"Nachwuchsförderung": Prorektorin Maike Tietjens über den neuen Themenschwerpunkt der Pressestelle

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Maike Tietjens © WWU - Peter Wattendorff

Maike Tietjens © WWU - Peter Wattendorff

Wie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses erfolgreich gelingen kann, ist ein Thema, ohne dessen kritischer Diskussion eine moderne und erfolgreiche Universität heutzutage nicht auskommt. Universitäten brauchen nicht nur hervorragende Forscherinnen und Forscher, die international sichtbar sind - auch den Wissenschaftsmanagerinnen und -managern kommt eine hohe Bedeutung zu, um ebenjene Sichtbarkeit zu fördern. An der WWU wollen wir die besten Köpfe für uns gewinnen und ihnen beste Bedingungen bieten, sich weiterzuentwickeln und durch ihren Verbleib an der Universität dafür zu sorgen, dass sich die WWU stetig erneuert. Die folgenden Aspekte sind für uns als Rektorat deshalb in besonderem Maße relevant:

1. Unter wissenschaftlichem Nachwuchs verstehen wir die Gruppen der Promovierenden sowie derjenigen, die den Doktorgrad bereits erlangt haben (PostDocs). Entsprechend divers wird deshalb auch das Thema Nachwuchsförderung verstanden: Dieser liegt an der WWU ein Verständnis zugrunde, das sich daran orientiert, den Nachwuchs bestmöglich und lebensphasenbezogen auf eine wissenschaftliche Laufbahn vorzubereiten. Dabei ist die Eigenständigkeit genauso zu beachten wie das individuelle Bedürfnis nach Begleitung und Unterstützung.

2. Die Nachwuchsförderung an der WWU zeichnet sich durch ein breites Angebot an zentralen und dezentralen beziehungsweise fachlichen und überfachlichen Maßnahmen aus, die sich gewinnbringend ergänzen. Subsidiarität ist eine wichtige Leitmaxime und bedeutet für uns, dass die Fachbereiche bestmöglich in ihrer Autonomie gestärkt, aber auch in der Verantwortung für ihren Nachwuchs gefordert werden. Den professoralen Betreuerinnen und Betreuern kommt als Führungskräften deshalb eine besondere Rolle zu: Sie sind erste Ansprechpersonen, vermitteln fachspezifische Kompetenzen und fungieren als Beraterinnen und Berater für die Karriereplanung. Damit tragen sie maßgeblich zu der Entwicklung einer selbstständigen Forscherpersönlichkeit bei.

3. Nachwuchsförderung ist weder reiner Selbstzweck noch reines Samaritertum. Um organisationale und individuelle Interessen in Einklang miteinander bringen zu können, müssen wir als Universität gute Rahmenbedingungen schaffen, die die Entwicklung ebenjener Forscher-Persönlichkeit ermöglicht. Familienfreundlichkeit, lebensphasenbezogene und niedrigschwellige Beratungsangebote und die Berücksichtigung fachspezifischer Anforderungen sind notwendige Rahmenbedingen, um das Potenzial und die intrinsische Motivation unseres Nachwuchses optimal zu heben und effizient für die WWU zu nutzen.

4. An der WWU sensibilisieren wir für alternative Karrierewege neben der Professur. Zur Wahrheit gehört, dass nicht jede (Post-)Doktorandin und jeder (Post-)Doktorand die Möglichkeit haben wird, eine Lebenszeitprofessur zu erhalten. Mit unserem Tenure-Track-Modell haben wir jedoch einen transparenten und planbaren Karriereweg implementiert. Frühzeitig Alternativen zu entwickeln ist notwendig, aber nur punktuell möglich, zum Beispiel im Hochschulmanagement. Universitäten sind selbstreferentiell, bilden primär für sich selbst und das Wissenschaftssystem aus. Insgesamt müssen wir als Universität deshalb offener hinsichtlich alternativer Karrierewege werden - gute Nachwuchsförderung bedeutet, Netzwerke in außeruniversitären Bereichen zu unterstützen und dabei zu helfen, dass diese geknüpft werden können. An der WWU bieten wir eine hervorragende forschungsorientierte Ausbildung. Die damit erworbenen Kompetenzen sind aber nicht nur in der Wissenschaft nachgefragt, sondern auch in Unternehmen, Politik und Verbänden. In diese Bereiche Brücken zu schlagen sehen wir als Aufgabe universitärer Nachwuchsförderung an.

Mein Fazit ist: Wir machen viele Angebote, stellen individuelle Unterstützung bereit. Vor diesem Hintergrund rücken dezentrale Maßnahmen an den Instituten, Graduiertenschulen und Forschungsverbünden in den Fokus. Sie greifen die Charakteristika von Fachund Fächerkulturen auf und stellen sie in den Mittelpunkt ihrer Nachwuchsförderung. Wir können aber noch besser werden, indem wir Synergien nachhaltiger nutzen, bestehende Angebote zielgruppengerecht bündeln und unserem Nachwuchs vermitteln, dass sich die WWU für sein wissenschaftliches Vorankommen einsetzt. Bislang findet diese Förderung an vielen mehr oder weniger miteinander verbundenen Stellen statt. Diese dialogisch zusammenzuführen und fachliche und überfachliche Förderung gleichermaßen zu betreiben, ist die Herausforderung der nächsten Jahre.

Maike Tietjens ist Prorektorin für strategische Personalentwicklung an der WWU.

Dieser Artikel stammt aus der Universitätszeitung "wissen

leben" Nr. 1, Februar / März 2018.



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