EU-Projekt sucht nach innovativen Lösungen für das Krisenmanagement

Adam Widera © privat

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Waldbrände, überschwemmungen oder auch Amokfahrten wie vergangenes Jahr in Münster: Katastrophen können überall auftreten und leicht die eigenen Ressourcen überfordern. Bieten Nachbarländer ihre Hilfe an, ist eine reibungslose Zusammenarbeit wichtig. Häufig verwendet die vielsprachige Helfertruppe aber unterschiedliche Fachausdrücke, folgt verschiedenen Protokollen oder arbeitet mit nicht kompatiblem Equipment. Das EU-Projekt DRIVER+ („DRiving InnoVation in crisis management for European Resilience“) sucht deshalb in realitätsnahen und systematischen Tests innovative Lösungen für das europäische Krisenmanagement, von neuen Abläufen bis zu neuen Technologien. Zu den mehr als 40 internationalen Partnern gehört auch das European Research Center for Information Systems (ERCIS) der WWU mit dem Kompetenzzentrum Krisenmanagement. Susanne Wedlich sprach mit dem Managing Director Adam Widera über das Projekt.

Vergangenen Monat fand der offizielle Launch der Internet-Plattform „Crisis Management Innovation Network Europe“ (CMINE) statt. Was hat es damit auf sich?

Die EU will die Ergebnisse von DRIVER+ auch nach Ende der Laufzeit im April 2020 bewahren und ausbauen. Eine Online-Plattform ist ein ideales Forum für die beteiligten Akteure aus Praxis, Industrie und Politik. Jeder kann von seinen Erfahrungen berichten, Probleme und Lösungsansätze besprechen. Alle bleiben in Kontakt und können sich ergänzen.

Zu DRIVER+ gehören aufwändige Testläufe konkreter Katastrophen-Szenarien. Wird es das weiterhin geben?

Neben der Online-Plattform CMINE ist eine paneuropäische Testumgebung gewissermaßen das Herz des Projekts. Dafür werden spezialisierte Zentren virtuell zu einer Anlaufstelle für interessierte Einsatzkräfte vernetzt, die hier individuelle Tests entwickeln und durchführen können.

Wie können Einsatzkräfte den überblick über die riesigen Datenmengen behalten, die im Projekt und auch künftig anfallen?

Wir müssen alle Innovationen standardisiert erfassen und auch unsere Testergebnisse dokumentieren, um das europäische Krisenmanagement nachhaltig voranzubringen. Auf diese Weise soll ein Portfolio innovativer Lösungen entstehen - auch das ist ein zentrales Anliegen von DRIVER+.

Welche Rolle spielt das WWU-Team im Projekt?

Wir sind die einzige Universität im Konsortium und haben entscheidend zur Methodologie von DRIVER+ beigetragen, anhand derer die Tests entwickelt, durchgeführt und ausgewertet werden. Unser eigentlicher Fokus sind aber die Informationssysteme in der Katastrophenlogistik. Wir entwickeln und gestalten sie, werten aber auch ihren Beitrag in konkreten Krisenfällen wie etwa bei der Elbe-Flut im Jahr 2013 aus. Anhand dieser Ergebnisse konnten wir zeigen, wo Potenzial für Verbesserung ist, haben die Daten aber auch in unsere eigene Forschung einfließen lassen - ein Gewinn für alle Beteiligten.

Wie geht es weiter?

Aktuell bereiten wir uns mit unseren Partnern auf einen großen Test im Mai in Den Haag vor, bei dem ein Hochwasser simuliert werden wird. Wir liefern innovative Lösungen für die Logistik, die Ersthelfern bei einer Evakuierung in großem Maßstab helfen soll. Insgesamt wollen wir alle Aspekte wie die Planung der Transporte, die Versorgung der betroffenen Bürger oder die Einteilung der Einsatzkräfte in Schichten verbessern. So herausfordernd das ist, können wir es kaum erwarten, endlich loszulegen.

Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen