Jahreswechsel international

Xiaoyi Jiang © Privat

Xiaoyi Jiang © Privat

Xiaoyi Jiang, Dekan des Fachbereichs Mathematik und Informatik:

Mit dem Begriff Neujahr assoziieren Chinesen das Frühlingsfest, das weit über China hinaus weltweit gefeiert wird. Nach dem kaiserlichen Kalender beginnt am 5.2.2019 das Jahr des Schweins. Vergleichbar mit Weihnachten ist das Frühlingsfest ein Familienfest. Rund um das Neujahrsfest werden über drei Milliarden Fahrtbewegungen registriert - mit einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur klappt es auch mit dieser jährlich größten Völkerwanderung. Bei der Feierlichkeit darf natürlich die fünfstündige Gala-Show im Fernsehen nicht fehlen, die seit 1983 jedes Mal eine Milliarde Zuschauer begeistert und mittlerweile auch über das Internet in alle Welt übertragen wird. Mit reichlich Leckerbissen und noch mehr guter Laune begrüßt man im Familienkreis das neue Jahr, begleitet von viel Licht und Knall beim Jahreswechsel. Gerade zur Neujahrszeit ist das Zeichen Glück allgegenwärtig. Mit diesem Glückszeichen wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieser Zeitung ein frohes neues Jahr!

Nau Lee, Sung Chan Han und Jihong Oh, Studierende an der Musikhochschule der WWU:

Traditionell feiern wir in Südkorea das Neujahrsfest nach dem Mondkalender: Seollal. Meistens findet es zwischen Ende Januar und Anfang Februar statt und wird in der Großfamilie drei Tage zelebriert. Ein wichtiges Ritual ist die Ahnenverehrung, die sogenannte Charye. Dadurch würdigen wir die verstorbenen Familienmitglieder, die zum Seollal zurück auf die Erde kehren und an den Festlichkeiten teilnehmen. Die Ahnen nehmen auch an dem Festessen teil. Dazu stellen wir ein Bild des Verstorbenen und ein zusätzliches Gedeck auf den Tisch. Das traditionelle Gericht ist Tteokguk, eine Reiskuchensuppe. Der Aberglaube besagt, dass man durch das Essen der Suppe ein erfolgreiches neues Jahr hat. Eine weitere Besonderheit ist, dass wir alle am Neujahrsfest Geburtstag haben und zur gleichen Zeit gemeinsam ein Jahr älter werden - das ist ein schönes Gefühl der Zusammengehörigkeit.

Cao Nguyen Duong, Doktorand an der „CiM-IMPRS Graduate School”:

Der wichtigste Feiertag in Vietnam ist „Tet“, der Beginn des neuen Jahres nach dem Mondkalender. Während meiner Kindheit hat „Tet“ vor allem bedeutet, dass man neue Kleidung bekam, es gab besonderes Essen und man hat gefeiert. Die Woche vor dem neuen Jahr war besonders eindrucksvoll, wenn nämlich die ganze Familie unser Haus geschmückt und neue Dinge gekauft hat. Wir haben „Chung“ zubereitet, einen traditionellen vietnamesischen Reiskuchen, der aus Klebreis, Mungbohnen und Schweinefleisch besteht. Wir haben den „Chung“ mindestens 16 Stunden lang gekocht und uns in dieser Zeit um den Kochtopf herum versammelt. Meine Eltern haben uns dabei Geschichten erzählt und von ihren Plänen für das neue Jahr berichtet. Am letzten Tag des Jahres haben wir Weihrauch angezündet und am Altar unserer Ahnen für ein friedliches neues Jahr gebetet. Meine Eltern haben uns viel Glück gewünscht und uns Geld geschenkt. Als ich älter wurde und weit von zu Hause weg wohnte, hat sich für mich die Bedeutung von „Tet“ geändert. Nach einem langen Jahr mit einem engen Terminplan für Studium und Arbeit weiß ich die gemeinsame Zeit mit unseren Eltern und Verwandten zu schätzen. Am ersten Tag des neuen Jahres besuchen wir immer unsere Verwandten. Wenn ich ihre glücklichen Gesichter sehe, weiß ich: „Tet“ bedeutet das Zusammensein im Familienkreis.

