Institut für Kommunikationswissenschaft feiert 100. Jubiläum

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100 Jahre - 100 Köpfe: Unter diesem Titel wird die Geschichte des Instituts im Jubiläumsjahr auf Facebook erzählt. © WWU - IfK/Leonard Dahmen

Es ist das älteste Institut seiner Art in Nordrhein-Westfalen und das zweitälteste deutschlandweit: Das Institut für Kommunikationswissenschaft (IfK) der WWU feiert sein 100. Jubiläum. Vom Domplatz zog es einst zum Rosenhof, zurück zum Domplatz und schließlich zum Bispinghof. Fünfmal wurde es umbenannt. Auf die Entwicklung des Faches hatten münstersche Professoren entscheidenden Einfluss. Ein überblick von 1919 bis heute.

Gründung

Mit dem Aufbau eines Zeitungsarchivs legte der Historiker und frühere WWU-Rektor Aloys Meister 1915 den Grundstein zur Etablierung der Kommunikationswissenschaft in Münster. Vier Jahre später wurde das Lektorat für Zeitungskunde gegründet. Ziel von Aloys Meister war es, dem Nachwuchs der Journalisten einerseits eine vielseitige akademische Bildung zu vermitteln und andererseits Studierenden aller akademischen Berufe Gelegenheit zu geben, Verständnis für die Presse zu gewinnen, wie aus einem Antrag an den preußischen Wissenschaftsminister hervorgeht. Finanzielle Schwierigkeiten führten jedoch dazu, dass das Lektorat wenige Jahre später verwaiste. 1927 erfolgte die Neugründung eines Instituts für Zeitungswesen, das 1935 in Institut für Zeitungswissenschaft umbenannt wurde. Während des Kriegs wurde der Lehrund Forschungsbetrieb vorübergehend eingestellt.

Nachkriegszeit

Zwei Professoren hatten in der Nachkriegszeit maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung des Instituts. Unter der Leitung des Historikers und Journalisten Walter Hagemann gewann die münstersche Publizistik an Profil und Reputation. Mit der Erweiterung des Faches auf alle publizistischen Medien und Prozesse erfolgte 1949 die vierte Umbenennung in Institut für Publizistik. Walter Hagemanns politisches Engagement für die Wiedervereinigung und gegen die atomare Bewaffnung Deutschlands führte jedoch dazu, dass er 1959 in die DDR auswanderte. So war es an dem Soziologen und Verleger Hendricus Prakke, der Publizistik in den 1960er-Jahren entscheidende Impulse zu geben. Unter seiner Leitung erlebte das Fach eine Ausweitung weg von den Medien hin zu allgemeinen Fragen der Kommunikation. „Henk Prakke ist aus meiner Sicht der Begründer der Kommunikationswissenschaft in Deutschland“, urteilt der emeritierte münstersche Professor Joachim Westerbarkey, der einst bei dem Niederländer studierte. Dessen Ansatz einer funktionalistischen Forschungsperspektive ging als Münsteraner Schule in die Literatur ein.

ära Lerg

Die bislang längste Amtszeit eines Leiters hatte Winfried Lerg (1969-1994). Bereits Ende der 1950er-Jahre setzte er sich als Student für den Erhalt der Publizistik in Münster ein. überlegungen der Universität, die Disziplin anderen Fächern zuzuschlagen, wurden dank eines Memorandums zur Rettung des Instituts ad acta gelegt. Während seines Direktorats gelang es Winfried Lerg, das Institut personell erheblich auszubauen, sein Renommee als Lehrund Forschungseinrichtung wieder zu festigen und eine umfängliche Fachbibliothek einzurichten. Mit zwei Kollegen lieferte sich der Leiter indes einen Kleinkrieg, der in zahlreichen Dienstaufsichtsbeschwerden gipfelte. Ein Professor sah sich schließlich sogar gezwungen, eine Schreibmaschine an seine Heizung anzuketten, damit seine Sekretärin weiterhin für ihn arbeiten konnte.

Neuausrichtung

Nach der ära Lerg oblag es unter anderem Siegfried J. Schmidt, das Institut neu aufzustellen. Mit Siegfried Weischenberg und Klaus Merten hatte er das „Funkkolleg“ entwickelt, ein Fernstudium aus Lehreinheiten am Radio und begleitenden Volkshochschulkursen. Für deutschsprachige Institute war dies ein Novum, es trug maßgeblich zur Sichtbarkeit in der öffentlichkeit bei. Zugrunde lag die Idee, dass Medien Realität konstruieren: Dieser Konstruktivismus führte zu heftigen Debatten im Fach - und zugleich kam Münster in den Ruf als Theoriehochburg, denn auch an prägenden Debatten über die Systemtheorie waren münstersche Wissenschaftler beteiligt. Inhaltlich differenzierte sich das Institut weiter aus und erhielt aus diesem Grund 1998 seinen heutigen Namen. Mit der Bologna-Reform erlebte das Studium 2006 weitreichende Veränderungen. Seither kann man Kommunikationswissenschaft im Bachelor, ab 2009 auch im Master studieren. 2011 kam der Masterstudiengang Strategische Kommunikation hinzu.

Ausblick

Heute versteht sich die Kommunikationswissenschaft in Münster als theoretisch und empirisch arbeitende Sozialwissenschaft mit interdisziplinären Bezügen. Der herausragende Stellenwert, den Kommunikation und Medien in modernen Gesellschaften einnehmen, begründet die Relevanz des Fachs. „Das Institut hat in den vergangenen Jahren neue Bereiche der Forschung und Lehre erschlossen. Im Zentrum stehen weiterhin Medien, öffentlichkeit und Kommunikation. Der Blick auf diese hat sich aber erweitert und verändert“, erläutert der geschäftsführende Direktor, Volker Gehrau. „Neben die klassischen Phänomene der Massenkommunikation sind Phänomene getreten, die mit neuen digitalen und mobilen Medien verbunden sind, beispielsweise Algorithmisierung, Big Data, Virtual Reality, Social Bots, Cyber Mobbing, Fake News oder Hate Speech.“ Ziel des IfK sei es, diese Phänomene zu untersuchen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft abzuschätzen.

Anlässlich des Jubiläums ist für Samstag, 11. Mai, ab 17 Uhr ein Festakt im Schloss geplant. Zeitgleich findet vom 9. bis 11. Mai die 64. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikation in Münster statt.

Schon gewusst?

- 748 Studierende waren Ende 2018 in einem Studiengang am IfK eingeschrieben, darunter 73 Promovierende.

- IfK-Absolventin Miriam Meckel war 1999 mit 31 Jahren jüngste Professorin Deutschlands und die erste Frau an der Spitze des münsterschen Instituts.

- Mehr als 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am IfK beschäftigt - von der studentischen Hilfskraft bis zum Professor.

- Die Frauenquote in der achtköpfigen Professorenschaft des IfK liegt bei 50 Prozent und damit deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt (24 Prozent im Jahr 2017).

- Als das Institut in den 1960erund 1970er-Jahren am Domplatz beheimatet war, gab es im Foyer einen großen Tisch mit zahlreichen Zeitungen. So erwarben sich die Kommunikationswissenschaftler einen Ruf als „ewig zeitunglesendes Völkchen“.

- Bekannte TV-Persönlichkeiten, die am IfK studiert haben, sind unter anderem Oliver Welke, Judith Rakers, Oliver Kalkofe und Martin Sonneborn.