Die Physik des Lebens entschlüsseln

Antrittsvorlesung von Timo Betz am 4. Dezember 2023 an der Fakultät für Physik

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Das Verständnis der physikalischen Prinzipien, die von lebenden Zellen und Organismen zur Erfüllung ihrer komplexen Aufgaben genutzt werden, ist einer der -heiligen Grale- der Biophysik. Trotz leistungsfähiger Werkzeuge in Form von experimentellen quantitativen Methoden und theoretischen Modellen macht die schiere Komplexität lebender Systeme eine saubere Beschreibung sehr schwierig. Mit diesem Problem beschäftigt sich der Physiker Timo Betz am Montag, 4. Dezember 2023, in seiner Antrittsvorlesung an der Universität Göttingen. Betz erläutert das Problem anhand einer Fallstudie über das Flimmern der Membran roter Blutkörperchen, das vor etwa 130 Jahren entdeckt wurde. Sein öffentlicher Vortrag mit dem Titel -Wanted: Dead or Alive - Deciphering the physics of life using non-equilibrium statistical mechanics- beginnt um 16.30 Uhr im Max-Born-Hörsaal (Hörsaal 2) der Fakultät für Physik, Friedrich-Hund-Platz 1.

Timo Betz, Jahrgang 1976, studierte Physik an den Universitäten Würzburg und Leipzig sowie der University of Texas in Austin. Er wurde an der Universität Leipzig promoviert und forschte anschließend am Institut Curie in Paris. Im Jahr 2015 folgte er einem Ruf auf eine Professur für Zellmechanik an der Universität Münster, seit September 2020 ist er Professor für Biophysik am III. Physikalischen Institut der Universität Göttingen.

Ein Hauptziel seiner Forschung ist es, die grundlegenden physikalischen Prozesse zu entschlüsseln, die zu Stabilität und Robustheit führen. Die hohe Komplexität, die nichtlineare Natur eines jeden lebenden Systems und die Tatsache, dass sie fern vom thermodynamischen Gleichgewicht operieren, macht dieses Verständnis unglaublich schwierig. Betz untersucht mit seinem Team, wie die Mechanik an der korrekten und robusten Interaktion zwischen verschiedenen biologischen Komponenten beteiligt und manchmal sogar dafür verantwortlich ist. Schwerpunkt seines Labors sind die quantitative Beschreibung und die mathematische Modellierung der komplexen Wechselwirkungen in Zellen und Geweben. Dazu entwickeln die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Messmethoden zur Quantifizierung von Kräften und Spannungen in 3D-Gewebe, Membranen und Filamenten.



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