Drei neue Consolidator Grants an der Universität Freiburg

Maja Banks-Köhn, Henning Jessen und Johanna Pink (von links). Fotos: Jürgen Gock

Maja Banks-Köhn, Henning Jessen und Johanna Pink (von links). Fotos: Jürgen Gocke, Hans-Peter Fischer, Thomas Kunz

Der Europäische Forschungsrat fördert Maja Banks-Köhn, Henning Jessen und Johanna Pink mit je zwei Millionen Euro

Die Chemische Biologin Maja Banks-Köhn, der Chemiker Henning Jessen und die Islamwissenschaftlerin Johanna Pink erhalten jeweils einen Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC). Die Förderung ist mit je zwei Millionen Euro dotiert und läuft über fünf Jahre. Die Wissenschaftlerinnen und der Wissenschaftler forschen auf Profilund Potenzialfeldern der Universität Freiburg: Banks-Köhn und Jessen in der biologischen Signalforschung, Jessen zusätzlich zu funktionellen und bioinspirierten Materialien und Pink auf dem Gebiet der Comparative Area Studies. Erstmals sind in einer Ausschreibungsrunde gleich drei ERC Consolidator Grants, die als eine der renommiertesten Forschungsförderungen in Europa gelten, nach Freiburg vergeben worden. ,,Ich gratuliere meinen Kolleginnen und meinem Kollegen herzlich zu diesem großartigen Erfolg", sagt Rektor Hans-Jochen Schiewer. ,,Die Auszeichnung ist ein hervorragendes Beispiel für die Forschungsstärke unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, auf der die Innovationskraft und internationale Sichtbarkeit unserer Profilund Potenzialfelder basiert."

Maja Banks-Köhn möchte in ihrem ERC-geförderten Projekt untersuchen, wie sie mit künstlich entwickelten Molekülen Signalwege in Zellen beeinflussen und für medizinische Anwendungen nutzen kann. Besonders interessiert sie die Regulation des Proteins Phosphatase 1 (PP1). Dieses Enzym kommt in den meisten Zellen des Körpers vor und spielt für die Gesundheit des Herzens eine wichtige Rolle. PP1 beeinflusst eine Vielzahl von Zellproteinen, indem es Phosphatgruppen biochemisch von ihnen abspaltet. Damit ist es ein wichtiges Steuerelement in Signalwegen der Zelle. Im Normalzustand ist PP1 an regulatorische Proteine gebunden, die die Aktivität von PP1 kontrollieren. Ist deren Gleichgewicht aber gestört, beeinträchtigt das die Funktionsweise von Zellen. Im Herzen sind solche Störungen an der Entwicklung von Kardiomyopathien und Herzversagen beteiligt. Banks-Köhn entwickelte Moleküle namens PP1-disrupting peptides, die in der Lage sind, die Aktivität von PP1 zu steuern. Diese Moleküle erlauben es ihr nun in ihrem Projekt, die Funktionsweise von PP1 besser verstehen zu lernen und in Zukunft Behandlungsansätze für Herzerkrankungen zu erproben.

Banks-Köhn studierte Chemie an der Universität Kiel und promovierte 2005 an der Technischen Universität und am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund. Danach forschte sie zunächst an der Universität Harvard in Cambridge/USA und war anschließend Gruppenleiterin am European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg. Seit 2016 ist sie Professorin für Integrative Signalstudien am Institut für Biologie III der Albert-Ludwigs-Universität. Sie ist Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters CIBSS und Vizesprecherin des Exzellenzclusters BIOSS, die beide auf dem Gebiet der biologischen Signalforschung arbeiten. Zudem ist sie die erste Person an der Universität Freiburg, die nach einem ERC Starting Grant auch einen ERC Consolidator Grant eingeworben hat.

