Regionale Strategien sollen das globale Problem der Grundwasserübernutzung lösen

Grundwasser spielt als wichtigste Quelle für Süßwasser auf der Erde eine entscheidende Rolle für die Bewässerungslandwirtschaft und damit für die globale Nahrungsmittelproduktion. In vielen Regionen der Erde werden die Grundwasservorkommen jedoch massiv übernutzt. In einem übersichtsartikel in „Nature Geoscience“ präsentiert Werner Aeschbach-Hertig, Umweltphysiker an der Universität Heidelberg und Direktor des Heidelberg Center for the Environment (HCE), den aktuellen Forschungsstand zum Problem der Grundwasserübernutzung. Gemeinsam mit seinem kanadischen Kollegen Tom Gleeson stellt er anhand ausgewählter Beispiel-Gebiete wie Indien, China und den USA Herausforderungen und regionale Problemlösungsstrategien dar.

„Grundwasser-Systeme sind zwar Speicher von enormem Ausmaß, eine Neubildung erfolgt jedoch nur langsam. So sind beispielsweise in Indien aktuell die massivsten Rückgänge zu verzeichnen“, erklärt Aeschbach-Hertig, der am Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg forscht und lehrt. Nach Angaben des Wissenschaftlers belegen Untersuchungen, dass dabei klimatische Bedingungen gegenüber der menschlichen Nutzung weit in den Hintergrund treten. „Dennoch ist zu erwarten, dass im Zuge des Klimawandels in Regionen wie Nordafrika das Problem durch den Rückgang der Niederschlagsmengen noch verschärft werden könnte“, so Aeschbach-Hertig.

Die globalen Aspekte des Problems sehen die Wissenschaftler vor allem im Zusammenhang mit der Sicherung der Ernährung weltweit und dem Beitrag der Entleerung der Grundwasserspeicher zum Anstieg des Meeresspiegels. Die Autoren des Review-Artikels zeigen auf, dass Lösungsansätze jedoch regionale Herangehensweisen benötigen. „Rein technische Strategien sind dabei nicht erfolgreich. Es müssen breiter abgestützte ökonomische, politische und rechtliche Maßnahmen einbezogen werden“, erläutert Aeschbach-Hertig. „Ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Wasser in den von übernutzung geprägten Gebieten bedarf somit umfassender Managementund Governance-Systeme.“

Werner Aeschbach-Hertig untersucht seit vielen Jahren im Kontext nationaler und internationaler Projekte Prozesse rund um das System Grundwasser. Er befasst sich unter anderem mit Anwendungen von Isotopenund Umwelttracern, insbesondere Edelgasen, um die Neubildung und Strömung von Grundwasser untersuchen zu können. Aufgrund dieser Expertise wurde der HCE-Wissenschaftler von „Nature Geoscience“ eingeladen, die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse in einer disziplinübergreifenden Betrachtungsweise mit sozio-ökonomischen und technischen Aspekten zusammenzubringen. Tom Gleeson ist Assistant Professor am Department of Civil Engineering der McGill University in Montreal. Als Hydrogeologe arbeitet er an der Modellierung von Grundwassersystemen und Fragen der nachhaltigen Grundwassernutzung.

Originalveröffentlichung:
Werner Aeschbach-Hertig and Tom Gleeson: Regional strategies for the accelerating global problem of groundwater depletion, Nature Geoscience (18. November 2012), doi: 10.1038/ngeo1617


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