EU-Millionenförderung: Kölner Sozialpsychologe erhält ERC Starting Grant

Mit dem ERC Starting Grant geht eine der begehrtesten europäischen Forschungsförderungen an Dr. Hans Alves / Projekt erforscht die Herausforderungen gesellschaftlicher Vielfalt

Der Sozialpsychologe Dr. Hans Alves vom Social Cognition Center Cologne (SOCCO) der Universität zu Köln ist vom Europäischen Forschungsrat (ERC) mit einem Starting Grant ausgezeichnet worden. Alves erhält eine Förderung von insgesamt knapp 1,4 Millionen Euro über den Zeitraum von fünf Jahren, um in dem Projekt ,,The Cognitive-Ecological Challenge of Diversity" die Herausforderungen von gesellschaftlicher Vielfalt und die psychologischen Prozesse der Entstehung negativer Einstellungen und Stereotypen gegenüber Minderheiten zu erforschen.

Mit der fortschreitenden Globalisierung werden Gesellschaften zunehmend vielfältiger hinsichtlich des ethnischen und religiösen Hintergrunds der Menschen, ihrer Gewohnheiten, Ideale und Überzeugungen. Während diese zunehmende Vielfalt große Chancen für Europa und die Welt bietet, bringt sie auch einige Herausforderungen mit sich. Die menschliche Tendenz, Randgruppen und Minderheitengruppen abzuwerten, ist eine besondere Bedrohung für Frieden und Zusammenhalt in sich diversifizierenden Gesellschaften. Die meisten psychologischen Erklärungen für die Entstehung negativer Einstellungen und Stereotypen gegenüber anderen beruhen auf der Annahme von eigennützigen Motiven oder Persönlichkeiten der Menschen. Alves verfolgt in seinem Projekt einen anderen Ansatz, um das Verständnis einiger der größten Herausforderungen einer Gesellschaft zu verstehen. Auf der Grundlage der Forschung, die Alves in den letzten Jahren durchgeführt hat, schlägt er einen neuen theoretischen Rahmen vor, der neuartige Erklärungen für die Bildung negativer Einstellungen und Stereotypen über Randgruppen und Minderheiten liefert. Demnach entstehen diese Phänomene als natürliche Nebenprodukte ,,unschuldiger" kognitiver Prozesse und der Struktur der so genannten externen Informationsökologie. Dieses kognitiv-ökologische Gerüst argumentiert, dass wir die Mitglieder anderer Gruppen vor allem mit solchen Eigenschaften assoziieren, die sie von unseren eigenen Gruppen unterscheiden. In der externen Informationsökologie sind solche Unterschiedlichkeiten jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit negativ, so dass Minderheiten und Randgruppen einen generellen Bewertungsnachteil haben. Dies bedeutet auch, dass Ressentiments gegenüber Minderheiten und Fremdgruppen universelle Phänomene sind, die auch abseits egoistischer Absichten der Menschen entstehen können. Dieses Verständins bildet einen fundamentalen erster Schritt auch für die Überwindung solcher Ressentiments.

Neben der Erklärung, wie bestimmte gruppenbezogene Zuschreibungen entstehen, kann dieser Rahmen zum ersten Mal eine Erklärung liefern, warum die meisten bestehenden Stereotypen negativ sind. Im Bereich der Nachrichtenberichterstattung lässt sich zudem erklären, warum Nachrichtenempfänger das Vorherrschen negativer Attribute und Verhaltensweisen unter Angehörigen von Minderheitengruppen wie zum Beispiel Geflüchteten überschätzen und warum die Versuche von Politikern und Journalisten, dem entgegenzuwirken, oft das Gegenteil bewirken. ,,Der ERC Starting Grant ermöglicht es mir, meinen Theorierahmen empirisch zu testen, und wenn dies erfolgreich ist, unser Verständnis für einige der drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit grundlegend zu erneuern," so Alves.


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