Henning Jessen forscht in seinem ERC-geförderten Projekt zu bakteriellen Stressbotenstoffen. Wenn Bakterien Stress erfahren, etwa infolge von Nährstoffmangel, Temperaturschocks oder Antibiotika, produzieren sie so genannte Alarmone, die ein umfassendes und sofortiges Anpassungsprogramm initiieren. Diese als stringente Antwort bekannte Reaktion ist in allen Bakterien erhalten. Sie gilt daher als interessantes Feld, um neuartige Antibiotika zu entwickeln, die es Bakterien erschweren, auf Stress angemessen zu reagieren. Jessen erarbeitet in dem Projekt neuartige Strategien, mit denen sich die Levels von Alarmonen in lebenden Bakterien analysieren und gezielt modulieren lassen. Außerdem analysiert er mithilfe von neuartigen chemischen Werkzeugen die stringente Antwort, um sie noch besser zu verstehen. Bislang ist beispielsweise unklar, wie Bakterien diese Reaktion wieder beenden können, um in ihren Ausgangszustand zurückzukehren. Zugleich will Jessen neue Ansätze zur Entwicklung von Antibiotika etablieren, die die stringente Antwort bei Bakterien gezielt unterbinden oder diese in einem Zustand halten, in dem sie nicht mehr in der Lage sind, sich selbst zu vervielfältigen. 

Jessen studierte Chemie an der Universität Hamburg und promovierte dort im Jahr 2008 in Medizinalchemie. Im Anschluss ging er als Postdoc in die Schweiz - zunächst an die École Polytechnique Fédérale de Lausanne, später an die Universitäten Basel und Zürich. 2015 wurde er auf die Professur für Bioorganische Chemie am Institut für Organische Chemie der Universität Freiburg berufen. Er ist Mitglied in den Exzellenzclustern livMatS - Living, Adaptive and Energy-autonomous Materials Systems und CIBSS - Centre for Integrative Biological Signalling Studies der Universität Freiburg und ein Senior Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS).

Johanna Pink befasst sich mit ihrem ERC-geförderten Projekt mit der globalen Dimension von Koranübersetzungen, die sich seit dem frühen 20.Jahrhundert weltweit als zentrales Medium muslimischer religiöser Praxis etabliert haben. Sie wird die globalen Vernetzungen in diesem Feld auf zwei Ebenen untersuchen. Erstens befasst sie sich mit institutionellen Akteuren, die Koranübersetzungen in vielen Sprachen für ein weltweites Publikum produzieren; dies sind vor allem Nationalstaaten wie Saudi-Arabien und Iran sowie missionarische Bewegungen wie die Ahmadiyya. Zweitens analysiert sie die komplexe Geschichte und Verbreitung von Koranübersetzungen in die Sprachen früherer Kolonialreiche: Englisch, Französisch und Russisch. Diese Studien verbindet sie durch die Frage, welche Auslegungsdebatten sich in Koranübersetzungen widerspiegeln - etwa mit Bezug auf Genderfragen, den Status von Nichtmusliminnen und -muslimen oder das Gottesbild. Außerdem erforscht sie, wie Sprache, Raum, Produzenten und Zielpublikum diese Debatten beeinflussen: Wie wirkt es sich beispielsweise aus, wenn ein mauretanischer Scheich im Auftrag einer saudischen Institution eine französische Koranübersetzung produziert - und wird diese dann in Frankreich anders angenommen als unter französischsprachigen Musliminnen und Muslimen im Senegal?

Pink studierte Islamwissenschaft an den Universitäten Erlangen und Bonn. Nach ihrer Promotion, die sie 2002 an der Universität Bonn ablegte, forschte sie im Graduiertenkolleg ,,Globale Herausforderungen - transnationale und transkulturelle Lösungswege" an der Universität Tübingen. Anschließend wechselte sie ans Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität Berlin, wo sie begann, sprachund regionalvergleichend zur muslimischen Koranauslegung und -übersetzung zu forschen. 2011 erhielt sie ein Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Seit 2012 ist sie Professorin für Islamwissenschaft und Geschichte des Islam am Orientalischen Seminar der Universität Freiburg.


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