Leonardo da Vinci und die Technik

Am Lehrstuhl für Mittlere Geschichte der RWTH Aachen wurde zehn Jahre am Codex Madrid I, Leonardos Hauptwerk zur Technik, geforscht.

Professor Dietrich Lohrmann, bis 2002 Inhaber des Lehrstuhls für Mittlere Geschichte, und Dr. Thomas Kreft veröffentlichten jetzt die Ergebnisse unter dem Titel „Leonardo da Vinci, Codex Madrid I, Kommentierte Edition". Sie erläutern damit erstmals die 1.700 Zeichnungen und die umfangreichen Texte. „Leonardo überliefert den technologischen Stand seiner Zeit. Es lässt sich daraus ableiten, was allgemein bekannt und möglich war", erläutert Lohrmann die Bedeutung des Werks. Eine Erkenntnis ist, dass Leonardo keinesfalls aus dem Nichts erfand, sondern aus Beobachtungen weiterentwickelte.

Auf dem Erbwege kam der Codex Madrid I an eine Familie Melzi, die ihn 1590 an den Bildhauer Pompeo Leoni verkaufte. Im 18.Jahrhundert gelangte er in die Spanische Nationalbibliothek, dort liegt er bis heute. Zwischenzeitlich war er über 130 Jahre verschollen, weil ein Bibliothekar ihn in die falsche Lücke gestellt hatte. Erst 1965 tauchte der Band wieder auf, hat aber seitdem keine umfassende inhaltliche Analyse gefunden.

Der Codex ist ein Buch mit zwei Anfängen: Die Original-Blattzählung beginnt jeweils vorne und hinten mit 1, beide Teile treffen sich in der Mitte bei Blatt 95. Dies entspricht der Gliederung in zwei Teile: Leonardo konzipierte vorne seinen praktischen Teil mit ausgefeilten Beobachtungen zur Kinematik der Maschinen und seinen theoretischen Teil mit Sätzen zur Statik und Dynamik, dazu zahlreiche Versuchspläne, Studien zur Zahnradtechnik, zu Schäden an Wellen und Lagern und zur Verminderung der Reibung. Manches geriet durcheinander, die Einträge erscheinen in falschen Zusammenhängen. Auch seine Nachträge waren eine Herausforderung für die Aachener Wissenschaftler.

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