Der Soziologe Henning Stroers spricht sich für mehr Planungssicherheit und flexible Angebote für Nachwuchswissenschaftlerinnen aus

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Henning Stroers © Caroline Queda

Henning Stroers © Caroline Queda

In Nordrhein-Westfalen lag im Jahr 2017 der Frauenanteil in der Professorenschaft bei 25,7 Prozent, wie aus einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Wie andere Hochschulen bemüht sich auch die Universität Münster diesen Anteil zu erhöhen. Für Nachwuchswissenschaftlerinnen gibt es verschiedene Förderprogramme. Kathrin Nolte sprach mit Henning Stroers, Geschäftsleiter des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik (FFP) an der WWU, über die Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaftskarriere sowie eine lebensphasenorientierte Personalpolitik.

Aktuelle Zahlen belegen, dass die familiäre Situation der deutschen Professorinnen durch einen sehr hohen Anteil von Ledigen und Geschiedenen gekennzeichnet ist. Außerdem haben Professoren im Schnitt mehr als doppelt so viele Kinder wie ihre Kolleginnen. Woran liegt das?

Professorinnen sind viel stärker vom Spagat zwischen Beruf und Familie betroffen als ihre männlichen Kollegen. Letztere leben häufiger in Beziehungen, die einer traditionellen Rollenverteilung folgen oder in denen die Lebenspartnerin keiner wissenschaftlichen Karriere nachgeht. Umgekehrt suchen Professorinnen öfter Lebenspartner im eigenen beruflichen Umfeld. Sie müssen die Kinderbetreuung an Dritte auslagern oder unterbrechen ihre wissenschaftliche Karriere zeitweise. Die Doppelbelastung hoher und zeitintensiver Arbeitsanforderungen in Verbindung mit der übernahme von Familienaufgaben führt dabei schnell zu Konfliktpotential oder verhindert sogar die Realisierung eines Kinderwunsches.

Wie lassen sich die Karrierewege des wissenschaftlichen Nachwuchses besser mit den persönlichen Lebensphasen vereinbaren?

Die Rahmenbedingungen auf dem Weg zur Professur müssen gerade für Frauen verbessert werden: Eine feste Anstellung sorgt für mehr Planungssicherheit bei der Umsetzung von Kinderwünschen und der Ausbau von Betreuungsmöglichkeiten verhindert, dass die wissenschaftliche Karriere länger unterbrochen werden muss. Flexible Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die den jeweiligen Lebensphasen angepasst sind, müssen gestärkt werden. Hierzu gehören unter anderem eine wertschätzende und familienorientierte Führungskultur in den Hochschulen und die Schaffung von Gestaltungsspielräumen durch beispielsweise Homeoffice und Kinder-Betreuungsmöglichkeiten für den Notfall. Zentral sind auch zielgruppenorientierte Informationsund Beratungsangebote, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bestmöglich zu fördern.

Was kann die Universität mit ihrer Personalpolitik tun?

Entscheidend ist, dass personalpolitische Maßnahmen ganzheitlich und nachhaltig sind, das heißt bedarfsgerecht auf jede Zielgruppe und Lebensphase abgestimmt werden. Hierfür müssen die Bedarfe zunächst systematisch erhoben werden, etwa über Befragungen. Darüber hinaus muss umfassend über das Angebot informiert werden. Insbesondere die Führungskräfte - auch im wissenschaftlichen Bereich - sollten für die unterschiedlichen Bedarfe der Zielgruppen sensibilisiert und im Umgang mit Maßnahmen geschult werden. Ein wichtiger Bestandteil der Personalpolitik sollte zudem die Förderung von Frauen in Führungspositionen und Professuren sein, wofür sich beispielsweise Mentoring-Programme eignen.