Freie Universität Berlin verleiht Ehrendoktorwürde für Egbert Willem Meijer

Niederländischer Chemiker als weltweit führender Wissenschaftler auf dem Gebiet der supramolekularen Polymerwissenschaften gewürdigt

Der renommierte niederländische Chemiker Egbert Willem Meijer erhält die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin. Mit der Verleihung würdigt der Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie die hohe wissenschaftliche Qualifikation des Wissenschaftlers. Egbert Willem Meijer sei einer der weltweit führenden Wissenschaftler auf dem Gebiet der supramolekularen Polymerwissenschaften, heißt es in der Begründung weiter. Bedeutend seien Bert Meijers Arbeiten in der Polymerchemie zu supramolekularen Polymeren und zur sogenannten dendritischen Box. Die dendritische Box gilt als erstes Beispiel eines unimolekularen Nanotransporters, der seine Ladung getriggert durch externe Stimuli freisetzen kann. Verliehen wird die Auszeichnung im Rahmen des Internationalen Symposiums für Multivalenz in Chemie und Biologie am 30. September 2019 um 17.00 Uhr an der Freien Universität Berlin.

Derzeitiger Forschungsschwerpunkt von Egbert Willem Meijer, auch Bert Meijer genannt, sind supramolekulare Polymere. Hierbei entdecke er ein selbstkomplementäres Wasserbrückenmotiv, das zur reversiblen Polymerisation eingesetzt werden kann. Dabei werden Kunststoffe und Elastomere über schwache Wechselwirkungen verknüpft und sind dadurch abbaubar bzw. in ihre Monomerbausteine zerlegt werden können. Daraus entwickelte Meijer auch funktionale supramolekularen Polymernetzwerke, die in der Medizintechnik als abbaubare Biomaterialien Anwendung finden. Ferner entwickelte er ein neuartiges Benzoltricarboxiamid-Motiv, das in wässrigen Lösungen funktionale supramolekulare Ketten bildet. Welche Aggregationsprozesse dabei ablaufen, konnte auf Einzelmolekülebene mithilfe von Superresolution-Mikroskopie und gemeinsam mit dem Berliner Forschungszentrum für Elektronenmikroskopie an der Freien Universität durch die neue kryo-Transmissionselektronenmikroskopie geklärt werden.

Nach seiner Promotion im Jahr 1982 an der Universität Groningen bei dem niederländischen Chemiker Prof. Hans Wynberg arbeitete Bert Meijer zunächst in den Forschungszentren von Philips und DSM. Im Jahr 1991 wurde er an die Technische Universität Eindhoven (Niederlande) auf den Lehrstuhl für Makromolekulare und Organische Chemie berufen. Im Jahr 2008 gründete Meijer das Zentrum für Complex Molecular Systems, das er dessen Gründung bis zum Jahr 2018 leitete.

Im Jahr 2014 wurde Meijer zum Akademieprofessor der Königlichen Niederländischen Akademie der Wissenschaften ernannt, zudem ist er Mitglied der American Academy of Arts and Science. Im Jahr 2014 erhielt er die Prelog-Medaille der ETH Zürich und wurde 2006 mit dem ACS Award in Polymer Chemistry ausgezeichnet. Meijer ist zudem Träger der japanischen Auszeichnung Nagoya Gold Medal of Organic Chemistry.

Neben seiner Tätigkeit an der Technischen Universität Eindhoven ist Bert Meijer in zahlreichen Kooperationsprojekten mit deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beteiligt. Er ist Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften sowie der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und der Deutschen Akademie der Künste. Im Jahr 2017 wurde ihm auf Vorschlag der Freien Universität der Humboldt-Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung verliehen. Seit 2018 ist Meijer außerordentliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und im wissenschaftlichen Beratergremium des Forschungsbau SupraFAB, der sich an der Freien Universität mit supramolekularen Architekturen an biologischen Grenzflächen befasst. Seine Arbeiten sind in rund 700 Publikationen dokumentiert und sind etwa 75000-mal zitiert worden.


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