Rückgabe von NS-Raubgut

Diese Buchsignatur von Leo Polak hat es ermöglicht, die Bücher als NS-Raubgut zu

Diese Buchsignatur von Leo Polak hat es ermöglicht, die Bücher als NS-Raubgut zu identifizieren. Quelle: SLUB, Deutsche Fotothek

Universitätsbibliothek Freiburg und die Sächsische Landesbibliothek - Staatsund Universitätsbibliothek Dresden geben Bücher an Erben des Philosophen Leo Polak zurück

Eine ethnologische Untersuchung von Hochzeitsbräuchen in der Türkei von Theophil Loebel, eine religionsgeschichtliche Darstellung von Seelenglaube und Tod im alten Israel von Johannes Frey und eine Einführung in die Geschichte der Griechen und Römer von Peter Lauremberg: Diese drei Bücher haben die Sächsische Landesbibliothek - Staatsund Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden und die Universitätsbibliothek (UB) Freiburg an die Familie des niederländischen Philosophen Leo Polak zurückgegeben. Die drei Ausgaben stammen aus der privaten Bibliothek Polaks - zwei von ihnen sind Ende des 19. Jahrhunderts erschienen, ein Band wurde Anfang des 18. Jahrhunderts publiziert. 1941 wurden die Bücher von Nationalsozialisten geraubt. Unter ungeklärten Umständen gelangten die Exemplare in die jeweiligen Bestände in Dresden und Freiburg. Polaks Nachfahren schenken die drei Bücher - wie auch schon zuvor restituierte Bände - der Universitätsbibliothek Amsterdam. An diesem Ort wird seine Bibliothek als Teil der ,,Bijzondere Collecties" wieder zusammengeführt.

Dr. Leonard Polak, geboren am 6. Januar 1880 in Steenwijk/Niederlande, war Philosoph, Humanist und Freidenker jüdischer Konfession. Er heiratete im Jahr 1917 die Kaufmannstochter Henriëtte Antoinette Schwarz, mit der er drei Töchter bekam. Seit den 1920er Jahren war Polak Vorsitzender des Fami unternehmens Polak & Schwarz Essenz Fabriken. Er lehrte Philosophie an der Universität Groningen, bis er im Mai 1940 im Zuge der deutschen Besatzung der Niederlande Berufsverbot erhielt. 1941 wurde Polak verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Neueste Erkenntnisse der Universität Wuppertal widerlegen die bisherige Annahme, dass Polak an den Folgen einer Operation gestorben sei. Stattdessen belegen die Ergebnisse, dass Polak am 9. Dezember 1941 aufgrund schwerster körperlicher Misshandlungen durch das KZ-Personal ums Leben kam.

Leo Polak besaß eine sehr umfangreiche Bibliothek mit wertvollen Ausgaben. Die Bücher sind an insgesamt vier sich ähnelnden Signaturen mit der Beschriftung ,,Ex libris Leo Polak" zu erkennen. Ein Großteil der Privatbibliothek wurde nach Polaks Verhaftung und Deportation 1941 in Amsterdam von den nationalsozialistischen Besatzern konfisziert. In der SLUB konnte ein Buch aus dem Vorbesitz Leo Polaks anhand eines Exlibris ermittelt werden. Es stammt aus dem Bestand der UB Dresden, einer Vorgängereinrichtung der SLUB. Da keine Informationen zu Zugangsjahr und Erwerbungsart vorliegen, kann nur vermutet werden, dass es nach 1945 über den Antiquariatshandel an die UB Dresden kam. Im Bestand der UB Freiburg wurden ebenfalls zwei Bücher mit dem Exlibris Leo Polaks identifiziert. Sie gingen 2017 aus dem Orientalischen Seminar der Universität in den Bestand der UB ein. Ihre Vorgeschichte lässt sich bisher ebenfalls nicht rekonstruieren.

Universitätsbibliothek Freiburg


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