Forschungsdaten effektiv und nachhaltig vorhalten

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) hat für den Aufbau einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) die Förderung von neun Konsortien bewilligt, darunter drei mit RWTH-Beteiligung und mit dem NFDI4Ing-Konsortium unter RWTH-Leitung den einzigen Verbund in den Ingenieurwissenschaften

 

In der Wissenschaft werden Forschungsdaten oft nur projektgebunden und temporär gelagert. Ein professionelles digitales Forschungsdatenmanagement gewinnt in der Wissenschaft jedoch immer mehr an Bedeutung. Im Rahmen einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) für das gesamte deutsche Wissenschaftssystem sollen daher künftig Standards im Datenmanagement gesetzt und ein digitaler, regional verteilter und vernetzter Wissensspeicher Forschungsdaten nachhaltig sichern und nutzbar machen. Die NFDI wird von Nutzern von Forschungsdaten und von Infrastruktureinrichtungen ausgestaltet, die dazu in Konsortien zusammenarbeiten.

Die NFDI wird als Netzwerk von Konsortien über einen Zeitraum von drei Jahren in drei Förderrunden aufgebaut. In jeder Runde können neue Konsortien aufgenommen werden. Ziel ist die Errichtung einer Gesamtstruktur von untereinander verknüpften Konsortien als nationaler Forschungsdatenservice. Von 22 Anträgen der ersten Auswahlrunde wurden nun neun Konsortien zur Förderung bewilligt. An den Konsortien „NFDI4Ing", „NFDI4Cat" und „NFDI4Chem" ist die RWTH Aachen beteiligt, bei „NFDI4Ing" sogar als Konsortialführerin. Die Konsortien der ersten Förderrunde erhalten die Chance, den Aufbau der NFDI von Beginn an zu prägen. Für Aufbau und Förderung der NFDI werden Bund und Länder vorbehaltlich der Mittelbereitstellung durch ihre gesetzgebenden Körperschaften von 2019 bis 2028 jährlich bis zu 90 Millionen Euro im Endausbau bereitstellen, hiervon bringt der Bund 90 Prozent auf, 10 Prozent der Kosten tragen die Länder.

Forschungsdaten in den Ingenieurwissenschaften

Auch die Ingenieurwissenschaften sind gefordert, Forschungsdaten von hoher Qualität und Nachhaltigkeit vorzuhalten, um zu überzeugenden Lösungen gesellschaftlicher Zukunftsfragen und drängender ökologischer und ökonomischer Herausforderungen beizutragen. Das von der RWTH koordinierte Konsortium „NFDI4Ing" hat sich zum Ziel gesetzt, ein Forschungsdatenmanagement zu etablieren, das zugleich die Transparenz und Nachvollziehbarkeit ingenieurwissenschaftlicher Forschungsergebnisse stärkt. Es ist der einzige geförderte Verbund im Bereich der Ingenieurwissenschaften und wurde 2017 von der RWTH und der Technischen Universität Darmstadt initiiert. Das Konsortium wurde seitdem durch die Aufnahme weiterer Partner ausgebaut. Die (mit-)antragstellenden Einrichtungen sind:

„NFDI4Ing stellt eine große Chance für die Ingenieurwissenschaften dar, die für die Weiterentwicklung der Disziplinen notwendigen Infrastrukturen zu schaffen und Vernetzungsprozesse zu forcieren," sagten NFDI4Ing-Sprecher Professor Robert Schmitt vom Lehrstuhl für Fertigungsmesstechnik und Qualitätsmanagement und WZL der RWTH Aachen und Peter Pelz von der TU Darmstadt, stellvertretender Sprecher. Dazu werden drei Aspekte fokussiert: die Verbesserung der Ausbildung in der Datenkompetenz, die Entwicklung eines Governance-Konzepts für den Umgang mit Forschungsdaten und die Sicherstellung einer breiten Verfügbarkeit von Technologien und Services für maschinenlesbare Daten. „NFDI4Ing verbindet in einem tollen, offenen Team wirkungsvoll acht Universitäten und drei außeruniversitäre Einrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Wir freuen uns sehr über den Erfolg in diesem hoch kompetitiven Auswahlverfahren und das in uns gesetzte Vertrauen," so die Sprecher weiter.

Datenmanagement in der Chemie

Im NFDI4Chem-Konsortium sind unterschiedliche Datenproduzenten und -nutzer aus den Bereichen Forschung und Infrastruktur sowie eine Reihe themenbezogener Fachgesellschaften vertreten. Das Fachkonsortium Chemie „NFDI4Chem" soll alle wissenschaftlichen Disziplinen der Chemie repräsentieren. Die Idee ist die Digitalisierung aller wichtigen Schritte in der chemischen Forschung, um Forschende bei der Sammlung, Speicherung, Verarbeitung, Analyse, Offenlegung und Wiederverwendung ihrer Daten zu unterstützen. Ziel ist dabei die Erstellung eines ganzheitlichen Konzeptes. Als Maßnahmen fungieren die Förderung von Open Science und Forschungsdatenmanagement in Übereinstimmung mit den FAIR-Prinzipien (Findable, Accessible, Interoperable und Re-usable). Im Herbst 2019 wurde das Konsortium formell gebildet und wird von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie (DBG) und der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG) unterstützt. Konsortialführerin ist die Friedrich-Schiller-Universität Jena, RWTH-Professorin Sonja Herres-Pawlis vom Institut für Anorganische Chemie ist Co-Sprecherin.

Wissenschaften mit Bezug zur Katalyse

Das Konsortium „NFDI4Cat" setzt sich aus Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen der Katalyseforschung, der Reaktionsund Verfahrenstechnik sowie der Informationstechnologie zusammen. Die Katalyse ist eine der Kerntechnologien, um die globalen Herausforderungen des Klimawandels sowie der nachhaltigen Energieund Materialienversorgung zu lösen. Dazu ist ein grundlegender Wandel in der Katalyseforschung, der chemischen Verfahrenstechnik und der Prozesstechnologie erforderlich. Eine Herausforderung ist dabei die Zusammenführung der verschiedenen Disziplinen. In diesem Zusammenhang bedarf es neben einem gemeinsamen Verständnis der Katalysewissenschaften und der entsprechenden Entwicklung universeller Leitprinzipien auch der Vereinheitlichung von Arbeitsabläufen. Zudem ist es notwendig, die Ergebnisse allen Forschenden gleichermaßen zugänglich zu machen. Dazu ist eine zunehmende Digitalisierung durch die Schaffung hochleistungsfähiger Informationsarchitekturen erforderlich. Diese ermöglichen die Speicherung, den Austausch und die Analyse von Daten unter Verwendung der modernsten Werkzeuge der künstlichen Intelligenz. Softwarepakete und -tools erlauben die Erweiterung der Theorie um Bereiche wie Simulation und experimentelle Studien in Design, Charakterisierung und Kinetik von Katalysatoren und den damit verbundenen technischen Aspekten. Konsortialführerin ist die DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V., die RWTH fungiert als co-antragstellende Einrichtung.


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