RMU-Projekt untersucht Umsetzung der UN-Konvention im Bildungswesen  

RMU-Projekt untersucht Umsetzung der UN-Konvention im Bildungswesen

Wie wird das Prinzip der Inklusion auf den verschiedenen Ebenen unseres Bildungssystems umgesetzt? Wie gehen Lehrkräfte und andere Akteure im Bildungssystem mit den neuen Anforderungen um? Mit diesen Fragen wird sich eine länderübergreifende Gruppe von Forscherinnen und Forschern befassen, die vom Verbund der Rhein-Main-Universitäten gefördert wird. Ziel ist letztendlich, eine DFG-Forschungsgruppe zu diesem Thema einwerben zu können.

Alle Menschen sollen gleichermaßen an Leben und Gesellschaft teilhaben können. Dies zu gewährleisten, dazu haben sich die Mitgliedsstaaten der UN mittels der 2008 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet. In Deutschland sorgt insbesondere Artikel 24 der Konvention für anhaltende Debatten: Er schreibt die Inklusion im Bildungswesen vor. Inklusion heißt dabei nicht, Menschen mit Behinderung durch besondere Maßnahmen zu integrieren - das Bildungswesen soll vielmehr für alle Menschen in gleicher Weise offenstehen. Regelschulen sollen künftig offener sein für Kinder mit Behinderungen, darüber herrscht ein breiter Konsens. Das stark gegliederte deutsche Bildungswesen ist jedoch eher auf Leistungsselektion ausgelegt als auf die Teilhabe aller an allen Angeboten. 

Die Forschungsinitiative "Inklusion im Spannungsfeld" nimmt nun den institutionellen Wandel in den Blick, der sich als Folge der UN-Konvention im deutschen Bildungswesen vollzieht und in einem Spannungsverhältnis zur Leistungsselektion steht. Sprecherinnen der Forschungsgruppe sind Diemut Kucharz von der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Karin Bräu von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen die besondere Herausforderung für den Umbau des Schulsystems in Richtung Inklusion darin, dass durch das meritokratische Prinzip unserer Gesellschaft Leistung, Selektion und Wettbewerb als grundlegende Prinzipien beibehalten werden. Auf allen Ebenen - also im Unterricht, an der einzelnen Schule, in der Bildungsverwaltung und in der Politik - müsse dieses Spannungsfeld von Teilhabe und Leistungswettbewerb austariert werden. Zu untersuchen ist demnach, wie in der Praxis des gesamten Schulsystems mit der Herausforderung umgegangen wird, Inklusion zu realisieren und zugleich dem Leistungsanspruch gerecht zu werden. 

Mit den Fördermitteln aus dem RMU-Initiativfonds Forschung wird sich eine Pilotstudie zunächst die Bildungsadministration ansehen und untersuchen, wie die Problematik hier diskutiert wird. Dieses Feld ist bislang noch wenig beforscht worden. Die Studie kann auf die Expertise des Forschungsnetzwerks Inklusion zurückgreifen, das bereits seit vier Jahren aktiv ist. Mit dabei sind neben Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftlern unterschiedlicher Ausrichtung auch Fachdidaktikerinnen und Fachdidaktiker aus den Bereichen Deutsch, Mathematik und Sachunterricht. Das Projekt, das offiziell zum 1. April 2019 gestartet wird, erhält für zwei Förderjahre insgesamt 118.000 Euro. Die Mittel werden für eine wissenschaftliche Teilzeitkraft und studentische Hilfskraftstunden verwendet, auch eine international ausgerichtete wissenschaftliche Tagung ist geplant.

Das Projekt überschreitet Landesgrenzen: Indem sowohl in Hessen als auch in Rheinland-Pfalz Daten erhoben werden, kommt man zu länderübergreifenden Ergebnissen - echte Grundlagenforschung, die am Ende auch Hinweise ergibt, wie der Transformationsprozess am besten zu gestalten ist.


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