Frühe Selbstständigkeit, Planbarkeit und Transparenz

Mit Tenure-Track führt der Karriereweg nach oben. Foto: Peter Cott / Universität

Mit Tenure-Track führt der Karriereweg nach oben. Foto: Peter Cott / Universität Jena

Universität Jena legt erste Bestandsaufnahme zur Tenure-Track-Professur in Buchform vor

Ein Modell für die wissenschaftliche Laufbahn erfährt in den vergangenen Jahren besondere Aufmerksamkeit: die Tenure-Track-Professur. Universitäten und Hochschulen berufen vielversprechende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler nach der Promotion auf eine sechs Jahre befristete Juniorprofessur und vereinbaren mit ihnen gleichzeitig klar definierte Leistungskriterien. Werden diese erfüllt, erhalten sie am Ende des Zeitraums eine unbefristete Professur - ein Verfahren, das international bereits seit längerem bekannt und etabliert ist, sich an deutschen Universitäten aber noch bewähren muss.

Nun ist eine erste Bestandsaufnahme zum Thema in Buchform erschienen: Der Band ,,Die Tenure-Track-Professur - Impulsgeberin für das deutsche Wissenschaftssystem" zieht eine Zwischenbilanz zum aktuellen Stand der Tenure-Track-Professur in Deutschland und bietet eine wichtige Diskussionsgrundlage für die weitere Ausgestaltung dieses Karriereweges. Das Buch fasst eine Tagung aus dem Herbst 2020 zusammen, während der die Universitäten Jena, Freiburg, Mainz, Frankfurt/Main und Hannover gemeinsam mit dem Universitätsverbund German U15 zu einem Erfahrungsaustausch über diesen neuen Karriereweg eingeladen hatten.

Universität Jena koordiniert Austausch

,,Die Tenure-Track-Professur bietet eine sehr gute Basis für frühe Selbstständigkeit, Transparenz und Planbarkeit auf dem wissenschaftlichen Karriereweg. Somit verbessert sie die Situation junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und steigert die internationale Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Deutschland", sagt Uwe Cantner, der Vizepräsident für wissenschaftlichen Nachwuchs und Gleichstellung der Universität Jena. ,,Um die Tenure-Track-Professur als Karriereweg dauerhaft zu etablieren und weiterzuentwickeln, ist eine breite Diskussion zwischen Universitäten, Forschungseinrichtungen, politischen Entscheidungsträgerinnen und -trägern sowie den Forschenden, die diesen Weg beschreiten, unerlässlich. Die Tagung und der neue Band markieren deshalb den Auftakt eines stetigen Austauschs." Die Universität Jena konnte sich in den vergangenen Jahren vor allem durch ihre Graduierten-Akademie als Innovator im Bereich Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses profilieren. Daher will sie diesen Prozess federführend mitgestalten und den zukünftigen Austausch gemeinsam mit der Universität Freiburg koordinieren.

Großer bundesweiter Abstimmungsund Diskussionsbedarf

Wie die Tenure-Track-Professur in Zukunft ausgestaltet werden soll, ist aktuell ein viel diskutiertes hochschulpolitisches Thema in Deutschland. Durch die Tenure-Track-Professur soll die Entscheidung für oder gegen eine wissenschaftliche Karriere bereits wenige Jahre nach der Promotion getroffen werden. ,,Die Herausforderung für die Universitäten besteht darin, schon zu diesem frühen Zeitpunkt das wissenschaftliche Potenzial der Bewerberinnen und Bewerber abzuschätzen", erklärt André Stiegler, der an der Jenaer Graduierten-Akademie für die bundesweite Vernetzung zum Thema Tenure-Track verantwortlich ist. ,,Auch beim Übergang zur unbefristeten Professur sammeln die Universitäten aktuell noch Erfahrungen mit den Evaluationsverfahren." Insgesamt gebe es noch großen bundesweiten Abstimmungsund Diskussionsbedarf unter den Hochschulen. ,,Dies spiegelt sich auch in den Inhalten des neuen Tagungsbandes wider", betont Stiegler.

Großen Informationsbedarf zu diesem Thema gibt es auch auf Seiten der Promovierenden und Postdocs. Die Graduierten-Akademie bot daher in einer Veranstaltungsreihe einen Überblick über die Tenure-Track-Professur als Karriereweg in Deutschland. Über 200 Forschende aus Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich nahmen bisher an den Veranstaltungen teil. Die Reihe wird gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft Juniorprofessur organisiert. Der finale Abend am 25. Oktober bietet Erfahrungsberichte und persönliche Einblicke von bereits berufenen bzw. ehemaligen Tenure-Track-Professorinnen und -Professoren aus den MINT-Fächerkulturen.


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