Clemens J. Setz erhält den Berliner Literaturpreis 2019

Preisträger nimmt die Berufung der Freien Universität Berlin auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik der Stiftung Preußische Seehandlung an

Die Stiftung Preußische Seehandlung hat auf Beschluss ihrer Preisjury den österreichischen Schriftsteller Clemens J. Setz (Jahrgang 1982) mit dem Berliner Literaturpreis 2019 ausgezeichnet. Der Autor nimmt die mit dem Preis verbundene Berufung der Freien Universität Berlin auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik im Sommersemester 2019 an. Der mit 30.000 Euro dotierte Berliner Literaturpreis zeichnet Autorinnen und Autoren aus, die mit ihrem literarischen Werk in den Gattungen Erzählende und Dramatische Literatur sowie Lyrik einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geleistet haben. Mit der Preisvergabe geht das Angebot einer Berufung auf die Gastprofessur für deutschsprachige Poetik am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin einher.

Die Gastprofessur bietet jeweils im Sommersemester ein Forum für Textarbeit mit Studierenden der Universitäten und Hochschulen in den Ländern Berlin und Brandenburg. Bisherige Preisträger und Dozenten waren Herta Müller, Durs Grünbein, Ilija Trojanow, Ulrich Peltzer, Dea Loher, Sibylle Lewitscharoff, Thomas Lehr, Rainald Goetz, Lukas Bärfuss, Hans Joachim Schädlich, Olga Martynova, Feridun Zaimoglu, Ilma Rakusa und Marion Poschmann. Der Jury des Berliner Literaturpreises 2019 gehören Michael Gamper, Jutta Person, Stephan Wetzel, Ernest Wichner und Norbert Christian Wolf an.

In der Begründung für die Preisvergabe heißt es: "Der Schriftsteller Clemens J. Setz erhält den Berliner Literaturpreis für ein literarisches Schaffen, das in allen Großgattungen originelle Akzente gesetzt hat. Es ist von einer schier unerschöpflichen Fabulierlust und absurder Komik geprägt und glänzt mit einem intertextuellen Anspielungsreichtum, der von genuin literarischen über philosophische und naturwissenschaftliche bis zu popkulturellen Diskursen reicht. Dokumentarisches wird mit Fantastik konfrontiert, genau recherchiertes, zum Teil abseitiges und abstruses Wissen mit Groteskem und Irrationalem; irreale Traumsequenzen werden ihrerseits mit rationalen Erkenntnissen verknüpft, wobei die narrative Kombinatorik stets neue und unerwartete Wendungen nimmt. Ausgehend vom Debüt Söhne und Planeten (2007) über den zweiten Roman Die Frequenzen (2009), das Theaterstück Mauerschau (2010) und den so fulminanten wie rätselhaften Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes (2011) hat Setz konsequent einen idiosynkratischen literarischen Kosmos geschaffen und sich einen so eigenwilligen wie facettenreichen, gleichsam musikalischen Schreibstil erarbeitet. Beides führt er im Roman Indigo (2012), dem ,unlyrischen’ Lyrikband Die Vogelstraußtrompete (2014), dem Monumentalroman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre (2015) und dem bitterbösen Theaterstück Vereinte Nationen (2017) sowie in essayistischen Texten und Gesprächen zu jeweils neuen Höhepunkten kalkulierter oder assoziativer Komposition. Setz verbindet darin auf eindrückliche Weise literarische Traditionsbestände mit formalen Errungenschaften der Avantgardeliteratur, was sein Schreiben gleichermaßen für ein größeres und junges Publikum attraktiv macht."

Der Berliner Literaturpreis wird am vom Regierenden Bürgermeister und Vorsitzenden des Rates der Stiftung Preußische Seehandlung, Michael Müller, im Berliner Rathaus verliehen. Der Präsident der Freien Universität Berlin, Günter M. Ziegler, wird die Berufung des Preisträgers auf die Gastprofessur vornehmen. Die Laudatio hält die österreichische Literaturwissenschaftlerin Dr. Daniela Strigl.