Fields-Medaillist Peter Scholze zurück in Bonn

Peter Scholze 
                     Peter Scholze. Foto: Barbara Frommann/Uni Bo

Peter Scholze Peter Scholze. Foto: Barbara Frommann/Uni Bonn


Peter Scholze, frisch gebackene Träger der Fields-Medaille, ist zurück in Bonn. Nachdem der Mathematiker vergangene Woche in Rio de Janeiro im Rahmen der Jahrestagung der Internationalen Mathematiker Union ICM die hohe Auszeichnung erhalten hatte, kehrte er nun zurück an seiner Schaffensstätte, das Hausdorff-Zentrum für Mathematik der Universität Bonn, das in der ehemaligen Landwirtschaftskammer seinen Sitz hat.

Im Rahmen der Begrüßung des Fields-Medaillisten fand auch eine Pressekonferenz statt, um dem enorme Medieninteresse an dem herausragenden jungen Wissenschaftler zu begegnen oder der zahlreiche Vertreter von Printmedien, Agenturen, Radio und Fernsehen teilnahmen. Peter Schulze bemühte sich redlich, allen Interviewwünschen und Fragen gerecht zu werden, ergab Einzelinterviews oder sogar in einer Leichtübertragung im ZDF-Mittagsmagazin zu sehen.

„Es ist eine unglaubliche Ehre und Anerkennung für meine Arbeit, aber auch für die Strukturen und die Förderung, die dahinterstehen“, sagte Scholze in der Pressekonferenz. Er sei sehr glücklich, auch wenn man auch spüren konnte, dass das riesige Interesse an seiner Person ihm gewöhnungsbedürftig war. „ich freue mich über das Interesse, das der Mathematik entgegengebracht wird und hoffe, dass es auch junge Leute inspiriert. Persönlich brauche ich den Medienrummel nicht.“

Zeit für Forschung und Talente


Für die Universität begrüßte Rektor Dr. h.c. Michael Hoch den Preisträger und brachte die große Freude zum Ausdruck, die seine Auszeichnungen für die Universität Bonn bedeutet. Die frühe Förderung von Talenten sei der Universität Bonn ein besonderes Anliegen, sagte Rektor Hoch. Die Universität bemühe sich, ihren herausragenden Wissenschaftlern zeitliche Freiräume für Forschung und Lehre zu schaffen und attraktiv für Nachwuchskräfte zu sein. Zusammen ist das eine Mischung, die bei den besten Köpfen offenbar gut ankommt. Im Falle von Peter Schulze sei es der Universität auch deshalb gelungen, ihn trotz lukrativer Angebote der internationalen Konkurrenz aus Übersee in Bonn zu halten, weil hier das Umfeld stimmt und die beteiligten Institutionen eng zusammenarbeiten. Dies gelte insbesondere auch für das Max-Planck-Institut für Mathematik, mit dem die Zusammenarbeit hervorragend sei. Erst kürzlich hatte die Max-Planck-Gesellschaft Peter Schulze neben seiner Professur an der Universität Bonn zum Direktor an das Bonner Institut berufen.

„Die Universität Bonn hat sie seit Generationen für die Förderung der Mathematik eingesetzt“, betonte der Rektor. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch die Gründung des Exzellenzclusters Hausdorff-Zentrum für Mathematik 2006 gewesen. Mit seinen Nachwuchsprogrammen habe es sehr zur internationalen Sichtbarkeit Bonns in der Mathematik beigetragen. Scholze konnte direkt nach seiner Promotion 24-jährig als jüngster Professor in Deutschland auf einen „Hausdorff Chair“ des Exzellenzclusters berufen werden.

Peter Scholze sei auch ein besonderer Glücksfall für das Max-Planck-Institut für Mathematik, sagte dessen Geschäftsführender Direktor, Professor Dr. Peter Teichner: „Wir bringen in der Bonner Innenstadt etwa 100 Mathematiker aus der ganzen Welt zusammen, ein Schmelztiegel der Mathematik. Die Rolle der Direktoren ist es, Leute anzuziehen.“ Es gebe viele junge Mathematiker, die darauf brennen, von Peter Schulze zu lernen, und dieses Institut nun nach Bonn ziehen will.

(v.l.) Peter Teichner, Martin Rumpf und Peter Scholze. Alle Fotos: Barbara Frommann/Uni Bonn

Für die Fachgruppe Mathematik und das Hausdorff-Center beglückwünschte Martin Rumpf den Fields-Medaillengewinner: „Die Verleihung der Fields-Medaille war ein großer Tag für uns, für die Politik und für die Universität. Eine der Hauptaufgaben des Hausdorff-Centers ist es, herausragende Köpfe auf allen Entwicklungsstufen zu fördern.“ Dies gelinge mit maßgeschneiderten Rekrutierungskonzepten, langfristigen Forschungsprogrammen und einem internationalen Flair, das kooperatives arbeiten befördere. An den Preisträger gewandt sagte er: „Wir hoffen, dass Du noch sehr lange in Bonn möglichst optimale Arbeitsbedingungen finden wirst.“

Ein vibrierendes mathematisches Umfeld


Sorgen, es könne ihn jetzt in die Welt hinaus ziehen, konnte Scholze zerstreuen: „Ich bin wirklich sehr glücklich in Bonn. Ich fühle mich kulturell in Deutschland verankert, und die Topuniversitäten in den USA reizen mich gar nicht so sehr.“ Zum Arbeiten benötige er ohnehin nicht viel - Stift, Papier und einen Computer, um die Ideen aufzuschreiben. Viel wichtiger sei ein vibrierendes mathematisches Umfeld, und das sei in Bonn gegeben.

Fünf Tage in Rio de Janeiro: uni-bonn.tv hat Peter Scholze zur Preisverleihung begleitet.