Deutsche Physikalische Gesellschaft zeichnet Johanna Stachel aus

Mit der wichtigsten Auszeichnung, die die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) auf dem Gebiet der experimentellen Physik vergibt, wird die Heidelberger Wissenschaftlerin Johanna Stachel ausgezeichnet. Sie erhält die Stern-Gerlach-Medaille gemeinsam mit Peter Braun-Munzinger vom GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt. Die DPG würdigt damit die herausragenden Beiträge des Forscherehepaares zur Interpretation von Schwerionenkollisionen und zum Verständnis der Phasenstruktur von Materie unter extremen Bedingungen ebenso wie die federführenden Arbeiten in der Entwicklung und Etablierung experimenteller Techniken. Johanna Stachel lehrt und forscht als Professorin für Experimentalphysik am Physikalischen Institut der Universität Heidelberg; Peter Braun-Munzinger ist Honorarprofessor an der Ruperto Carola.

Am europäischen Forschungszentrum CERN in Genf ist Prof. Stachel maßgeblich an den Experimenten mit dem Teilchenbeschleuniger LHC und der ALICE-Kollaboration beteiligt. Im Mittelpunkt der Forschung steht das Quark-Gluon-Plasma. Aus diesem Materiezustand, der unmittelbar nach dem Urknall den Kosmos erfüllte, entwickelten sich einst die Grundbausteine der Materie und schließlich alles, was wir heute im Universum vorfinden. Der Large Hadron Collider (LHC) macht es möglich, diese kosmische ,,Ursuppe" nachzubilden und zu untersuchen. Nach der Mitwirkung an Bau und Betrieb zentraler Detektoren für das Experiment ALICE haben Prof. Stachel und Prof. Braun-Munzinger in einer Serie von Veröffentlichungen zentrale Erkenntnisse aus ihren langjährigen Arbeiten zur Natur des Phasenübergangs vorgestellt. Gemeinsam mit Kollegen konnten sie mit Präzision die Übergangstemperatur bestimmen. Zudem gewannen sie neue Einblicke in den Mechanismus, wie ein Quark-Gluon-Plasma beim Abkühlen in die normalen Materiebausteine wie Protonen, Neutronen oder Atomkerne ausfriert. Dabei gelang auch der Nachweis eines von Johanna Stachel und Peter Braun-Munzinger vorhergesagten Phänomens. Für ihre gemeinsam erbrachten, herausragenden Forschungsleistungen in der Hochenergie-Schwerionenforschung werden die beiden Wissenschaftler nun geehrt.

Johanna Stachel studierte Chemie und Physik und wurde an der Universität Mainz promoviert. Im Anschluss forschte sie dreizehn Jahre in den USA an der Stony Brook University und dem Brookhaven National Laboratory. 1996 wurde sie an die Universität Heidelberg berufen. Für ihre Arbeiten erhielt sie mehrere Forschungspreise, im Jahr 1999 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Prof. Stachel hat in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien wie dem Scientific Policy Committee des CERN und dem US-amerikanischen Nuclear Science Advisory Committee mitgewirkt und engagiert sich auch aktuell in vielfältiger Weise in Einrichtungen der Wissenschaftsförderung. Von 2012 bis 2014 war sie Präsidentin der Deutschen Physikalischen Gesellschaft - als erste Frau seit Gründung der DPG im Jahr 1845. Diese ist die älteste nationale und mit mehr als 60.000 Mitgliedern auch größte physikalische Fachgesellschaft der Welt.