Editha Chitruszko, Mitarbeiterin im Dekanat des Fachbereichs Philologie:

Bunt, hell und ein wenig kitschig - so kenne ich Weihnachten von klein auf. Anfang Dezember wird ein Baum aufgestellt und anschließend gemeinsam dekoriert. Der Baum bleibt immer bis Mitte Januar stehen. In manchen Jahren besuchen wir kurz vor Weihnachten unsere Familie in Polen. Dazu fahren wir durch viele polnische Dörfer, am liebsten bei Dunkelheit, denn überall funkeln bunte Lichterketten. An Heiligabend bereiten wir im engsten Familienkreis ein Festmahl zusammen vor - aber kein Fleisch. Das gibt es erst an den beiden Weihnachtstagen. An Heiligabend teilen wir zunächst Oblaten mit christlichen Motiven darauf, danach beginnen wir unser Abendessen mit Fisch. Ich mag keinen Fisch - aber es ist Tradition. Also esse ich einmal im Jahr ein Häppchen davon. Traditionell gibt es in Polen ein zusätzliches Gedeck am Tisch: So drücken wir unsere Gastfreundschaft und Nächstenliebe und unsere Bereitschaft zum Teilen aus.

Dr. Annah Keige-Huge, Koordinatorin für PostDocs im WWU-Graduate Centre:

In meinem Herkunftsland Kenia feiern wir Weihnachten in der Großfamilie. Die Städte sind zu dieser Zeit fast leer, da die Menschen die Feiertage üblicherweise auf dem Land verbringen. Besonders schön finde ich den Gottesdienst um Mitternacht, bei dem im Anschluss gemeinsam gesungen wird. Im Zentrum der Feiertage steht das Festessen und das gemeinsame Schlemmen - das sich über mehrere Tage hinziehen kann. Dazu wird traditionell eine Ziege geschlachtet. Zu einem kenianischen Weihnachtsessen gehören unter anderem Huhn, Truthahn, Chapati (Fladenbrot) und Reis. Ich lebe schon seit vielen Jahren in Deutschland und schaffe es leider nicht jedes Jahr, meine Großfamilie in Kenia über die Feiertage zu besuchen. Einige der kenianischen Weihnachtsbräuche zelebriere ich daher mit meiner Familie und Freunden auf deutsch-kenianische Art. Zum Beispiel gibt es an einem Tag Chapati und Huhn und am nächsten Tag Weihnachtsgans. Mit Familie und Freunden singe ich sowohl kenianische als auch deutsche Weihnachtslieder.

Robert Brambeer, Mitarbeiter des Sprachenzentrums:

In meiner Erinnerung bin ich sieben Jahre alt, und es ist der 25. Dezember, früh am Morgen. Alle schlafen, nur ich bin hellwach. Ich klettere aus dem Bett und wecke meine Schwester Erica. Wir schleichen uns zum Wohnzimmer, wo der geschmückte Baum steht. Von den Bestechungskeksen, die ich Santa hinterlassen habe, sind nur noch Krümel übrig. Zu unserer Freude hat er dieses Jahr viele Geschenke gebracht. Wir zählen sie, und Erica hat natürlich wieder mehr als ich. Ich taste vorsichtig meinen roten Strumpf am Kaminsims ab, der jetzt voller Geschenke ist. Leider ist eine Kartoffel im Zeh, obwohl ich dieses Jahr doch so brav war! Endlich wachen auch meine Eltern auf. Wir sitzen um den Kamin, hören Bing Crosby und öffnen die Geschenke. Dann plündern wir die Strümpfe. Die Kartoffeln übergeben wir großzügig meiner Mutter fürs Essen. Während meine Eltern Frühstück machen, rufe ich meinen besten Freund Dax an, erzähle von meinen Geschenken und frage, ob er die neue Atari-Konsole bekommen hat...

Laura Cárdenas Krenz, studentische Hilfskraft in der Arbeitsstelle Forschungstransfer:

In Lima, Peru, ist nach einer besinnlichen Adventszeit die Stimmung zu Weihnachten freudig und ausgelassen. Am Nachmittag des 24. Dezembers werden Weihnachtseinkäufe erledigt, und alle machen sich schick für das Fest. Der Heilige Abend beginnt mit dem Truthahnessen im familiären Kreis. Man hört Weihnachtslieder, die sogenannten Villancicos, die von Kinderchören gesungen werden. Um 24 Uhr ist es endlich soweit! Wir feiern die Geburt des Jesuskindes. Dafür versammeln sich alle um die Krippe im Wohnzimmer, um das Kind aufzudecken. Das ist der schönste Moment! Alle geben dem Niño Jesús ein Küsschen, umarmen sich und wünschen einander ¡FELIZ NAVIDAD! Erst danach werden die Geschenke, die das Jesuskind gebracht hat, geöffnet. Man isst dabei die Kuchenspezialität Panettone und trinkt heiße Schokolade. Anschließend wird geknallt und geböllert, um die Freude zum Ausdruck zu bringen. Klingt nach einer gelungenen Geburtstagsparty, oder?