In der Wissenschaft spielt die Musik

Kommunikationswissens­chaftlerin Jo Marie Dominiak forscht über ihre Leidenschaft

Wenn Kommunikationswissenschaftlerin Jo Marie Dominiak Gitarre spielt und singt,
Wenn Kommunikationswissenschaftlerin Jo Marie Dominiak Gitarre spielt und singt, taucht sie in eine andere Welt ein. Das Musizieren ist für sie eine willkommene Ergänzung zum Arbeitsalltag. © Uni MS - Peter Leßmann
Schon vor dem ersten Schritt in ihr Büro erkennt der aufmerksame Beobachter die Leidenschaft von Jo Marie Dominiak. "Tage bis zum nächsten Taylor-Swift-Konzert: 93", steht in schwarzen Lettern auf einem selbstgebastelten Pappschild an der Tür. Die Vermutung liegt nahe, dass in diesem Büro am Bispinghof eine musikinteressierte Person sitzt. Und so ist es auch: Die Doktorandin am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Münster forscht nicht nur über Musikmedien, sie schreibt und singt auch eigene Songs und tritt auf Bühnen auf. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht", schwärmt die Wissenschaftlerin.

Dabei habe der Gedanke an eine wissenschaftliche Karriere bis zum Ende ihres Masterstudiums der Kommunikationswissenschaft in Münster keine Rolle gespielt. "Die Dozenten haben zu Beginn der Seminare oft gefragt, welcher der Studierenden sich nach dem Studium eine Promotion vorstellen könnte. Ich habe mich nie gemeldet", gesteht Jo Marie Dominiak. Als die Kommunikationswissenschaftlerin Jutta Röser ihr im Jahr 2020 eine Promotionsstelle anbot, nachdem sie ihre Masterarbeit zum Thema Nutzung analoger und digitaler Musikmedien im Alltag geschrieben hatte, nahm sie das Angebot an. "Die Musikrezeption ist in der Kommunikationswissenschaft wenig erforscht. Ich bin zuversichtlich, eine Forschungslücke schließen zu können", erklärt die 27-Jährige.

Gemeinsam mit Jutta Röser veröffentlichte die gebürtige Lünerin bereits zwei Publikationen zur Frage, welche Rolle Musikmedien im Alltag spielen. "Besonders interessant war die Erkenntnis, dass immer mehr Menschen über einen Plattenspieler Musik hören", erklärt Jo Marie Dominiak. "Die meisten Nutzer verwenden ihn, um ihren Alltag zu entschleunigen und zur Ruhe zu kommen, darunter auch viele junge Menschen." Das sei ein Hinweis darauf, dass "alte" Medien nicht gänzlich durch die neuen, digitalen Konkurrenten ersetzt würden.

Man braucht nicht lange mit der Kommunikationswissenschaftlerin zu sprechen, um ihre Leidenschaft für die Musikrezeptionsforschung zu erkennen. "In dem Forschungsfeld wird Wissenschaft greifbar und alltäglich. Die meisten Menschen verbinden Emotionen mit Musik und sprechen deshalb gerne darüber. Dadurch wirken viele Befragungen wie ein Gespräch mit Freunden", erzählt Jo Marie Dominiak. Sie forscht Überwiegend qualitativ statt quantitativ und spricht dadurch intensiv mit den Befragten über deren Nutzungsgewohnheiten von Musikmedien.

Die Musik prägt jedoch nicht nur ihre wissenschaftliche Karriere. Sie erinnert sich gut an den Tag ihrer ersten Aufführung, an dem sie 2005 - zwei Tage vor ihrem neunten Geburtstag - mit rund 200 Kindern beim Vorsingen für eine Kinderrolle beim Musical "Starlight Express" auftrat. "Ich bin damals, anders als viele meiner Mitbewerber, ohne professionelle Vorerfahrungen hingefahren", blickt sie zurück. Die Teilnahme zahlte sich aus: Die Jury vergab die Rolle an Jo Marie Dominiak und gab damit den Startschuss für ihre Laufbahn als Musikerin.

Es folgten ein Auftritt bei der 100-Jahr-Feier des Fußballclubs Borussia Dortmund im Jahr 2009 und ein selbst gedrehtes Musikvideo im leeren Stadion des Vereins ein Jahr später. Der Verein wurde auf das Video aufmerksam und lud sie 2014 für einen Gesangsauftritt zur Saisoneröffnung ins Stadion ein. Seitdem nimmt sie jedes Jahr eine Woche vor Weihnachten am Weihnachtssingen der Borussia teil und tritt vor über 70.000 Zuschauern im Signal-Iduna-Park auf. Ihre Liebe zu den "Schwarz-Gelben" kommt nicht von ungefähr: Jo Marie Dominiak wurde am 18. Mai 1996 geboren - an diesem Tag gewann der Club zum fünften Mal die Deutsche Fußballmeisterschaft.

Ebenfalls unvergessen bleibt der Auftritt in der Fernsehsendung "The Voice" 2019. Mit dem Song "Bonnie und Clyde" von den "Toten Hosen" Überzeugte sie in der ersten Runde unter anderem den deutschen Popsänger Mark Forster, der sie anschließend auf die zweite Runde vorbereitete, in der sie jedoch ausschied.

Neben der wissenschaftlichen und der musikalischen Karriere sowie dem zeitintensiven Leben als Fußballfan ("Ich möchte kein Spiel der Borussen verpassen") bleibt, außer "ab und zu Tennis" zu spielen, nicht viel Zeit für andere Hobbys. Doch das stört die junge Doktorandin nicht. Wenn sie ihre Dissertation zum Thema "Musikrezeption im Wandel" in diesem Jahr abgibt, möchte sie sowohl der Wissenschaft als auch der Musik erhalten bleiben. Wo ihr Schwerpunkt liegen wird, weiß sie jedoch noch nicht. "In fünf Jahren habe ich mich hoffentlich festgelegt, ob ich singende Kommunikationswissenschaftlerin oder kommunikationswissenschaftliche Sängerin sein möchte."

Autor: Linus Peikenkamp

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen