Seine Passion ist eine nachhaltige globale Gesundheit

Ein europaweit gefragter Hygiene-Experte: Martin Exner leitete 26 Jahre das Inst

Ein europaweit gefragter Hygiene-Experte: Martin Exner leitete 26 Jahre das Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn. © Volker Lannert / Uni Bonn © Volker Lannert / Uni Bonn

26 Jahre hat Dr. h.c Martin Exner das Institut für Hygiene und öffentliche Gesundheit am Universitätsklinikum Bonn geleitet und dessen 125-jährige Geschichte entscheidend mitgeprägt. In der Zeit machte er sich zudem bundesweit einen Namen und ist ein gefragter Experte für Seuchenbekämpfung, Wassergüte und Sanitation sowie Krankenhaushygiene und Desinfektion. Zu den Themen wird er weiterhin der Politik beratend zur Verfügung stehen - unter anderem als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene - auch wenn der 69-Jährige am 30. September zum letzten Mal seinen Dienst als Institutsdirektor auf dem Venusberg Campus antreten wird.

,,Der griechischen Göttin Hygieia verdanken wir den heutigen Begriff der Hygiene", sagt Exner. ,,Hygiene wurde aber lange als Hemmschuh gesehen, da es zu viele Regel gäbe. Doch diese sind notwendig, um Systeme am Leben zu erhalten, wie jetzt aktuell in der Corona-Krise." Der bisher größte Legionellen-Ausbruch in Warstein 2013 oder kürzlich der Corona-Ausbruch in Rheda-Wiedenbrück sind ein Fall für den Bonner Experten. Sein Motor dabei ist bis heute Wachsamkeit und Neugier. ,,Wir müssen im großen Ganzen die Ursachen ergründen, um daraus Präventionsmaßnahmen ableiten zu können. Was können wir für die Gesundheit aller tun?", sagt Exner, der immer seine Arbeit zwischen Schreibtisch, Labor und gerade die Vor-Ort-Forschung schätzte, die schon sein großes Vorbild Robert Koch bei der großen Cholera-Epidemie 1892 in Hamburg praktizierte. Die Herausforderung dabei sei die Bedingungen zu finden, wie damals in Hamburg die Trinkwasserfiltration, mit denen weitere Infektionen vermieden werden können. Bereits bei seiner Tätigkeit am Kölner Gesundheitsamt hat er gesehen, dass dies mit einer großen Verantwortung verbunden ist. In diese Zeit fiel auch der weltweite Ausbruch der durch HIV ausgelösten Immunschwäche Aids, der Prof. Exner bisher am meisten betroffen machte. ,,Das Leid für die jungen Menschen habe ich sehr bedauert. Hinzukam kam unsere anfängliche Hilflosigkeit gegenüber der neu auftretenden Infektionskrankheit."

,,Identität mit der öffentlichen Gesundheit und einen langen Atem"

Für Prof, Exner ist es ein Erfolg des ganzen Bonner Instituts, das Vertrauen der Politik, Behörden und Versorger in die Aufgaben der Hygiene geschaffen zu haben, und zwar durch konsequente Beratungsstrategien. ,,Hygiene und öffentliche Gesundheit ist eine Verzahnung, die an unserem Institut wirklich gelebt wird". Als Beispiel nennt er das regionale MRE-Netzwerk mit den Gesundheitsämtern für einen besseren Umgang mit multiresistenten Erregern. Mit Blick auf in Gesundheitseinrichtungen erworbenen Infektionen ist die Krankenhaushygiene und Prüfung von Desinfektionsmitteln ein zentraler Schwerpunkt in Bonn. Renommee hat das Bonner Institut auch in der Wasserhygiene. ,,Bezüglich Antibiotikaresistenten Keime wurden die Abwassersysteme bislang übersehen", sagt Exner, der im Verbundprojekt HyReKA unter anderem der Abwasserhygiene im Krankenhaus nachgeht. Als Kollaborationszentrum der Weltgesundheitsorganisation WHO berät das Bonner Institut auch international unter anderem zu sauberen Trinkwasser und Sanitation.

,,Der Zug kann entgleisen"

Die Herausforderungen der Zukunft sieht Professor Exner vor allem in der Zunahme der Weltbevölkerung, Migration, dem Klimawandel und der damit verbundenen Knappheit von Wasser, unserer Lebensgrundlage. Hinzukommt die globale Verbreitung neuer Infektionskrankheiten wie aktuell Corona, für die es noch keine Immunität gibt. ,,Was müssen wir tun, dass wir alle gesund leben können. Das ist nur lösbar durch Gesundheitsvorsorge und wenn Hygiene ernst genommen wird. Doch weltweit sind große Defizite in der politischen Umsetzung von Hygiene erkennbar", sagt Exner. Aber auch in Deutschland sieht er Defizite. So kritisiert er die Auflösung des Bundesamtes für Gesundheit als einzige zentrale Gesundheitsbehörde im Jahr 1994. Zudem gibt es von 24 Hygiene-Lehrstühlen deutschlandweit nur noch zehn ,,Das muss rückgängig gemacht werden. Wir an den Universitäten können hier für die Gesellschaft Hervorragendes leisten"; sagt Prof-Exner.

,,Universität und Universitätsklinikum bieten ein exzellentes Umfeld"

Als Berater der Bundesregierung sowie als Leiter und Mitglied vieler Expertenkommissionen, darunter die französische Trinkwasser-Kommission, war Prof. Exner immer viel unterwegs. Auch nach der offiziellen Stabübergabe an seinen Nachfolger wird sich daran zunächst nichts ändern, da er zukünftig im Bereich ,,Präventionsund Ausbruchsmanagement - One Health" für das Universitätsklinikum Bonn tätig sein wird. Zudem ist er weiterhin Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und Dozent an der Akademie für öffentliches Gesundheitswesen. ,,Ich hoffe, in Zukunft mehr Zeit für meine Frau zu haben. Gerne würde ich zusätzlich zu unseren Besuchen in der Philharmonie auch wieder mit ihr Tanzen gehen", sagt Exner, der seit 1978 glücklich verheiratet ist. Ausgleich fand er immer in der Familie mit den jetzt vier erwachsenen Kindern. ,,Da komme ich auf ganz andere Gedanken und manchmal werden mir sogar die Augen geöffnet." Besonders stolz ist er auf seine Ehrendoktorwürde von der Université de Lorraine. ,,Frankreich und Deutschland sind für den europäischen Gedanken wichtig", sagt der in Linz geborene Rheinländer. Sein Leben in Bonn liebt Prof. Exner: ,,Es ist eine geschichtsund kulturtriefende Stadt im Herzen Europas."

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