Göttinger Juristinnen erhalten ersten und zweiten Preis der Körber-Stiftung

Lucia Sommerer Foto: Körber-Stiftung

Lucia Sommerer Foto: Körber-Stiftung

Dr. Lucia Sommerer und Marie von Falkenhausen für exzellente Arbeiten ausgezeichnet

Die Göttinger Juristinnen Dr. Lucia Sommerer und Marie von Falkenhausen erhalten Studienpreise der Körber-Stiftung. Sommerer wurde für ihre Promotion über rechtlich bedenkliche algorithmische Kriminalprognosen mit dem ersten Preis in der Sektion Geistesund Kulturwissenschaften ausgezeichnet. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Von Falkenhausen untersuchte in ihrer Dissertation den Menschenrechtsschutz in internationalen Lieferketten und erhielt den zweiten Preis der Sektion Geistesund Kulturwissenschaften. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

In ihrer Arbeit beschäftigt sich Sommerer mit rechtlich bedenklichen algorithmischen Kriminalprognosen. Zur Vorhersage kriminellen Verhaltens nutzt die Polizei zunehmend Computersysteme, sogenannte Predictive-Policing-Systeme (PPS). Sommerer bemängelt, dass diese Systeme vor ihrer Einführung nur unzureichend juristisch-kriminologisch begleitet wurden, denn PPS beschneiden etwa das verfassungsrechtlich garantierte Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Eine weitere Gefahr bestehe darin, dass die Nutzerinnen und Nutzer sich -maschinengläubig- auf die Ergebnisse verlassen. Tatsächlich sind PPS nicht neutral, sondern schreiben bestehende Annahmen qua Programmierung weiter fort. Sommerer hat daher eine Checkliste erarbeitet, die bereits in der Designphase (Entwicklungsphase des Systems) Transparenz fördern soll.

Unter dem Titel -Menschenrechtsschutz in internationalen Lieferketten: Haften deutsche Unternehmen für die Zustände bei ihren Zulieferern?- untersucht von Falkenhausen, ob deutsche Unternehmen den Opfern von Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten auf Schadensersatz haften. Sie gibt damit Impulse für die aktuelle politische Diskussion, ob und in welcher Form eine gesetzliche Neuregelung solcher Ansprüche notwendig ist - und kommt zu überraschenden Ergebnissen: Das geltende Deliktsrecht ist dem Menschenrechtsschutz eher abträglich. Es setzt Anreize, sich so wenig wie möglich in die Zustände bei den eigenen Zulieferern einzumischen. Außerdem schützt es die Menschenrechte höchstens ausschnittsweise. Schließlich benötigt eine effektive Neuregelung der Haftung auch eine Neudefinition dessen, was Menschenrechte für Unternehmen bedeuten sollen.

Mit dem Deutschen Studienpreis zeichnet die Körber-Stiftung jährlich herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler aller Fachrichtungen für exzellente Dissertationen von besonderer gesellschaftlicher Bedeutung aus. Informationen zum Studienpreis sind im Internet unter https://www.koerber-stiftung.de/deutscher-studienpreis/preistraeger/2020 zu finden.

Georg-August-Universität

Institut für Kriminalwissenschaften

Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen

Telefon: 0551 39 21183

E-Mail: lucia.sommerer@jura.uni-goettingen.de

Marie von Falkenhausen

Telefon: 0176 55636317

E-Mail: marie.falkenhausen@gmail.com


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