Kompetenz in der Lehre

Die grüne Tafel gibt’s immer noch.... 
                 ... wird aber läng

Die grüne Tafel gibt’s immer noch.... ... wird aber längst ergänzt um e-teaching-Angebote. Das Flipped-Classroom-Modell hat Antje Kiesel nun praktisch umgesetzt. (c) Frank Luerweg / Uni Bonn



Zur Professionalisierung von Hochschullehre führen die Angebote des Bonner Zentrums für Hochschullehre der Universität Bonn. Nun haben sich Kolleginnen und Kollegen aus der Lehrpraxis neue Projekte wechselseitig vorgestellt, die aus hochschuldidaktischen Weiterbildungen hervor gegangen waren. Dr. Antje Kiesel vom Institut für Angewandte Mathematik hat das Flipped Classroom-Modell in ihre Lehre eingeführt. .


In einer mathematischen Einführungsveranstaltung für Studierende der Agrarund Ernährungswissenschaften hatte Dr. Antje Kiesel beobachtet, dass die mathematischen Vorkenntnisse und das Lerntempo unter den neuen Studierenden sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Die Übungsveranstaltungen, wo der Vorlesungsstoff wiederholt und vertieft werden soll, boten aber zu wenig Zeit für individuelles Üben. Was tun?
 
Flipped Classroom-Modell

Mit der Unterstützung der Wissenschaftlichen Hilfskraft Armin Schäfers hat Dr. Antje Kiesel im Sinne des Flipped-Classroom-Modells das traditionelle Veranstaltungsprinzip umgedreht: Klassisches Besprechen der Hausaufgaben wurde aus der Übung ausgelagert und dort auf diese Weise Raum für tiefergehende Themenstellungen geschaffen. Dafür wurden die Übungsaufgaben in zwei Klassen eingeteilt: o    Online-Übungsaufgaben zu grundlegenden Rechenfertigkeiten, die sich technisch gut abbilden lassen, und o    anwendungsorientierte, komplexe Übungsaufgaben, die in der Präsenzübung unter Anleitung eines Tutors bearbeitet werden.

Die Online-Übungsaufgaben konnten die Studierenden selbständig und im eigenen Tempo bearbeiten, jenseits der Veranstaltung. Durch eine automatisierte Auswertung der Ergebnisse sowie die Online-Bereitstellung von Musterlösungen erhielten sie ein unmittelbares Feedback.
Auf diese Weise entstand dann in der Präsenzübung Raum für Nachfragen und komplexere Aufgaben, was eine erhebliche Qualitätssteigerung der Veranstaltung mit sich brachte. Dozentin Kiesel hat das Flipped-Classroom-Modell dann evaluiert: Das Feedback der Studierenden war sehr gut: Über 60% fanden die Online-Aufgaben hilfreich für das Verständnis der Vorlesungsinhalte. Mehr als 70% der Studierenden waren motiviert zur Lösung der Aufgaben.

Das Projekt ist eines von mehreren aus den letzten Jahren im Bereich der Mathematikausbildung im Nebenfach. Beispielsweise wurde von Beate Doerffel eine auf die Vorlesung ,,Grundlagen der Biometrie" angepasste Übungsstruktur erfolgreich realisiert. Dazu zählen auch neue spezifische Tutorenschulungen. Dr. Friedrich Malberg hat u. a. die Zusatzübung "Rechnen am Abend (Nachmittag)" eingeführt und die Durchführung von Präsenztests in der Vorlesung ,,Mathematik für Chemiker" initiiert. Dafür erhielt er sehr positives Feedback von den Studierenden. Darüber hinaus liegt heute allen neuen Studierenden mit dem Online-Tool Fit4Math ein umfangreiches Online-Angebot zum Auffrischen schulischer Mathematikkenntnisse vor.

Dr. Kiesel hat nun ein eTeaching-Zertifikat erworben. Es bestätigt ihr, eLearning-Formate zielgerichtet in die Lehre integrieren zu können. Ihr Flipped-Classroom-Modell hat sie dann in einer hochschulöffentlichen Poster-Präsentation vorgestellt.
Die verschiedenen Poster sowie die Projektdokumentation finden Sie auf den Internetseiten des Bonner Zentrums für Hochschullehre. Die Lehrenden sind sich einig: Gute Lehre ist zeitintensiv - und lohnt sich: Sie fördert nachhaltiges Lernen und steigert die Motivation der Studierenden erheblich. ,,Und es ist ja wichtig, dass Lehre auch Spaß macht!" sagt Prorektorin Karin Holm-Müller.

Zwei hochschuldidaktische Zertifikate

An der Universität Bonn kann man zwei hochschuldidaktische Zertifikate erwerben:
1.    Das NRW-Zertifikat ,,Professionelle Lehrkompetenz für die Hochschullehre" wird vom Netzwerk Hochschuldidaktik NRW angeboten. Es umfasst 200-240 Arbeitseinheiten und ermöglicht Hochschullehrenden eine hochschuldidaktische Qualifizierung in den Themenfeldern Lehren und Lernen, Prüfen und Bewerten, Studierende beraten, Feedback und Evaluation sowie Innovationen in Lehre und Studium entwickeln.
2.    Das eTeaching-Zertifikat ist ein Programm der Universität Bonn, das darauf abzielt, Einsatzmöglichkeiten von eLearning-Formaten zielgerichtet und effizient in didaktische Überlegungen und Lehraktivitäten zu integrieren. Es umfasst mindestens 110 Arbeitseinheiten à 45 Minuten.
Beide Programme werden an der Universität Bonn vom Bonner Zentrum für Hochschulentwicklung (BZH) umgesetzt und im Rahmen des Qualitätspakts Lehre durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert