Psychologie-Studium so gefragt wie nie

Auf keinen anderen Studiengang der WWU bewerben sich so viele Studieninteressierte wie auf den Bachelor in Psychologie. 5 428 Bewerberinnen und Bewerber konkurrierten für das aktuelle Wintersemester um die begehrten 141 Plätze. Mit anderen Worten: Auf einen Platz kamen in der sogenannten Platz-Relation 38,5 Bewerber - der Spitzenwert für alle Fächer an der WWU. Dieser Andrang ist keineswegs nur ein lokales Phänomen, auch deutschlandweit boomt das Studienfach Psychologie. Im Wintersemester 2017/18 zählte das Fach mit knapp 80 000 Studierenden zu den zehn gefragtesten Studienfächern in Deutschland - Tendenz steigend.

Warum boomt gerade die Psychologie seit Jahren und lockt Tausende Abiturienten an die Hochschulen? Nach überzeugung der Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Birgit Spinath, hat die Beliebtheit der Psychologie mehrere Gründe. Zum einen sei sie eine faszinierende Wissenschaft, da sie sich mit dem menschlichen Erleben und Verhalten befasse, zum anderen locke der attraktive Arbeitsmarkt. „Ein Psychologie-Studium eröffnet viele Arbeitsfelder rund um die Themen Gesundheit, Arbeit, Bildung und natürlich in Forschung und Lehre“, betont sie. „Der Arbeitsmarkt für Psychologinnen und Psychologen ist ausgezeichnet.“ Und tatsächlich ist die Arbeitslosenquote von Psychologieabsolventen mit rund 2,4 Prozent sehr niedrig. Neben psychotherapeutischen Tätigkeiten in Praxen und Kliniken finden Absolventen zunehmend Stellen in der Wirtschaft, in wachsenden Bereichen wie dem Arbeitsund Gesundheitsschutz oder der Personalauswahl und -entwicklung. Mehr und mehr arbeiten Psychologen auch in Behörden und Einrichtungen der öffentlichkeit als Schul-, Verkehrs-, Umweltoder Rechtspsychologen.

Auch Guido Hertel betont die vielfältigen Berufsfelder, die bereits im breit ausgerichteten Bachelorstudium an der WWU sichtbar werden. Für den Dekan des Fachbereichs Psychologie und Sportwissenschaft der WWU gehe die starke Nachfrage nach psychologischen Kompetenzen vor allem auch auf die aktuellen Herausforderungen in der Gesellschaft zurück. „Die Technisierung, die demografische Entwicklung und der Klimawandel führen zu neuen Anforderungen im Beruf und Alltag. Expertinnen und Experten aus der Psychologie können die Menschen im Umgang mit diesen Veränderungen unterstützen, und für hohe Effizienz und psychisches Wohlergehen sorgen.“

Die hohe Nachfrage an Plätzen hatte in den vergangenen Jahren einen starken Einfluss auf das Angebot der verfügbaren Studienplätze. Während sich die Zahl der Psychologie-Studierenden an den Hochschulen im Zeitraum von 2005 bis 2015 weit mehr als verdoppelte, lag die Steigerungsrate der Gesamtzahl der Studierenden im gleichen Zeitraum lediglich bei 39 Prozent. Das geht aus einem Papier des Wissenschaftsrates zu den Perspektiven der Psychologie hervor. Der Anstieg der Studierendenzahlen resultiert vor allem daraus, dass durch die Bologna-Reformen auch zunehmend private Hochschulen akkreditierte Psychologie-Studiengänge anbieten können. Diese sind allerdings häufig mit hohen Studiengebühren verbunden, und die Forschungsressourcen der Hochschulen sind oft begrenzt. Um an einer staatlichen Hochschule aufgenommen zu werden, bedarf es vor allem eines sehr guten Abiturs. Für die WWU lag der Numerus Clausus im aktuellen Bewerbungsverfahren bei 1,3.

Hat man schließlich das Glück, einen der begehrten Plätze zu bekommen, machen sich die hohen Zulassungsvoraussetzungen auch im Studium selbst bemerkbar, wie Lea Rieping, Masterstudentin an der WWU, feststellte. „Besonders zu Beginn meines Studiums habe ich gemerkt, dass meine Kommilitonen durchweg leistungsorientiert waren und sich die Topnoten aus der Schule auch in den Studienleistungen fortgesetzt haben. Da machte der Leistungsdruck auch vor einem selbst nicht Halt.“ Dennoch haben sich die Mühen in ihren Augen gelohnt. „Ich habe in meinem Studium viel für meine spätere berufliche Laufbahn gelernt, beispielsweise mich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen und mir selbstständig Theorien und Methoden anzueignen.“

Guido Hertel sieht den Boom insgesamt als Chance für das Fach, sich weiter zu entwickeln und zu wachsen. Gleichzeitig warnt er davor, die Grundlagenforschung zu vernachlässigen: „Ohne eine stetige Weiterentwicklung des Wissens in den psychologischen Grundlagen wird letztendlich auch der Anwendungsbezug im Fach verarmen.“ Entsprechend komme es auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen konkreten Anwendungsbezügen und generalisierbarer Forschung an.


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