VHD-Verbandsvorsitzende Eva Schlotheuber über ihre Erwartungen an den Historikertag in Münster: "Ein gutes Forum für den Nachwuchs"

Eva Schlotheuber © privat

Eva Schlotheuber © privat

Der Historikertag lenkt die Aufmerksamkeit der öffentlichkeit auf die Geschichtswissenschaft. Wie schafft dieser traditionsreiche Kongress das immer wieder? Und was macht das Leitmotiv so aktuell? Dazu befragte Juliane Albrecht die Vorsitzende des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschland (VHD), Mittelalter-Historikerin Eva Schlotheuber.

Das Thema eines Historikertages soll den Nerv der Zeiten treffen. Warum werden diesmal „Gespaltene Gesellschaften“ im Fokus stehen?

„Gespaltene Gesellschaften“ hat viele aktuelle Bezüge, die wir im Moment auch als politische Richtungsstreitigkeiten erleben, die sich vor allem an der Flüchtlingspolitik entzünden. Aber das Thema hat global betrachtet noch ganz andere Dimensionen: Soziale, kulturelle, ökonomische, aber auch religiös, ethnisch oder rechtlich begründete Spaltungen sind ein Phänomen aller Zeitepochen und Weltregionen. Wir möchten die historischen Tiefendimensionen der Prozesse erfassen, hinterfragen und einordnen, um zu einem vertieften Verständnis heutiger Zerreißproben beizutragen.

Wie entsteht das Motto des Historikertags, und wer ist daran beteiligt?

Das Motto wird stets in gemeinsamer Diskussion im Ausschuss des VHD entwickelt. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Forschungsströmungen oder neue methodische Zugänge im Fach. Entscheidend ist letztlich, dass alle Epochen und Teildisziplinen gleichermaßen angesprochen sind und zu dem Thema etwas beitragen können.

Inwiefern verändern Historikertage die Betrachtung von/auf Geschichte in der breiten öffentlichkeit?

Der Historikertag erfreut sich einer enormen Medienwirkung, somit rückt die Geschichtswissenschaft als Disziplin und wichtiger Bestandteil unserer Kultur in den Blick der öffentlichkeit. Aber vor allem werden auf dem Historikertag aktuelle Entwicklungen, Forschungsergebnisse und neue Zugänge epochenund disziplinübergreifend im Fach tiefergehend diskutiert. Um Deutungen und Methoden muss im Fach immer wieder gerungen werden, das ist ein wichtiger Bestandteil der akademischen Kultur.

Mit welchen Zielen und Erwartungen werden Sie nach Münster kommen?

Ich habe die Hoffnung und feste Erwartung, einen inspirierenden Kongress mit vielen interessanten und fundierten Diskussionen zu erleben. Besonders freue ich mich auf die Eröffnungsveranstaltung mit Wolfgang Schäuble und Khadija Arib und eine Erweiterung unserer Perspektive durch den öffentlichen Abschlussvortrag von Ibram Kendi zur Geschichte des Rassismus in den Vereinigten Staaten. Persönlich ist mir vor allem wichtig, für den wissenschaftlichen Nachwuchs ein gutes Forum zu schaffen, das die Arbeitsperspektiven einbezieht und ihn fördert, wofür wir einige Aktionen im Nachwuchsforum im LWL-Museum geplant haben.

Dieser Artikel stammt aus der Universitätszeitung "wissen