Gerda-Henkel-Stiftung unterstützt Grabungsprojekt der Forschungsstelle Asia Minor

Grabungsarbeiten auf dem Dülük Baba Tepesi bei Doliche im Südosten der Türkei.

Grabungsarbeiten auf dem Dülük Baba Tepesi bei Doliche im Südosten der Türkei. © Forschungsstelle Asia Minor

Das langjährige Grabungsprojekt der Forschungsstelle Asia Minor der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) im Heiligtum des Gottes "Iuppiter Dolichenus" erhält finanzielle Unterstützung von der Gerda-Henkel-Stiftung: Rund 100.000 Euro stehen in den kommenden zwei Jahren für die Konservierung und Präsentation des Grabungsareals im Südosten der Türkei zur Verfügung. Iuppiter Dolichenus zählte im 2. und 3.Jahrhundert nach Christi zu den prominentesten Gottheiten im Römischen Reich. Mit dieser Förderung sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, den Ursprungsort des Kultes zu schützen und diesen „Heiligen Ort“ und seine komplexe Geschichte einer größeren öffentlichkeit nahezubringen.

Zentraler Bestandteil des Projekts ist die Einbindung syrischer Archäologen, Architekten und Denkmalpfleger, die in Folge des Krieges in ihrem Heimatland zurzeit in der Türkei leben. „Das Projekt dient der Integration sowie der Qualifizierung der syrischen Projektteilnehmer, um diese in die Lage zu versetzen, sich in Zukunft selbstständig und kompetent beim Wiederaufbau und der Bewahrung ihres eigenen Kulturerbes zu engagieren und damit eine wichtige Rolle beim zukünftigen Aufbau ihres Landes zu spielen“, betont Grabungsleiter Engelbert Winter von der Forschungsstelle Asia Minor. Langfristig strebt das internationale Forschungsteam um Engelbert Winter die Eröffnung eines Archäologischen Parks an diesem für die Religionsgeschichte des Vorderen Orients wichtigen Ort an.

Bereits seit 2001 untersucht die Forschungsstelle Asia Minor das Heiligtum des Iuppiter Dolichenus. Bei ihm handelt es sich um den Hauptgott der Stadt Doliche, die heute am Rande der Großstadt Gaziantep im Südosten der Türkei unweit der syrischen Grenze liegt, im Altertum jedoch Teil Syriens war. Das Heiligtum lag außerhalb des antiken Stadtgebiets von Doliche auf einem 1204 Meter hohen Berge, dessen Name Dülük Baba Tepesi lautet.

Hintergrundinformationen zur Grabung auf dem Dülük Baba Tepesi

Das Heiligtum Iuppiter Dolichenus fand trotz seiner besonderen religionsgeschichtlichen Bedeutung lange Zeit in der Forschung kaum Beachtung. Erst die Ergebnisse der mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) durchgeführten Untersuchungen der Forschungsstelle Asia Minor haben Licht auf die historische Entwicklung dieses Ortes geworfen. Es hat sich gezeigt, dass der Dülük Baba Tepesi einer der wenigen „Heiligen Orte“ im Nahen Osten ist, an dem ein kontinuierlicher Kultbetrieb vom frühen ersten Jahrtausend vor Christi bis in die römische Epoche und darüber hinaus archäologisch zu fassen ist.

Als Heimat des Iuppiter Dolichenus ist Doliche darüber hinaus für die europäische Religionsgeschichte ein Ort von großem symbolischem Wert. Damit steht die Grabung in Doliche beispielhaft für die enge Vernetzung und den kulturellen Austausch zwischen Syrien und Europa. In seiner Funktion als religiöses Zentrum erst eines paganen Kultes, dann des Christentums und schließlich des Islams ist der Dülük Baba Tepesi zudem ein zentraler Erinnerungsort für die religiöse Entwicklung und kulturelle Vielgestaltigkeit der heutigen Südosttürkei. Doliche und das Heiligtum auf dem Dülük Baba Tepesi zählen inzwischen zu den bedeutendsten archäologischen Fundorten im Naheinzugsbereich der Millionenstadt Gaziantep.