Der Müll, der Luxus und die Kunst

Ausstellung über die Mode von Stephan Hann in der Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin / Eröffnung am 9. Mai

,,Müll, Luxus und die Kunst" - unter diesem Titel zeigt die Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität vom 9. Mai an eine Ausstellung über die Modewelten des Berliner Künstlers Stephan Hann. Bekanntheit erlangte er für seine einfallsreichen Modeschöpfungen aus recycelten Materialien, die bereits von zahlreichen internationalen Museen ausgestellt wurden. In der Abguss-Sammlung stehen diesen avantgardistischen Modeobjekten Gipsfiguren antiker Plastiken gegenüber. Bei der Eröffnungsveranstaltung stellen der Kustos der Sammlung Lorenz Winkler-Hora’ek und der Leiter des Textilund Industriemuseums in Augsburg Karl Borromäus Murr den Modekünstler Stephan Hann und die Schaustücke vor. Die Ausstellung wird bis zum 1. September gezeigt; sie ist öffentlich, der Eintritt frei.

Stephan Hann, Jahrgang 1970, gilt als ein bedeutender Konzeptkünstler der Mode und als ein Pionier des sogenannten Upcyclings. Ende der 1980er Jahre erlernte er das Handwerk der klassischen Herrenmaßschneiderei an der Deutschen Oper in Berlin. Nach einem Studium der Szenografie und Mode an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee zog es Stephan Hann in einige bekannte Modehäuser in Paris. Er arbeitete beispielsweise für Swarovski oder Loulou de la Falaise . Seine Kollektionen, die von den späten 1980er Jahren an entstanden, weisen in neue, innovative künstlerische Richtungen. Stephan Hann experimentierte mit der Materialität seiner Mode-Entwürfe und ließ Kleidungsstücke aus recycelten Gegenständen und Stoffen des Alltags schneidern. Seine erste Kollektion aus Telefonbuchseiten und Zeitungspapier präsentierte er im Jahr 1985. In den folgenden Jahrzehnten entstand Haute Couture als Konzeptkunst aus weggeworfenen Alltagsgegenständen, etwa aus Plastiktüten, Tablettenblistern, Zelluloid, zerrissenen Werbeplakaten oder auch Etiketten von Champagnerflaschen. Lorenz Winkler-Hora’ek erklärt, dass nicht das Material, sei es Alltagsmüll oder gewöhnlicher Gips, die bildende Kunst definiere, sondern dessen Form. Der kreative, originelle Schöpfungsprozess verleihe den Dingen ihren kulturellen und ästhetischen Wert. Stephan Hann verwandle das Vergängliche in etwas Beständiges; banale Alltagsobjekte oder kurzlebige Mode werden in zeitlose Kunst transzendiert.

Die textilen Kunstwerke Stephan Hanns wurden schon in einer Reihe von Museen ausgestellt und während Modeschauen präsentiert, beispielsweise im Nederlands Architectuurinstituut in Rotterdam oder im Museum für angewandte Kunst in Wien. Die Hann-Ausstellung im Kunstgewerbemuseum Berlin im Jahr 2008 brach bisherige Besucherrekorde. Die Exposition in der der Berliner Abguss-Sammlung Antiker Plastik kann noch bis zum 1. September 2019 besichtigt werden.


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