,,Neue Wände"-Festival wird live im Internet übertragen

Das Rezitationstheater Münster, hier Ensemblemitglied Stella Jacobs, widmet sein

Das Rezitationstheater Münster, hier Ensemblemitglied Stella Jacobs, widmet seinen Beitrag zum Neue-Wände-Festival dem Wirsing. © WWU - Peter Leßmann

Musik und Mode, Tanz und Theater, Sprache und Spiel: Seit zehn Jahren sind die ,,Neuen Wände" fester Bestandteil der münsterschen Kulturszene. Nach 2010, 2013 und 2017 geht ,,Deutschlands größtes Festival der Hochschulkultur" am Sonntag, 24. Mai, in die vierte Runde. Doch diesmal ist alles anders. Wegen der Corona-Pandemie sind gemeinsame Proben und Auftritte untersagt, das Stadttheater ist geschlossen. Das Festival ausfallen lassen? ,,Kommt nicht infrage", entschieden die Organisatoren. ,,Wir freuen uns, dass fast alle Gruppen einer Verlegung ins Internet zugestimmt haben", sagt Festivalleiterin Cornelia Kupferschmid.

Ein Theaterspektakel im Netz - wie soll das gehen? Eigentlich übernehmen beim ,,Neue Wände"-Festival mehrere hundert Künstler aus den Hochschulen ein Wochenende lang die Regie am Theater Münster. In unterschiedlichen Konstellationen tauchen sie in ungeahnte Dimensionen der Kunst ein mit Symbiosen wie Improbattieren, Jazz Poetry oder Saitentänzen. ,,Das lässt sich natürlich nicht eins zu eins in ein virtuelles Format übertragen", sagt Cornelia Kupferschmid. Stattdessen setzt das Organisationsteam auf eine Mischung aus vorproduzierten Beiträgen und aufgezeichneten Auftritten, die live moderiert werden - frei nach dem Format der Abschlussshow ,,Tapetenwechsel", bei der zahlreiche Teilnehmer kurze Ausschnitte aus ihren Programmen zeigen.

Größte Herausforderung des neuen Formats ist für viele die Technik. Wie schafft man es, mit einfachen Mitteln einen Sprechchor aufzuzeichnen, wenn jeder in den eigenen vier Wänden vor dem Laptop sitzt? ,,Videokonferenzen sind zeitverzögert. Den gleichen Takt zu treffen war nahezu unmöglich", berichtet Stella Jacobs vom Rezitationstheater - ein studentisches Ensemble, das seit mehreren Jahrzehnten in wechselnder Besetzung besteht und an der Studiobühne der WWU beheimatet ist. ,,Anstatt gemeinsam zu proben und zu improvisieren, sind wir nun viel mit dem Nachbearbeiten von Sequenzen beschäftigt", sagt sie. ,,Es fehlt uns sehr, gemeinsam kreativ zu werden."

Ähnlich geht es auch vielen anderen studentischen Gruppen. Das Studentenorchester beispielsweise hat sich für das Festival die Tatort-Melodie vorgenommen und Noten an alle Musiker verschickt, die diese einzeln aufgenommen haben. Anschließend wurde das Ganze zu einem Beitrag zusammengeschnitten. ,,Auf einer Bühne vor Publikum zu stehen ist zwar viel schöner, aber immerhin können wir so etwas von unserer monatelangen Arbeit präsentieren", sagt Stella Jacobs, die an der WWU Anthropologie und Soziologie studiert.

Insgesamt soll das virtuelle ,,Neue Wände"-Festival aus knapp 30 Beiträgen bestehen, darunter ein Science Slam. Etwa zehn Gruppen und Bands werden bei Live-Auftritten vom 22. bis 24. Mai in einer Halle in Hiltrup gefilmt. Für den virtuellen ,,Tapetenwechsel" wird alles in eine Reihenfolge gebracht. Der bekannte Kabarettist Thomas Philipzen moderiert die Show am Sonntagabend live. ,,Einen echten Theaterbesuch wird das nicht ersetzen", meint Cornelia Kupferschmid. ,,Auf diese Weise haben wir aber trotzdem etwas vom Gemeinschaftsgefühl, zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu sein." Ein weiterer Vorteil: Auch wer weit weg wohnt und das Festival nicht hätte besuchen können, hat jetzt die Möglichkeit, dabei zu sein.

Die ,,Neuen Wände" basieren auf einer Idee des münsterschen Journalisten Klaus Baumeister. Veranstalter sind der Förderverein Hochschulkultur und das Kulturamt der Stadt Münster. Die WWU ist offizieller Unterstützer. Das ausführliche Programm wird wenige Tage vor dem Festival auf der Webseite www.neue-waende.de bekanntgegeben, wo auch die Live-Show übertragen wird. Einzelne Beiträge sollen anschließend noch online zu sehen sein.


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