Transferprojekt ’Handlungsmacht der Kommunen stärken’: Werkstattbereiche starten

Studierende und Wissenschaftler:innen im Gespräch mit der Quartiersmanagerin der
Studierende und Wissenschaftler:innen im Gespräch mit der Quartiersmanagerin der Stadt Zeitz Anke Wagener im Rahmen des Werkstattbereichs ’KoKreation’, Foto: Justus Wenke

Gleich zwei Werkstattbereiche starten in einem großen Transferprojekt der Universität Leipzig für kommunale Innovation mit dem Titel ,,Handlungsmacht der Kommunen stärken": Seit 1. Oktober läuft der Werkstattbereich ,,Transfer durch KoKreation", zum 1. Dezember folgt ,,Transfer über Köpfe". Wissenschaftler:innen der Universität Leipzig kooperieren dabei mit Akteur:innen aus den Kommunen Eilenburg, Weißenfels und Zeitz sowie weiteren Initiativen und Hochschulen

In der im Programmbaustein ,, T!Raum - TransferRäume für die Zukunft von Regionen " des Bundesforschungsministeriums geförderten Initiative geht es um die Entwicklung neuartiger Transferinstrumente für kommunale Innovationen. Erkenntnisse aus der Forschung sollen dabei in verschiedene Bereiche der Gesellschaft Übertragen werden, in einem partizipativen Austauschprozess aller Beteiligten.

Von den Verbundvorhaben ,,KoKreation" und ,,Köpfe" versprechen sich die beteiligten Wissenschaftler:innen der Universität Leipzig und ihre Partner:innen im Transferprojekt eine beschleunigte Dynamik des Innovationsgeschehens in den Zielregionen Eilenburg, Weißenfels und Zeitz. Diese leiden seit der Wende unter einer massiven Abwanderung der Bevölkerung, speziell von Fachkräften und jungen Menschen, und sehen sich aktuell großen wirtschaftlichen Strukturwandelprozessen ausgesetzt. Die beiden Werkstattprojekte des Transferprojekts schaffen neue Schnittstellen zwischen der Universität und den Akteur:innen vor Ort und unterstützen mit strukturgebenden Innovationen für die Herausforderungen der Mittelstädte den regionalen Strukturwandel nachhaltig.

Partizipation durch ,,KoKreaktion"

Im Werkstattbereich ,,Transfer durch KoKreation" wird in den Städten Zeitz und Weißenfels erforscht, wie innovative Transferformate die Partizipation vielfältiger Stadtbewohner:innen strukturell fördern können. Im Anschluss wird anhand der Ergebnisse mit den Stadtgesellschaften diskutiert, wie die verschiedenen ,,kokreativen" Formate die Partizipation an Entwicklungsprozessen verbessern. So steht ,,Kokreation" für Impulse, Veränderungsprozesse in den Kommunen gemeinsam mit der Bevölkerung anzustoßen. Die Beteiligten gehen der Frage nach, wie Personen, die den Querschnitt der lokalen Bevölkerung abbilden, und die Partizipation von Neuzugewanderten und Zurückgekehrten, gesellschaftliche, kulturelle aber auch ökonomische Innovationsund Entwicklungsprozesse in den Kommunen stärken können.

Eingesetzt werden innovative Transferformate wie Reallabore, Praxis-Projekte mit Studierenden und (digitale) ,,Kokreationsprozesse". Die Methoden fördern die Kommunikation und Kooperation zwischen Wissenschaft, Lehre, Praxis und Stadtgesellschaft: Reallabore als ,,Dritte Orte" und damit physische Räume für Teilhabe lassen sich von vielfältigen Stadtgesellschaften aus Bewohner:innen und institutionellen Akteur:innen gestalten.

Hierzu kooperieren das Institut für Stadtentwicklung (ISB) und das Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig, die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) und die WeCreate.world GmbH für Beteiligung und digitale Netzwerke mit Akteur:innen aus den Städten Weißenfels und Zeitz im Burgenlandkreis (Sachsen-Anhalt). Am 21. November fand ein Online-Auftakt des Projektverbundes mit Vertreter:innen aus den Kommunen Weißenfels und Zeitz statt.

