Restitution nach 80 Jahren

Ein im nationalsozialistischen Deutschland beschlagnahmtes Buch ist nach 80 Jahren seinem heutigen Eigentümer übergeben worden. Das Buch ,,Mein Deutschland", das von dem jüdischen Arzt Benno Latz geschrieben und in limitierter Auflage gedruckt worden war, konnte durch einen Zeitungsartikel dem britischen Künstler Geoff Latz, dem Enkel des Mediziners, zugeordnet werden. Koordiniert wurde die Restitution von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stabsstelle NS-Raubund Beutegut in der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin.

Durch einen Artikel in der britischen Zeitung Telegraph & Argus über eine von Geoff Latz initiierte Gedenkaktion wurde die Stabsstelle NS-Raubund Beutegut auf den Enkel von Benno Latz aufmerksam und nahm Kontakt zu ihm auf. Geoff Latz’ Großvater war 1938 aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach New York, USA, geflohen. Sein Sohn Helmut, der Vater von Geoff Latz, floh ebenfalls 1938 nach Großbritannien. ,,Mein Deutschland" hatte Benno Latz zwischen 1933 und 1934 geschrieben, um an jüdische Soldaten im Ersten Weltkrieg zu erinnern. Er selbst hatte als Stabsarzt im Ersten Weltkrieg gedient.

Als Raubund Beutegut wird Privateigentum wie Gemälde und Bücher verstanden, das im nationalsozialistischen Deutschland zwischen 1933 und 1945 beschlagnahmt oder unter Zwang veräußert wurde. Die Konfiszierungen richteten sich gegen Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma sowie Angehörige anderer religiöser oder ethnischer Minderheiten, politische Gegner des Nationalsozialismus, darunter Parteien und Gewerkschaften, aber auch Gelehrte und Homosexuelle, sowohl im Deutschen Reich als auch in besetzten Ländern. Bücher wurden in sehr großen Mengen beschlagnahmt. Teilweise im Besitz von Bibliotheken, ehemaligen Funktionären des Nationalsozialismus sowie privaten Sammlern wurden viele dieser Objekte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs weltweit verstreut.

Ziel der Stabsstelle NS-Raubund Beutegut ist es, die unter dem nationalsozialistischen Regime geraubten Bücher zu identifizieren und an die heutigen Eigentümer zu restituieren. Die Stabsstelle führt gemeinsam mit der Badischen Landesbibliothek, der Bibliothek der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum, der Stadtbibliothek Hannover, der Universitätsbibliothek Potsdam sowie der Zentralund Landesbibliothek Berlin die Datenbank Looted Cultural Assets. Aufgenommen werden alle in den eigenen Beständen gefundenen Provenienzen und die zugehörigen Rechercheergebnisse. Die Datenbank ist unter folgender Adresse abrufbar: http://lootedculturalassets.de/index.php.