Dominik Groß ist Rektoratsbeauftragter gegen Antisemitismus

Die RWTH Aachen zählt damit zu den ersten Universitäten in Deutschland, die dieses Amt einführen, um nachhaltige Strukturen aufzubauen.

Professor Dominik Groß, geschäftsführender Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der RWTH Aachen ist vom Rektorat der Hochschule zum ersten Rektoratsbeauftragten gegen Antisemitismus ernannt worden. Die RWTH Aachen gehört damit zu den ersten deutschen Universitäten, die eine solche Initiative ergreifen. Aufgabe des Rektoratsbeauftragten ist es, die Universitätsangehörigen für die Merkmale und Erscheinungsformen des Antisemitismus zu sensibilisieren und ein Klima des wechselseitigen Respekts und der Akzeptanz zu befördern - etwa durch das Ergreifen geeigneter präventiver Maßnahmen und durch die Schaffung nachhaltiger Strukturen gegen Antisemitismus jeglicher Art. Hierzu gehört die Zusammenarbeit mit der Zentralen Studienberatung der Hochschule und der Studentischen Kontaktstelle Antidiskriminierung des Gleichstellungsbüros, aber auch die Etablierung einschlägiger Veranstaltungsformate.

Groß ist als Neuzeithistoriker und Mediziner seit vielen Jahren in Forschung und Lehre mit dem Themenfeld ,,Aufarbeitung des Nationalsozialismus - Rechtsradikalismus - Antisemitismus" befasst und hat am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin diverse drittmittelgeförderte Aufarbeitungsprojekte geleitet. Er hat 2022 bei ,,Hentrich & Hentrich - Verlag für jüdische Kultur und Zeitgeschichte" eine fortlaufende Lexikonreihe zum Themengebiet etabliert. Im LIT-Verlag gibt er seit 2009 die Buchreihe ,,Medizin und Nationalsozialismus" heraus, bei Franz Steiner erschien jüngst ein Gedenkbuch zur Erinnerung an verfolgte jüdische Pathologen (zusammen mit Nico Biermanns) und bei Campus publizierte er (zusammen mit Stephan Braese) den Sammelband ,,NS-Medizin und öffentlichkeit". Groß gehört seit 2014 der Jury des Herbert-Lewin-Preises an, der mit 15.000 Euro Preisgeld zu den höchstdotierten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Aufarbeitung des Nationalsozialismus zählt.

Als Rektoratsbeauftragter gegen Antisemitismus sucht der Wissenschaftler den Austausch mit der FH Aachen, der Stadt Aachen, der jüdischen Gemeinde Aachen und weiteren Organisationen, die sich im Bereich der Antisemitismusprävention engagieren. ,,Wir wollen, dass die RWTH ein sicherer Ort zum Studieren, Forschen und Zusammenleben ist und bleibt. Die Ereignisse an Hochschulen Überall auf der Welt zeigen, wie wichtig eine solche Anlaufstelle ist. Wir richten uns an alle Mitglieder der RWTH, die Hilfe, Unterstützung, Beratung und Rat suchen, die Opfer von antisemitischer Diskriminierung sind oder antisemitische Vorfälle auf dem Campus beobachten", erklärt Groß.

Klares Bekenntnis gegen Antisemitismus Bereits in der Vergangenheit hat sich die Hochschule klar zu diesem Thema bekannt. ,,Die RWTH Aachen stellt sich entschlossen gegen Antisemitismus jeglicher Art. Wir lehnen Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung entschieden ab", betont Ulrich Rüdiger, Rektor der RWTH und verweist gemeinsam mit Sabine Brück, Prorektorin für Personal und wissenschaftlichen Nachwuchs auf das Statement der RWTH gegen Rassismus und Diskriminierung, welches bereits im August 2023 veröffentlicht wurde. ,,In der Strategie der Hochschule bekennen wir uns zur guten und freien Wissenschaft, die sich durch Kompetenz, Relevanz, Vielfältigkeit, Freiheit, Willen zum Erfolg, Einsatz, Wahrhaftigkeit, Transparenz und Chancengleichheit auszeichnet", erklärt Brück.