Diskriminierung von Sinti und Roma in der Populärkultur

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Interdisziplinäres Forschungsprojekt befasst sich mit Mechanismen der Ausgrenzung und Stigmatisierung

Pavel Brunssen | © privat
Pavel Brunssen | © privat

Mit der Ausgrenzung und Stigmatisierung von Sinti und Roma in der deutschen Populärkultur beschäftigt sich ein neues interdisziplinäres Projekt, das an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg seine Arbeit aufgenommen hat. Im Mittelpunkt stehen dabei die Fußballszene und die Hip-Hop-Kultur, in den Blick genommen wird aber auch der Karneval. Unter der Leitung des Kulturwissenschaftlers Dr. Pavel Brunssen sollen in drei Fallstudien Klischees, Vorurteile und Diskriminierung untersucht werden. Die Alfred Landecker Stiftung fördert das Vorhaben mit Mitteln in Höhe von 600.000 Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren. Dr. Brunssen forscht im Rahmen des Lecturer-Programms der Stiftung an der Ruperto Carola.

,,Anliegen unserer Forschung ist es, vor allem die Mechanismen zu verstehen, die zu einer fortwährenden Ausgrenzung und Stigmatisierung von Sinti und Roma in der Populärkultur beitragen", betont Brunssen. ,,Dabei werden wir unter anderem auch der Frage nachgehen, wie die Weitergabe traumatischer Erinnerungen von einer Generation zur nächsten die Inklusion und Exklusion von Sinti und Roma in der Gegenwart beeinflusst." In den jeweiligen Populärkulturen stelle sich das unterschiedlich dar. So verweist der Wissenschaftler etwa darauf, dass Sinti und Roma ihre Identität im Fußball tendenziell verheimlichen, im Hip-Hop dagegen offen damit umgehen. Die Ergebnisse der drei interdisziplinären Fallstudien zu Fußball, Hip-Hop und Karneval sollen in einer Buchpublikation zusammengefasst werden. Dr. Brunssen baut dabei auf seinen früheren Forschungen zu Antisemitismus und Antiziganismus im Fußball und in Fankulturen auf.

Dr. Frank Reuter, wissenschaftlicher Geschäftsführer der Forschungsstelle Antiziganismus, hebt die Bedeutung des Projekts hervor: ,,Die Förderung dieses Forschungsprojekts durch die Alfred Landecker Stiftung ermöglicht es uns, bedeutende Fortschritte im Verständnis und in der Bekämpfung des Antiziganismus in der deutschen Gesellschaft zu erzielen. Wir sind Überzeugt, dass die Ergebnisse dieses Projekts auch dazu beitragen werden, Sichtbarkeit und Teilhabechancen von Sinti und Roma zu verbessern."

Pavel Brunssen studierte Soziale Arbeit und Sozialpädagogik an der Hochschule Düsseldorf sowie Interdisziplinäre Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. An der University of Michigan (USA) wurde er im Jahr 2023 mit einer Arbeit über die Entstehung jüdischer Clubs und Antisemitismus in europäischen Fanund Fußballkulturen promoviert. Für seine Dissertation erhielt er den Marshall Weinberg Prize, den das Frankel Center for Judaic Studies vergibt. Pavel Brunssen ist Autor und Mitherausgeber von Publikationen zur Antisemitismusund Antiziganismus-Forschung.

Die Forschungsstelle Antiziganismus wurde als europaweit erste und bislang einzige akademische Institution mit diesem inhaltlichen Schwerpunkt am Historischen Seminar der Universität Heidelberg etabliert. Seit 2017 wird dort zu Ursachen, Formen und Folgen des Antiziganismus in den europäischen Gesellschaften vom Mittelalter bis in die Gegenwart geforscht. Die 2019 gegründete Alfred Landecker Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, das Andenken an die Verfolgten und Opfer des Nationalsozialismus zu bewahren und an den Holocaust zu erinnern. Die Stiftung fördert innovative Projekte, die sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen und sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen.