„Physics of Cancer": Experten wollen bessere Vorhersagen zur Krebsentwicklung treffen

Die diesjährige Konferenz zur Physik von Krebszellen, "Physics of Cancer", befasst sich schwerpunktmäßig mit den Parallelen bei der Entwicklung von embryonalen und Tumorzellen. Ziel der knapp 100 Forscher aus aller Welt ist es, verlässlichere Vorhersagen zum Verhalten von Tumorzellen im menschlichen Körper treffen zu können. Sie treffen sich vom 24. bis 26. September an der Universität Leipzig.



„Bei der Entwicklung embryonaler Zellen spielen die gleichen Mechanismen eine Rolle wie beim Krebswachstum“, sagt Dr. Benjamin Wolf. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät hat die Konferenz gemeinsam mit Biophysiker Josef Alfons Käs von der Universität Leipzig organisiert. Zum neunten Mal tauschen sich renommierte Krebsbiologen, Physiker und Mediziner aus aller Welt über die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Physik von Krebszellen aus.

Zellen teilen sich zig-fach, um sich zu verbreiten. Das gilt sowohl für Krebs-, als auch für embryonale Zellen des ungeborenen Kindes im Mutterleib. Neuen Erkenntnissen zufolge sind bestimmte Gewebe, wie etwa die des Gebärmutterhalses und der Harnblase, enger miteinander verwandt als andere: Sie entwickeln sich in der embryonalen Entwicklung länger gleich. Die Differenzierung beginnt relativ spät. „Der Tumor scheint diese Wege zurückzugehen“, erklärt Wolf, der als Arzt an der Klinik für Frauenheilkunde des Universitätsklinikums Leipzig tätig ist. So kommt es, dass beispielsweise Krebszellen vom Gebärmutterhals wesentlich schneller in die Harnblase wachsen als in den Enddarm, obwohl beide Organe an den Gebärmutterhals angrenzen.

Wolf und seine Kollegen haben in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Anatomie erstmals Tumorzellen einer Patientin in deren gesundes Gewebe verpflanzt und untersuchen anhand dieser Gewebekulturen das Verhalten der Krebszellen. Bisher habe es solche Analysen mit menschlichen Zellen nicht gegeben, sagt der Mediziner. “Die Krebsphysik ist ein sehr junges Forschungsgebiet. Die Aussagesicherheit dieser Experimente steckt noch in den Kinderschuhen“, betont Wolf.

Themenschwerpunkt der Konferenz im vergangenen Jahr war die kollektive Bewegung von Krebszellen, was ebenfalls ein Schlüssel zum besseren Verständnis der Metastasierung war. Diesmal kommen wieder zahlreiche Experten aus dem Ausland, vor allem aus den USA, nach Leipzig, um bei „Physics of Cancer“ ihre neuesten Forschungen zu präsentieren. So wird Paul Janmey von der University of Pennsylvania in Philadelphia darüber berichten, wie sich die mechanische Umgebung von Krebszellen auf deren Wachstum auswirkt. Prof. Sui Huang vom Institute for Systems Biology in Seattle spricht in seinem Vortrag darüber, wie sich das Genom von Krebszellen auf vorhersagbare Weise ändert und argumentiert zu seiner Theorie, dass Krebs kein Ergebnis zufälliger Mutationen, sondern ein geordneter und vorhersagbarer Prozess ist. Erstmals wird während der Konferenz der Young Scientist Award für die beste Poster-Präsentation zu dieser Thematik vergeben. Das Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro stiftet die Deutsche Gesellschaft für Zellbiologie in Heidelberg.