Der Dialog zwischen den Akteur:innen aus den Kommunen und den Wissenschaftler:innen zeigte das gemeinsame Wissen und eine Vielfalt an Hintergründen und Erfahrungen mit größeren Veränderungsprozessen. Erörtert wurde, wie die Gestaltung von Lehre und Forschung die Zusammenarbeit mit den Städten voranbringen kann. Als aktuelle Herausforderungen beschrieben die Kommunen etwa Veränderungsprozesse infolge von Migration und Zuzug von Arbeitskräften aus anderen EU-Ländern.

Frische Köpfe für kleinere Städte

Unternehmen und Institutionen wissensorientierter Branchen siedeln sich nur dort an, wo genügend hochqualifizierte Arbeitskräfte verfügbar sind. Um dem Problem des sich zuspitzenden Fachkräftemangels zu begegnen, entwickeln die Akteur:innen im Werkstattbereich ,,Transfer über Köpfe" Szenarien zur Verjüngung der ökonomisch aktiven Bevölkerung in den Städten Eilenburg und Zeitz und wirkungsvolle Transfersysteme für ,,junge Köpfe". Für jede Kommune werden jeweils individuell angepasste Transfermechanismen entwickelt und erprobt. Sie sollen Studierenden und Gründerpersonen Anreize bieten, ihren Lebensoder Arbeitsmittelpunkt in die beiden Städte zu verlagern. Die Wirkung der Formate wird erforscht, die Ergebnisse mit den kommunalen Entscheidungsträgern aufgearbeitet und in Umsetzungsstrategien bereitstellt:

Studierende als Transferakteur:innen bearbeiten in Praxisprojekten Herausforderungen aus der Praxis der Partnerkommunen. In der Projektlaufzeit sollen bis zu 60 Studierende mit den Akteur:innen im Transferraum verknüpft werden - und Partnerkommunen und ansässige Unternehmen mit den Fachkräften von morgen.

Unternehmensgründungen sind ein wichtiger Mechanismus für den Transfer von Wissen und Innovationen aus den Hochschulen in die Gesellschaft. Durch den gezielten Aufbau von Innovationsorten wird Start-ups und Spin-offs aus dem Hochschulkontext die Ansiedlung in den Mittelzentren ermöglicht. ,,Transfer über Köpfe" wird mit innovativen Spin-offs und Gründenden Alternativen bei der Standortwahl erarbeiten.

Denn angesichts zunehmend unerschwinglicher Produktionsflächen in Leipzig bietet sich für Start-ups im produzierenden Gewerbe die Ansiedlung in Eilenburg und Zeitz an, die innerhalb von 30 Minuten zu erreichen sind. Dabei kooperieren aktiv Unternehmen, zivilgesellschaftliche Akteure und Partner auf Kommunalebene. Praxisprojekte mit Studierenden und die Ansiedlung von Spin-offs erfordern den Aufbau von lokalen Innovationsorten, vorhandene Kooperationsorte wie Co-Working Spaces sollen weiterentwickelt und neue Produktionsstätten erschlossen werden.

Das SEPT Competence Center - mit seiner Expertise in der Regionalentwicklung - ist im Werkstattprojekt ,,Transfer durch Köpfe" Impulsgeber, Umsetzungspartner und Verbundkoordinator. Die Stadt Eilenburg hat ein eigenes Teilvorhaben beantragt, der Tourismusund Gewerbeverein Eilenburg e. V. und die urban bricks GmbH - als Träger des Co-Working Space "Die Alte Nudelfabrik" in Zeitz - bringen sich als assoziierte Partner ins Projekt ein. Die beiden Landratsämter der Landkreise Nordsachsen und Burgenlandkreis und die Kommunalverwaltung der Stadt Zeitz unterstützen das Werkstattprojekt vor allem als Projektideengeber und als Förderer von Co-Working Spaces.

Ansprechpartner:innen ,,KoKreation":

Ansprechpartner:innen ,,Köpfe":

Utz Dornberger, Internationales SEPT Kompetenzzentrum der Universität Leipzig




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