Campuslandschaft bilden - ein Scharnier eben. Zwei Strategien, ,,mixed use" und ,,net zero", stellten die beiden Absolventinnen als zentrales Element ihres Masterplans vor. Eine verbindende, bunte und soziale Campuslandschaft bietet Freiräume (mixed use), nutzt umweltfreundliche Mobilität und ist klimaneutral (net zero) - wie das erreicht werden kann, haben Sarah Hermens und Hanna Potulski in 54 Maßnahmen aufgezeigt.

Einiges davon gibt es bereits an der Monash University im australischen Melbourne. Von einer Reise dorthin berichtete Professorin Christa Reicher. Die Leiterin des Instituts für Städtebau und Inhaberin eines UNESCO-Lehrstuhls für Kulturerbe und Städtebau berichtete von sieben Säulen (unter anderem klimaneutrale Gebäude, intelligente Energienetze oder klimaneutralem Verkehr), auf denen das australische Konzept fußt. Was dort sehr gut funktioniere, wurde sie gefragt: ,,Die Erkenntnisse der Forschenden kommen dort sehr gut in die Umsetzung", so Reicher.

Dass das nicht immer so einfach sei, davon wusste RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven das ein oder andere Liedchen zu singen, ist man doch gerade beim Thema Betrieb auch auf externe Player angewiesen. Doch bei der von Alexander Markschies kurzweilig moderierten Veranstaltung stand ja das Aufzeigen von Möglichkeiten und Erweitern des eigenen Horizonts im Vordergrund. ,,Pfade aufzeigen" nannte das Frauke Burgdorff, Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bau und Mobilität der Stadt Aachen, in der anschließenden Diskussion. Oder, wie Thomas Trännapp es abschließend formulierte: ,,Wenn es so weit ist, haben wir bereits Lösungen." Idealerweise von RWTH Aachen, Stadt Aachen und Land NRW gemeinsam entwickelt.