Open Access: Das Erfolgskonzept der Heidelberger Universitätsbibliothek

Der im Auftrag der Universität betriebene Verlag Heidelberg University Publishing feiert fünfjähriges Bestehen

Mit dem Open-Access-Verlag Heidelberg University Publishing (heiUP) ist die Universitätsbibliothek Heidelberg vor fünf Jahren an den Start gegangen: Am 23. Juli 2015 wurde das erste Buch veröffentlicht; inzwischen sind es mehr als 70 Publikationen. Der im Auftrag der Universität Heidelberg betriebene Verlag verfolgt die zukunftsweisende Strategie, Forschungsergebnisse frei zugänglich online zu publizieren. ,,Zwei Prämissen leiten uns: Ein sehr hoher Qualitätsanspruch und das Online-first-Prinzip", sagt Bibliotheksdirektor und Verlagsleiter Dr. Veit Probst. Damit ist heiUP eine von Autorinnen und Autoren geschätzte Alternative zu den großen Wissenschaftsverlagen. Zugleich hat sich die Universitätsbibliothek mit der Verlagstätigkeit erfolgreich ein neues Arbeitsfeld im engen Zusammenhang mit den klassischen Aufgaben einer Bibliothek erschlossen.

Ziel von Open Access ist es, wissenschaftliche Literatur für alle Nutzer frei von technischen und rechtlichen Barrieren zugänglich zu machen. Dabei stehen zwei Strategien zur Verfügung: Zum einen die Primärpublikation des sogenannten goldenen Weges, den auch heiUP geht. Zum anderen die Zweitveröffentlichung im Open Access, grüner Weg genannt, bei dem das gedruckte Buch in einem zweiten Schritt zusätzlich im Open Access zur Verfügung gestellt wird. So ist wissenschaftliche Literatur beim Open-Access-Verlag Heidelberg University Publishing in der herkömmlichen Form als gedruckte Ausgabe im Buchhandel erhältlich, vor allem aber steht sie kostenlos auf der Verlagsseite zum Download bereit.

Zahlen belegen den Erfolg dieses Modells. Nach Angaben der Universitätsbibliothek verzeichnete heiUP im Jahr 2019 auf seiner Seite allein bei den E-Journals rund 340.000 Downloads - das sind mehr als doppelt so viele wie noch im Vorjahr. Insgesamt waren es im vergangenen Jahr rund 400.000 Downloads. ,,Wir müssen einen Mentalitätswandel anstoßen", sagt Maria Effinger, Geschäftsführerin von heiUP. ,,Das Primäre ist die Online-Publikation, die gedruckte Ausgabe ein Derivat. Es geht darum, Forschungsergebnisse maschinenlesbar zu machen, so entstehen ganz neue Möglichkeiten für wissenschaftliches Publizieren." Online im HTML-Format publiziert, kann eine Veröffentlichung zum Beispiel mit den zugrunde liegenden Forschungsdaten oder ergänzenden Informationen wie Bildern oder Videos verlinkt werden.

Geschäftsführerin und Verlagsleiter sind überzeugt, dass das Engagement im Bereich Open Access unumgänglich ist, damit wissenschaftliche Bibliotheken auch in Zukunft erfolgreich bestehen können. Nach den Worten von Probst wird sich ihre Aufgabe zunehmend von der reinen Bereitstellung von Wissen hin zum Publizieren entwickeln. ,,Wenn der Medienwandel und die Änderung der Nutzungsgewohnheiten sich weiter so fortsetzen wie bisher, dann geraten Universitätsbibliotheken, die nicht wie wir über herausragende historische Sammlungen verfügen und keine neuen Services aufgebaut haben, in eine Existenzkrise", betont der Direktor der Universitätsbibliothek Heidelberg. Der Open-Access-Verlag Heidelberg University Publishing ist damit ein wichtiger Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Bibliothek.


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