Training für den Kontakt mit Patienten

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Apotheker Thomas Bauch bringt Studierenden im Teacher/Practicioner-Projekt den praktischen Berufsalltag näher. Auch Lisa Tank, die mittlerweile promoviert, befürwortet eine bessere Vorbereitung auf den Kontakt mit Patienten während des Studiums. © WWU - Julia Harth

Der kranke Mensch steht seit jeher im Mittelpunkt der Heilberufe. Wo Quacksalber früher nur Versuch und Irrtum kannten, treffen Patienten heute auf hochausgebildete Apotheker. Im Studium der Pharmazie wird von Beginn an viel Theorie gefordert, während der Kontakt mit den Patienten meist erst spät auf dem Stundenplan steht. Ein sogenanntes Teacher/Practitioner-Projekt soll seit vergangenem Semester helfen, die Lehre in der Klinischen Pharmazie an der WWU praxisnah sowie anschaulich und damit attraktiver zu gestalten.

„Die Anforderungen an die Apotheker haben sich in den letzten Jahren geändert“, betont Georg Hempel vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der WWU. „Sie sind als Spezialisten für Arzneimittel nicht nur für deren Herstellung und Lagerung zuständig, sondern auch bei der Anwendung gefragt. Sie müssen hier Verantwortung übernehmen, was sich bislang in der Lehre aber kaum widerspiegelt.“ Innovative Lehrkonzepte in der Pharmazie seien also dringend gefragt.

Doch woher nehmen? Manchmal hilft ein Blick über den nationalen Tellerrand. In vielen Ländern sind Pharmazeuten an Krankenhäusern tätig, wo sie Patienten, Pflegern und ärzten in allen Fragen zu Arzneimitteln sowie zu deren korrekter Verwendung zur Seite stehen. In Deutschland seien solche Stationsapotheker selten, würden aber an Bedeutung gewinnen, auch am Universitätsklinikum Münster (UKM), wo sogar neun Apothekerinnen und Apotheker auf verschiedenen Stationen zum Einsatz kämen, sagt Georg Hempel.

Thomas Bauch, ebenfalls vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie, gehört dazu: Er arbeitet einbis zweimal pro Woche auf Station. So kann er als neuer Teacher/Practitioner von diesem Semester an eine Brücke zwischen dem UKM und der Ausbildung der Studierenden in der Pharmazie schlagen. Initiiert wurde das Projekt von Georg Hempel nach dem Vorbild angelsächsischer Länder, wo es schon länger Dozenten mit diesem Titel und einer Doppelfunktion in der Lehre und pharmazeutischen Praxis gibt - anders als in Deutschland.

„Ich konnte mir im Studium viel Wissen aneignen, es fehlte aber an Vorbereitung für den Arbeitsalltag“, berichtet Lisa Tank, die mittlerweile an der WWU promoviert. „In Vorlesungen wurden meist nur fiktive Fälle behandelt oder Dozenten berichteten von ihrer Arbeit. Eigene Berufserfahrungen konnten wir Studierende oft erst nach dem zweiten Staatsexamen sammeln, wenn es ins Praktische Jahr in die Apotheke oder in die Klinik ging. Eine stärkere Verankerung der Berufspraxis in der Lehre wäre also sehr wünschenswert.“

Dank seiner Erfahrungen als Stationsapotheker sei Thomas Bauch nun besonders befähigt, die Ausbildung der Studierenden im Fach Klinische Pharmazie entsprechend zu ergänzen, unterstreicht Georg Hempel. In der Praxis wird dies für den Teacher/Practitioner bedeuten, neben Seminaren auch Gespräche zu betreuen, die die Studierenden ein oder zwei Semester vor dem Abschluss mit Patienten führen, wobei sie zudem mit ärzten und anderen Heilberuflern zusammenkommen.

Wie vielseitig das Studium der Pharmazie befähigt, zeigt sich exemplarisch an der Arbeit von Thomas Bauch mit je einem Standbein in der Klinik, der Lehre sowie der Forschung. Dabei arbeitet er an Analysemethoden für das Enzym Asparaginase, das bei der Behandlung der akuten lymphatischen Leukämie eingesetzt wird, die bei weitem häufigste hämatologische Erkrankung von Kindern. Als Stationsapotheker ist er entsprechend in der pädiatrischen Hämatologie und Onkologie des UKM tätig.

Hier kann er den Studierenden praxisnah neben Problemen und Lösungen rund um den Einsatz von Arzneimitteln auch den Kontakt zu Patienten vermitteln. „80 Prozent der Absolventen werden später einmal in Apotheken arbeiten und viel mit kranken Menschen zu tun haben,“ betont Thomas Bauch, der die Position als Teacher/Practitioner von einer Kollegin übernommen hat. „Vielleicht liegt es nicht nur an dem neuen Projekt, aber die Studierenden scheinen mir schon jetzt besser für diese Herausforderung gerüstet.“

in: Susanne Wedlich

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung „wissen

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