Gemeinsam groß werden – Studierende engagieren sich für Kinder in Südamerika

Der Verein Aquisito möchte Kindern in benachteiligten Regionen Boliviens die Mög

Der Verein Aquisito möchte Kindern in benachteiligten Regionen Boliviens die Möglichkeit eines sicheren Aufwachsens bieten.

Aquisito e.V. will mit Arbeit und Spendenwerbung eine Zukunft bieten.

 

Sie eint der Wunsch, Kindern in Bolivien eine glücklichere Kindheit zu ermöglichen: Dafür leisten Studierende der RWTH und anderer Hochschulen bei Aquisito e.V. Freiwilligenarbeit. Als Verein gründeten sie sich 2020, die deutsch-bolivianische Zusammenarbeit wird bereits seit mehreren Jahren praktiziert. Die Schirmherrschaft übernahm RWTH-Professor Frank Thomas Piller vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Technologieund Innovationsmanagement. Der Name Aquisito bedeutet umgangssprachlich ,,Hier" und soll sagen, dass lokal und gezielt Probleme angepackt werden.

Die 22-jährige Antonia Tröll ist Initiatorin von Aquisito, sie studiert im siebten Semester im Bachelor-Studiengang Maschinenbau. Tröll war bereits 2017 als Freiwillige in Bolivien und beschreibt die zwölf Monate als ,,die beste Zeit meines Lebens". Mit ihren Erzählungen konnte sie Freunde und Kommilitonen an der Aachener Uni und anderen Hochschulen begeistern. Schließlich gründeten sie im Mai 2020 den Verein, Tröll ist Vereinsvorsitzende. Jan-David Fischbach kümmert sich um die IT und technische Belange des Vereins. ,,Bei Aquisito habe ich gelernt, wie viel ein Einzelner erreichen kann. Und wie viel mehr eine Gruppe, die Hand in Hand zusammenarbeitet", so der 22-jährige, der im siebten Semester im Bachelor-Studiengang Elektrotechnik eingeschrieben ist.

Eltern haben kaum Zeit für ihre Kinder

Derzeit leben etwa 11 Millionen Menschen in Bolivien, das zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas gehört. Die Mehrheit der Menschen ist von ihrer indigenen Herkunft geprägt und das Land bewahrt bis heute seine kulturelle Vielfalt. In jeder Region gilt neben Spanisch noch mindestens eine der 36 lokalen indigenen Sprachen als Amtssprache.

In Ushpa Ushpa im Zentrum Boliviens wohnen die Menschen auf 2.560 Meter Höhe in kleinen Backsteinhäusern, ihre Trinkwasserversorgung muss häufig über Tankwagen erfolgen. Die Familien haben in dieser Region - rund zehn Kilometer südlich der Großstadt Cochabamba mit 650.000 Einwohnern - nur ein geringes Einkommen. Viele Frauen arbeiten vom Morgengrauen bis spät in die Nacht auf den Märkten und Straßen, die Männer versuchen als Tagelöhner Geld zu verdienen. Die Erwachsenen finden daher kaum Zeit für ihre Kinder. Diese erfahren wenig Zuneigung, erhalten kaum Unterstützung bei den Hausaufgaben und müssen oft auf jüngere Geschwister aufpassen. Auch für eine gesunde und ausgewogene Ernährung fehlt das Geld. Die meisten Kinder in Bolivien gelten aber als hoch motiviert, sie sind sich der Bedeutung von Bildung bewusst, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern.

Jugendzentrum CADSE bietet sicheren Raum

Seit 2017 unterstützt in Ushpa Ushpa die einheimische Pädagogin Mery Torrico gemeinsam mit Sozialarbeitern, Studierenden und Freiwilligen die Kinder und Jugendlichen im Projekt CADSE. Der Name ist die spanische Abkürzung für das ,,Zentrum zur Unterstützung der sozialen und pädagogischen Entwicklung". Bei Sport-, Kunstoder Englischunterricht lernen die Kinder Werte wie Zusammenhalt, Selbstbewusstsein und Toleranz kennen, für die in der Schule keine Zeit bleibt. Aus eigener Erfahrung kennt Torrico die Sorgen und Bedürfnisse der Aufwachsenden. ,,CADSE arbeitet konfessionell und politisch unabhängig. Gemeinsam erarbeiten wir Konzepte zur Finanzierung und Realisierung von Projekten. Unsere Spendengelder ermöglichen Bildung, Ernährung, Lernen und Freizeit", so Tröll.

In Bolivien gibt es zwar eine achtjährige Schulpflicht, an den staatlichen Schulen sind die Klassen jedoch sehr groß und es gibt wenig Zeit für eine individuelle Förderung. Im Projekt unterstützen die Aktiven daher jedes Kind bei seinen Hausaufgaben und arbeiten mit ihm an Schwachstellen. Auch werden Eltern und Schule auf Probleme angesprochen. Mit künstlerische Aktivitäten lernen die Kinder eigenständiges Arbeiten und die Entwicklung eigener Ideen. Auf die Vermittlung von Nachhaltigkeit wird Wert gelegt, so werden Plastiktüten und Deckel für Bastelarbeiten genutzt. Beim Sport wird der Teamgeist gefördert und gleichzeitig Rücksichtnahme vermittelt. Die Fremdsprache Englisch, Computerkenntnisse und Wissen rund um eine gesunde Ernährung gehören ebenfalls zum Konzept. Jugendliche finden bei CADSE eine Ansprechperson zu den Themen Sexualität, familiäre Probleme oder Gewalt in Beziehungen.

Freiwillige, Spenden und Förderer sind willkommen!

,,Ich freue mich, Schirmherr eines Vereins zu sein, der Probleme bei der Wurzel packt und zusätzlich den interkulturellen Austausch fördert", so Professor Piller. ,,Seit zwei Jahren begleite ich als Vertrauensdozent der Studienstiftung des deutschen Volkes Antonia Tröll und Jan-David Fischbach. Als sie mir von ihrer Idee erzählten, war ich begeistert und unterstütze daher gerne das studentische Engagement".

Die Studierenden von Aquisito helfen bei Aufenthalten von Freiwilligen in Bolivien. Gemeinsam mit Mery Torrico organisieren sie Unterkünfte, beraten bei Fragen rund um ein Visum und bereiten auf eine spannende Zeit vor. Interessierte sollten für den Aufenthalt mindestens drei Monate Zeit haben!

Bis Anfang Januar verkauft Aquisito in Kooperation mit der Fundraisingorganisation ,,Fundmate.com" nachhaltige Socken, pro Set werden jeweils vier Euro nach Bolivien gespendet. Studierende, die sich im Verein engagieren möchten, sind willkommen. Ebenso hilfreich sind Unterstützungen als Fördermitglied oder Spenden.

Konto

Aquisito e.V.
IBAN: DE72 4306 0967 1003 9179 00, BIC: GENODEM1GLS

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