Ein gemeinsames Dach für "Gehirn und Körper"

So soll das ,,Body & Brain Institute Münster’ aussehen - diese Ansicht

So soll das ,,Body & Brain Institute Münster’ aussehen - diese Ansicht entstand vom Rishon-Le-Zion-Ring aus. © Nickl und Partner Architekten

Der Name ist Programm: Die Experten im geplanten „Body & Brain Institute Münster“ (BBIM) wollen Erkrankungen und deren Entstehung aus dem Blickwinkel des Zusammenspiels zwischen Gehirn und Körper erforschen. Folgerichtig sollen die Vertreter verschiedener Fachdisziplinen eng zusammenarbeiten. Das gemeinsame Großprojekt der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und des Universitätsklinikums Münster (UKM), für das ein Finanzvolumen von rund 70 Millionen Euro angesetzt ist, hat jetzt eine hohe Hürde übersprungen: Der Wissenschaftsrat hat sich für den Bau des BBIM ausgesprochen und damit den Weg für eine gemeinsame Förderung von Bund und Ländern freigemacht. Die abschließende Entscheidung über die Förderung fällt - auf der Grundlage der Wissenschaftsrat-Empfehlung - in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern gefällt, die vermutlich im Juli tagen wird.

"Wir freuen uns sehr über die positive Bewertung des wissenschaftlichen Konzeptes für das BBIM“, betont WWU-Rektor Prof. Johannes Wessels. Nach dem Bau des „Center for Soft Nanoscience“ (SoN) und mit Blick auf das Bau befindliche "Multiscale Imaging Centre" (MIC) biete das BBIM „eine weitere große Chance, die Forschungsschwerpunkte der WWU, in diesem Fall der biomedizinische Bereich, auszubauen und sie bundesweit und international noch sichtbarer zu machen".

Ziel des „Body & Brain Institute Münster“ ist es, das Wechselspiel zwischen Körper und Gehirn besser zu verstehen und daraus konkrete Behandlungsund Versorgungsstrategien für bestimmte neurologische und psychiatrische Erkrankungen zu entwickeln und zu verbessern. „Diese Krankheitsbilder haben wir danach ausgewählt, ob sie sich als eine Art ‚Modellerkrankungen‘ besonders gut eignen, um typische Ursachen und Prozesse vertiefend zu erforschen“, sagt Heinz Wiendl, der als Direktor der UKM-Klinik für Neurologie zu den Initiatoren des BBIM gehört. Beispiele seien die Multiple Sklerose, Autoimmunenzephalitiden (vom eigenen Immunsystem verursachte Entzündungen des zentralen Nervensystems) sowie Angststörungen. „Der Fokus liegt auf der Rolle und der Modifikation von Entzündungsund Stoffwechselprozessen bei der Funktion oder Dysfunktion des zentralen Nervensystems“, erläutert Heinz Wiendl.

Rund 200 Wissenschaftler sollen künftig im BBIM forschen. „Dabei setzen wir auf kurze, schnelle Wege vom Krankenbett zum Labor und zurück. Fragestellungen, die beim Patienten auftauchen, sollen unmittelbar in die Forschung einfließen und erarbeitete Lösungen dem Patienten ohne Umwege zugutekommen“, unterstreicht Heinz Wiendl. Für dieses Konzept sei die am Standort des BBIM mögliche Einbeziehung von Patientengruppen sowie vorhandener Biomaterialien und Biosignaturen von großem Vorteil.

Dieser Ansatz spiegelte sich bereits in der Antragstellung wider. Für den Anfang 2019 eingereichten Förderantrag schlossen sich zehn Professorinnen und Professoren aus der Medizinischen Fakultät der WWU zusammen, die aus unterschiedlichen Fachdisziplinen kommen - aus der Neurologie, der Psychiatrie, Physiologie, Anästhesiologie, Dermatologie, Onkologie und Hygiene. Grundlagenforscher sind bei den BBIM-Initiatoren ebenso vertreten wie erfahrene Kliniker. Herausgekommen ist ein Konzept, das zuerst die universitären Gremien überzeugte, dann das Land Nordrhein-Westfalen und nun auch den Wissenschaftsrat. „Mit seinem hoch innovativen und bis ins Detail ausgeklügelten Konzept wird das BBIM eine Einrichtung, wie sie hierzulande noch nicht besteht“, ist sich Wiendl sicher.

Der Wissenschaftsrat, der die Bundesregierung und die Landesregierungen in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung berät, hat insgesamt Projekte zur Förderung empfohlen. Drei davon sollen in Nordrhein-Westfalen entstehen: Neben dem BBIM erhielten auch das Zentrum für Theoretische und Integrative Neuround Kognitionswissenschaft an der Universität Bochum und der Hochleistungsrechner CHEOPS 2 der Universität Köln ein positives Votum; das Gesamtvolumen der drei Vorhaben beziffert das Land NRW auf 160 Millionen Euro.